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Die Notwendigkeit von „Verwirbelungen“ bei der Planung und Umsetzung von bezahlbarem Wohnen in die Praxis!

Ein Kommentar

Vom 21. bis 23. Februar 2018 fand an der Katholischen Stiftungshochschule München (KSH) der Kongress „Sozialplanung im D-A-CH-Raum: Strategien und Praxis für bezahlbares Wohnen“ statt, der von der Fachgruppe „Sozialplanung International“ des VSOP (Verein für Sozialplanung e.V.) organisiert und in Kooperation mit der KSH ausgetragen wurde. An diesem Kongress haben an die 100 Sozialplaner*innen, Städteplaner*innen, Personen aus der Wohnraumversorgung und Wohnungslosenhilfe, Architekt*innen, Urbanist*innen, Sozialforscher*innen sowie Vertreter*innen der Wohnbaugenossenschaften aus den Ländern Deutschland (D), Österreich (A) und der Schweiz (CH) teilgenommen, um Handlungsmöglichkeiten und innovative Ansätze für bezahlbares Wohnen zu diskutieren.

Eröffnet wurde der Kongress mit dem Vortrag „Bedeutung der Wohnungsmärkte für ein gelingendes Leben vor Ort“ von Prof. Dr. Tilman Harlander von der Universität Stuttgart. Ausgehend von den demografischen Entwicklungen hatten die (Groß-)Städte bis vor etwa zehn bis fünfzehn Jahren eher mit einer Ab- als mit einer Zunahme der Bevölkerung gerechnet. Aus diesem Grunde wurden kommunale Wohnungspolitik bzw. Wohnungsbau lange Zeit vernachlässigt. Infolge verschiedener Entwicklungen zeigt sich nun eine steigende Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Prof. Dr. Tilman Harlander warnte vor zunehmender Segregation, Gentrifizierungsprozessen und einem sozialen ‚Auseinanderdriften der Stadtgesellschaften‘ – nicht zuletzt durch Gated Communities bzw. Formen ‚abgeschirmten Wohnens‘. Um diesen Entwicklungen zu begegnen und Stadtquartiere sozial und funktional vielfältiger zu gestalten, stünden Kommunen vor immensen Herausforderungen. Nötig seien „eine aktive kommunale Wohnungspolitik, die etwa durch sog. ‚Förderquoten‘ steuernd eingreift und auch den nötigen Mitteleinsatz nicht scheut, sowie eine begleitende Boden(vorrats-)politik und die Vergabe städtischer Flächen nach den besten Konzepten (‚Konzeptvergabe‘)“.

Die Gestaltungsmöglichkeiten auf dem Wohnungsmarkt in österreichischen Kommunen wurde von dem Stadtsoziologen Prof. Dr. Jens Dangschat von der Technischen Universität Wien unter anderem am Beispiel der Stadt Wien und dem Modellprojekt „Seestadt Aspern“ beleuchtet. Während Deutschland im sozialen Wohnungsbau in der Regel eine Mietpreisbindung von 20 bis 25 Jahre vorgesehen ist, gibt es in Österreich keine vergleichbare Einschränkung der sozialen Bindung. Nach dem Motto: einmal gefördert, immer gebunden, kann es hier allerdings auch dazu kommen, Mietverträge „vererbt“ werden, ohne dass je eine Fehlbelegung überprüft wird.

Detaillierte Zahlen zur Armutssituation in der Schweiz legte Prof. Dr. Carlo Knöpfel von der Fachhochschule Nordwestschweiz auf der Grundlage der Studie „Wohnversorgung in der Schweiz. Bestandsaufnahme über Haushalte von Menschen in Armut und in prekären Lebenslagen“ vor, die im Rahmen des Nationalen Programms zur Prävention und Bekämpfung von Armut erstellt und vom Bundesamt für Wohnungswesen und dem Bundesamt für Sozialversicherungen finanziert wurde. Auch hier zeigt sich, dass eine ungenügende Wohnversorgung vor allem ein urbanes Problem ist und insbesondere benachteiligte Bevölkerungsgruppen (Rentner*innen, Alleinerziehende und Haushalte mit Migrationshintergrund) von ungenügender Wohnraumversorgung betroffen sind. Aufgabe der Wohnungspolitik wäre es daher, mehr (sehr) günstigen Wohnraum zu schaffen und dem Phänomen des „falschen Wohnens“ (z.B. Single-Haushalte bleiben in großen Wohnungen, Mehr-Kind- Familien leben im überbelag) durch mehr Kontrolle im Bereich des subventionierten Wohnbaus sowie der Förderung von Mobilität bei veränderten Haushaltsformen entgegenzutreten.

Die Vorträge zur Wohnungspolitik und Wohnungsmärkten im D-A-CH-Raum wurden anhand konkreter Praxisbeispiele aus Deutschland (Wohnraumversorgungskonzept für die Stadt Gießen, vorgestellt von Ines Müller, Leiterin des Amtes für soziale Angelegenheiten der Stadt Gießen), Österreich (Quartiersentwicklung Seestadt Aspern in Wien, vorgestellt durch Dr. Raimund Gutmann, Institutsleiter von wohnbund:consult, Büro für Stadt.Raum.Entwicklung) und der Schweiz („Kommunale Strategien zur Wohnversorgung für alle in der Schweiz“, vorgestellt von Prof. Tobias Fritschi von der Berner Fachhochschule und Sanna Frischknecht M.A., wiss. Mitarbeiterin am Seminar für Soziologie der Universität Basel) ergänzt. Im Ergebnis zeigt sich, dass wohnungspolitische Strategien, die auf einer fundierten Datenbasis beruhen und eine frühzeitige Einbindung aller relevanten AkteurInnen – auch regional – vorsehen, den größten Erfolg versprechen.

Der zweite Kongresstag fokussierte auf die Themen „Management und Selbstorganisation zum Wohnen im Quartier“. Als Referent*innen konnten hier die Stadtsoziologen Dr. Andrej Holm, Winfried Hammann, Vorstand der Bürgerstadt AG Berlin, und Prof. Dr. Andreas Strunk zusammen mit Ursula Strunk gewonnen werden. Während Dr. Andrej Holm in seinem Vortrag „Umgang mit destruktiven Quartierentwicklungen und Gegenstrategien“ vor allem auf die Gesetze des Marktes und das Dilemma der Ab- und Aufwertungen von Stadtgebieten am Beispiel der Stadt Berlin einging und entsprechende Gegenmaßnahmen bzw. Instrumente der Stadt seit 2016 diskutierte (z.B. Modernisierungsbeschränkungen und Genehmigungsvorbehalte beim Verkauf von Eigentumswohnungen in über 40 Stadtgebieten, Förderprogramm für Modernisierungen zur Sicherstellung von warmmietenneutralen energetischen Modernisierungen und Härtefallregelungen, Vorkaufsrechte, Zweckentfremdungsverbot, unabhängige Mieterberatung), lag der Schwerpunkt des Vortrages von Winfried Hammann auf dem Aspekt der Selbstorganisation: „Die Selbstorganisation in der Wohnungswirtschaft ist vornehmlich ein Thema der Baugruppen und Genossenschaften in den großen Ballungsräumen.

Obwohl ca. 20% der bauinteressierten Bürger sich diese Form der Sicherung von Wohnraum vorstellen könnten, ist die Wirklichkeit eine andere. Die Selbstorganisation fristet nach wie vor ein Schattendasein gegenüber den großen AkteurInnen (private wie auch zunehmend wieder staatliche) auf dem Wohnungsmarkt“. In seinem Vortrag machte er deutlich, dass auch zunehmend soziale Träger als neue AkteurInnen auf dem Gebiet der Selbstorganisation tätig sind, um für ihr Klientel Wohnraumversorgung sicherzustellen. Unter dem Slogan der Bürgerstadt AG „Bürger baut Eure Stadt“ und dem Hinweis auf zwei Modellprojekte in Berlin regte Hamann schließlich die Schaffung von Bürgerfonds (Stiftungen) an.

Eine Systematisierung der möglichen Strategien für eine angemessenere Wohnraumversorgung wurde schließlich mit dem Vortrag „Netzwerkmanagement, Kooperationsstrategien, lokale Bündnisse“ von Prof. Dr. Andreas Strunk und Ursula Strunk vorgestellt. So hängt eine soziale Wohnraumversorgung „von einer gelingenden Balance zwischen Sozialrechtsverwirklichung, Grundbedürfnisbefriedigung und Renditeerwartung ab. Diese Balance misslingt zunehmend und wohnungssuchende Haushalte vor Ort müssen das aushalten“. Daher bedarf es einer integrierten Wohnraumbedarfsplanung und „intelligenter Kooperationsprojekte“, in denen – in unterschiedlichen Kombinationen – Träger der Sozialen Arbeit z.B. durch Ausgründungen im Wohnungsbau tätig werden oder aber Wohnungs- und Bauträger Dienstleistungen der Sozialen Arbeit vorhalten. In allen Fällen kommt dem Netzwerkmanagement eine zentrale Rolle zu.

Für die in den Vorträgen angesprochenen Aspekte erfolgte im Rahmen der anschließenden Workshops eine praxisbezogene Vertiefung. So spiegelt sich der Slogan „Bürger baut Eure Stadt“ sehr gut im Workshop „Partizipative Entwicklung der Wohnbaugenossenschaft Warmbächli in Bern – wer partizipiert und für wen bauen wir eigentlich?“ wieder, der vom Sozialplaner und Projektleiter der WBG Warmbächli, Ilja Fanghänel, gestaltet wurde. Die Genossenschaft Warmbächli wurde 2013 mit dem Ziel gegründet, ein ehemaliges Lagerhaus von Tobler Schokolade in Bern zu Wohn- und Gewerberaum für innovative und gemeinschaftliche Wohnformen umzubauen. Hier wurden von Anfang an interessierte Bürgerinnen und Bürger in die Planung des Wohnprojektes eingebunden. Beim Beispiel München sind dagegen die Planungsdimensionen ungleich größer: München zieht als Metropolregion tausende Menschen an. Daher entsteht gegenwärtig das größte Münchner Bauvorhaben für ca. 25.000 neue Bewohnerinnen und Bewohner. Unter dem Titel „Die Rolle der Sozialplanung bei der Planung und Entwicklung eines neuen Stadtteils am Beispiel Freiham“ gingen Werner Nüßle und Markus Nowak vom Sozialreferat/Sozialplanung der Landeshauptstadt München auf ihre Aufgaben bei der räumlichen Sozialplanung ein. Diese erstrecken sich von der Beteiligung an der Bauplanung, insbesondere hinsichtlich der sozialen Infrastruktur (wie Nachbarschaftstreffs, Familien- und Jugendeinrichtungen, Einrichtungen für Wohnungslose sowie Alten- und Pflegeeinrichtungen) und der Berücksichtigung spezifischer Bedarfe von (benachteiligten) Zielgruppen bis hin zur Abstimmung und Koordination sozialer Netzwerke und Dienste.

Im dritten Workshop „Vernetzte Wohnungs- und Sozialpolitik in Vorarlberg“ stellten Heinz Schoibl (Gesellschafter bei Helix – Forschung und Beratung, Salzburg), Heidi Lorenzi (Institut für Sozialdienste Vorarlberg, Röthis) und Karl Ladenhauf (Amt der Vorarlberger Landesregierung, Bregenz) schließlich einen Planungsansatz vor, der sich durch eine systematische Vernetzung bzw. Verschränkung der Politikbereiche Soziales und Wohnen auszeichnet. Durch zahlreiche relevante Aspekte (z.B. Erarbeitung einer landesweit einheitlichen Vergabe geförderter gemeinnütziger Wohnungen, Gewährleistung von Ressourcen für Siedlungsarbeit im gemeinnützigen Bereich, Verbesserung des Zugangs zur Wohnversorgung für vulnerable Zielgruppen durch eingestreute Wohnungen etc.) kann dieses Vorhaben als ein gelungenes Best-Practice-Beispiel gewertet werden.

Am dritten Kongresstag ging es perspektivisch um „Innovation in Stadt- und Sozialplanung für bezahlbares Wohnen“. Hier stellte Werner Nüßle von der Landeshauptstadt München, Sozialreferat/ Sozialplanung in seinem Vortrag „Schritte zur Entwicklung lebenswerter und integrativer Quartiere – im Zusammenspiel von Sozial- und Stadtplanung“ insbesondere auf vier Aspekte ab, um ein produktives Zusammenspiel von Stadt- und Sozialplanung im Sinne lebenswerter und integrativer Quartiere zu erreichen. Unter dem Stichwort „Die Mischung macht`s – Monostrukturen verhindern!“ warnt er vor einer Konzentration sozialer Problemlagen. Die „Münchner Mischung“ aus je einem Drittel geförderten Wohnbau, freifinanziertem Wohnbau und Eigentum würde dem entgegen wirken. Da der Markt eher zu Verdrängungsprozessen und nicht zu einem Ausgleich der Interessen führt, müssen Flächen und Wohnbestände dem Markt entzogen werden. Starke kommunale Wohnbaugesellschaften und Genossenschaften mit einer möglichst langfristigen Bindung im geförderten Wohnungsbau könnten die sozialen Problemlagen entschärfen. Gewünscht wurden von ihm nicht nur eine Mischung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen im Quartier sondern beispielsweise auch in den Gebäuden sowie eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Versorgung im Stadtteil. Als weiteren Aspekt formulierte er „Keine geschichts- und gesichtslosen Quartiere – Identität schafft Identifikation“. Dies verdeutlichte er an Negativbeispielen, bei denen Bewohner*innen nicht miteinander in Austausch kamen, die Stadtplaner*innen sich nicht für die Geschichte des Ortes interessierten und am Ende auch kein Gefühl der „Heimat“ bei den Bewohner*innen entstand. Sozial- und Stadtplanung müssen gleichzeitig in größeren zeitlichen und räumlichen Kontexten planen und über „die Grenzen von Plänen und Satzungen schauen“. Unterschiedliche Perspektiven müssen verknüpft und zu einem integrierten Handlungskonzept ausgebaut werden, wie es in der Leipzig-Charta bereits 2007 angelegt wurde.

Den Blick auf die Bedeutung des öffentlichen Raums und seiner Gestaltungsmöglichkeiten legte der Architekt und Urbanist maxRIEDER aus Wien in seinem Vortrag „Kooperative Räume in der Stadt der Zukunft – nirgendwo im Posturbanen?“. Anhand zahlreicher provokanter Beispiele machte er deutlich, dass bei der Entstehung neuer Quartiere häufig nur den einzelnen (mitunter preisgekrönten) Gebäuden, weniger jedoch den Räumen zwischen den Gebäuden Beachtung geschenkt wird. Gerade das „DaZwischen“ bzw. der „Zwicklraum“ stellt den öffentlichen Raum dar, der zu einer kreativen Nutzung durch die Bewohner*innen einladen könnte. Mit der etwas zugespitzten These „Learning from Slums“ plädiert Dr. Max Rieder für eine umfassende „Verwirbelung“ auf verschiedenen Ebenen. Nur da, wo auch ein gewisses Maß an Unordnung ist, kann auch Kreativität bzw. etwas Neues entstehen. Zu viel Ordnung bzw. System „erstickt“ Kommunikation und soziale Begegnung. Für diese „Verwirbelungen“ sind juristische Ermessensspielräume zu nutzen bzw. kooperative Räume „neu zu denken“. Um ein modernes bzw. posturbanes Verständnis von Wohnen und (öffentlichem) Raum „kalibrieren“ zu können, wäre es wichtig, Architekt*innen und Urbanist*innen als „soziale Künstler*innen“ frühzeitig in Planungsprozesse einzubinden.

Den Abschluss des dritten Themenblocks bildete der Vortrag „Gelungene Beispiele für innovative selbstorganisierte Wohnkonzepte“ von Dipl. Soz. Heike Skok. Sie ist Gründungs- und langjähriges Vorstandsmitglied einer jungen Wohnungsbaugenossenschaft, Beraterin für die Konzipierung und Entwicklung neuer Wohnkonzepte, Leiterin der Geschäftsstelle des wohnbund e.V. und Mitarbeiterin in der mitbauzentrale münchen – Beratung für gemeinschaftsorientiertes Wohnen. In ihrem Vortrag präsentierte Heike Skok ausgewählte Beispiele für innovative, selbstorganisierte Wohnkonzepte insbesondere aus München. Diese Projekte leisten einen wichtigen Beitrag zur Stadtgesellschaft: „Sie schaffen dauerhaft qualitätsvollen und preiswerten Wohnraum; stehen für bürgerschaftliches Engagement, soziale Experimentierfreude und sind Vorreiter bei der Erprobung technischer Neuerungen“.

Die Stadt München fördert diese selbstorganisierten Wohnprojekte u.a. mit der Bereitstellung von Grundstücken. Die Initiierung und Organisation von innovativen Wohnkonzepten erfolgten in unterschiedlichen Rechtsformen. Die Partizipation der künftigen Bewohner*innen bei der Planung ist eine der Voraussetzungen für den Erfolg.

Aktuell spielt die Wohnungsfrage in jeder kommunalpolitischen Diskussion eine Schlüsselrolle. Die Bandbreite wohnungspolitischer Programme und kommunaler Wohnraumförderkonzepte ist immens. Ziel des Kongresses war es, eine geeignete Plattform für den wichtigen Erfahrungsaustausch zwischen Stadtplaner*innen und Planungsverantwortlichen zu bieten.

Als Fazit aus dem Kongress kann festgehalten werden, dass eine geeignete Boden- und Wohnungspolitik auf Landes- und kommunaler Ebene notwendig ist. Es muss der politische Wille vorhanden sein, den sozialen bzw. gemeinnützig organisierten Wohnungsbau so zu fördern, dass ein echtes Gegengewicht zum privaten bzw. privatwirtschaftlich organisierten Wohnungsbau entsteht und soziale Verdrängungseffekte verringert werden. Sozialplanung – auf Landes- und kommunaler Ebene – kann diese Prozesse unterstützen. Noch ist diese aber nicht in allen Kommunen und in den im D-A-CH-Raum beteiligten Ländern etabliert. Auch dazu bedarf es eines politischen Willens, der sich in entsprechenden gesetzlichen Regelungen und deren Umsetzung manifestieren sollte.

Sozialplanung und Stadtplanung sollten beim Thema „bezahlbares Wohnen“ interdisziplinär zusammenarbeiten und eine Zusammenführung ihrer jeweiligen Perspektiven während des gesamten Planungsprozesses sicherstellen. Darüber hinaus sind strategische Kooperationspartner (Architekt*innen, Urbanist*innen, Jurist*innen, Wohlfahrtsverbände u.a.) zu beteiligen. Durch die frühzeitige Beteiligung sind „Verwirbelungen“ bzw. „künstlerisch-soziale Innovationen“ möglich, die Quartiere zu lebenswerten, lebendigen und integrativen Orten werden lassen.

Gestaltungsspielräume sind auszuloten und Machtstrukturen bzw. Handlungsspielräume zu analysieren. Darüber hinaus sollten Koordinationsstellen bzw. Fachstellen für Wohnen im Wohnbauförderungsgesetz aufgenommen und entsprechend finanziert werden.

Sozialplanung versteht sich als Innovationsinstrument in der kommunalen Sozialpolitik und dabei insbesondere für Themen und Felder, die weitgehend vernachlässigt werden. Sie sieht ihre Aufgabe darin, auch über kommunale Grenzen hinaus zu denken. Eine regionale Sozialplanung (z.B. im Rahmen eines Planungsverbandes München bestehend aus München und den angrenzenden Landkreisen) aber auch eine Sozialplanung innerhalb der Wohlfahrtsverbände sind überlegenswert. Dies wären auch Anregungen für die Weiterentwicklungen im VSOP.

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Verfasserin:
Prof. Dr. Dorit Sing, Katholische Stiftungshochschule München, Campus Benediktbeuern

Mitgearbeitet haben:
Werner Riedweg MSt (Hochschule Luzern),
Heinz Schoibl Dr. phil. (Salzburg),

Dorit Sing, Prof. Dr. (KST-Hochschule München),
Andreas Strunk Prof. Dr. (F-Hochschule Esslingen)
und
Walter Werner (VSOP – Akademie Magdeburg).

Bild: maxRIEDER – „verwirbelungen“ 2008

Ein Kommentar zu “Die Notwendigkeit von „Verwirbelungen“ bei der Planung und Umsetzung von bezahlbarem Wohnen in die Praxis!

  1. Ich wusste vor dem Lesen des Artikels gar nicht wie viele Personen eigentlich an einem großen Wohnparkanlagenprojekt beteiligt sind und welche Kooperationen es dabei gibt auch die Prozessschritte dazwischen waren mir neu.
    Aber ich finde es schön, dass man einem auseinandertriften der Stadtgesellschaft entgegen steuern möchte und dafür ein Zusammenkommen jeglicher Abteilungen der Stadtplanung mit Sozialarbeiter ermöglicht. Denn nur im gemeinsamen Austausch und in der Kommunikation kann eine erfolgreiche Veränderung passieren.
    Aus dem Text nehme ich auch heraus, dass der Wunsch besteht an einem lebenswerteren, lebhafteren und integrativeren Ort wohnen zu wollen.
    Laut Max Rieder soll dies durch „Verwirbelung“ also Unordnung, Umstrukturierung passieren dadurch entsteht die Kreativität die zu etwas Neuen führt. Dies benötigt Experimentierfreude, dem ich nur zustimmen kann. Außerdem ist es von Wichtigkeit, dass die Planer nicht kühl und emotionslos an die Sache herangehen sondern mit Verbundenheit zum Ort und einem „Gefühl für die Heimat“. Mit diesen Ansätzen gelingt es eher einen lebensfroheren Wohnhort zu erschaffen, an dem man auch gerne sein möchte. Es zählt ebenso dazu, über die Grenzen zu blicken und das dazwischen wahrzunehmen. Die Räume zwischen den Gebäuden werden meist außen vor gelassen, die jedoch genauso gestaltet gehören.
    Alles in allem sollte aber auch daran gedacht werden das oft Konzepte, Pläne und Vorstellungen mit der Praxis nicht übereinstimmen können, dabei benötigt es eben die Kommunikation nicht nur mit den Planern allein sondern auch mit anderen Beteiligten die in der Umsetzung die nötige Kompetenz und Erfahrung mitbringen.

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