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Raum, Architektur oder ICH-DU-WIR.

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maxRIEDER – Heutzutage verliert sich die Unterscheidung von realen oder virtuellen Raum, das Hybride, das Gemenge beider Kategorien ist omnipräsent.
Gleichzeitig bedingt für Viele Existenz oder Existentielles einen Körper, eine physische Realität.
Der Körper bedingt einen Binnen (=Innen)-raum und wenn der Körper ergreift, auratisch ausstrahlt, einen Außenraum.
Bereits in Vergangenheit haben und verstärkt in Zukunft werden Trans-Räume und Trans-Körper – das Hybride – unweigerlich Veränderungen von Wahrnehmung, Wohlbefinden und Gemeinsamem auslösen.

So befinden wir uns bei Anwendung fortschrittlicher Techniken inmitten eines schizophrenischen Raumes, wenn wir von physikalischen Parameter absehen, ob wir uns Innen oder Außen oder Dazwischen befinden.
Der Raum ist aber Eins, immer Eins, eine Ganzheit.

„entree_HdV“ maxRIEDER, 2016

Dieses Erleben und Verarbeiten des Raumes erfolgt im Kopf oder anhand des eigenen Körpers.
Der Wahrnehmung kommt dabei die Schlüsselposition zu.
Wir wissen ja, dass jede Wahrnehmung subjektiv ist und durch Kultur, Erziehung, Bildung eben durch Persönlichkeit geprägt wird.

Gleichzeitig zum „einenRAUM“ existiert eine Unendlichkeit von Subräumen, die miteinander verschränkt, besser gesagt: vermengt sind. Deshalb, ist die Raumanalyse ein komplexer, wie abstrahierender Vorgang, der allerdings schwer von Intentionen und Erfahrungen losgelöst werden kann. Abstrahierende Vorgänge wie bloße physikalische, etwa Geometrie oder Dynamik sind verhältnismäßig leicht zu analysieren. Hingegen lassen sich milieuprägende Analysen nur im Vergleich zu anderen Räumen herstellen und beruhen daher auf großem Erfahrungsschatz.
Das ICH und das DU werden den Raum immer unterschiedlich wahrnehmen. Das WIR, also eine formulierte (ggf. auch nur ephemere) Gruppe wiederum unterschiedlich perzeptieren.

Der Raum ist deshalb sowohl abstrakt wie konkret (real und virtuell) und doch durch den Geist und/oder durch körperliche bzw. zukünftige transhumanen Extremitäten auch als permanent erweiterter Raum präsent.

„bodytransform“ maxRIEDER, 1989

Exkurs Raum und Architektur
Architektur hat (unendlich) viele Definitionen.
Diese sind mehr Credo und Haltung. Eine ziemlich lange Definitionssreihe beginnt bereits bei Vitruv und Alberti, beispielsweise Gebrauch, Nutzen, Schönheit (Alberti), Schutz/Bekleidung (Semper), Spiel der Volumen (Le Corbusier), modern Seriellem und Funktionalem (Bauhaus), Symbol (Frank), Organismus und Topographie (Wright), Transparenz-Internationalismus (vRohe), Alles (Hollein), Narrative Typologie (Rossi), Technikfetischismus (Foster), Aggression/Anarchie (CoopHimmelblau), zynischem Konzeptualismus (Koolhaas), Zufälligkeit/Ordnungsstörung (Gehry), Algorithmus (Eisenman), Skulpturalem (Moss), bewegender Organismus (Hadid), singulärer Kontextualität (Herzog&DeMeroun), Ephemerität bis Starrheit, Material-Poesie, Öko-Bio-Integralem usw. oder unabhängig transformaler Perspektiven für mich „Architektur ist eine soziale Kunst, Stadt ein soziales Kunstwerk“, eine fließend-fluktuierende, komplexe Definition.

Architektur ist vor allem Raumschaffung für Menschen und deren Interaktionen und weniger und selten Selbstzweck, Betrachtungsmedium, sondern Rahmen/Gerüst/Schwamm für menschliche Handlungen.
So wie Tänzer, Musiker, Performer temporären Raum begründen, konstituieren Architekten im besten Fall einen dauerhaften und flexibel nutzbaren Raum.
Die gewachsene oder aufgestaute Kultur-Schizophrenie des Architekten liegt in seiner Intentionen diesen Permanenzraum zum dynamischen, bewegten organischen oder erstarrten, kristallinen Raum, das Immobilie zum Mobilen oder vice versa – je nach Haltung – werden zu lassen, oder anders gesagt: vom bloßen Lastabtragen zum Schweben/Fibrieren – vice versa – bringen.
Um dieses Gelingen seiner individuellen Haltung Ausdruck zugeben benötigt es einer „Symphonie“ von Geometrie, Ordnung&Chaos, Proportion, Konstruktion, Oberfläche und Licht, dann gelingt Milieu, Atmosphäre und Körperresonanz.
Leider oder eben besser: dem Übernatürlichen geschuldet, kann dies nicht rezeptartig wiederholt werden, sondern ist von Kontexten abhängig.

Der Raum, vor allem der existentielle Raum des Gemeinsamen äußert sich in einer beziehungsreichen Raumgestalt beispielsweise als erfahrbarer, wahrnehmbarer Stadtraum, der durch Stimmigkeit oder Widersprüchlichkeit einen BeziehungsSPANNUNGSRAUM – einen spezifisch-konkreten Raumkörper konstituiert.

„körperzwischenraum“ maxRIEDER, 2009
„aspernaspern-freiestadt“ maxRIEDER, 2004

Viele Räume entstehen aus der Aneinanderreihung, dem Nebeneinander oder der Summe von Rest- und Zwickelräumen, eine Art Abfall der Architektur als Objektkunst, die in „Nicht-Räume“- DAZWISCHENRÄUME – heute prägend sind.

Neben der Eigenbefindlichkeit eines „Raum-Leibes“, also mein, dein, ihr oder unsere Körper interagieren wir immer mit andern „Raum-Leibern/Körper“. Die Lust des Interagieren untereinander ist in den gegenwärtigen Umwelten ist zugunsten des konsumistischen Interagieren mit Technologien und Apparaten gewichen. So haben unsere „Raum-Leiber“ nur mehr eingeschränkte Lust/ kein Animo mehr sich freiwillig in „Nicht-Räumen“ der neoliberalen Marktwirtschaft zu bewegen, er (der Lustkörper) will bewegt werden, instinktiv transportiert werden, anstatt sich der Qual sinnlicher Wahrnehmung auszusetzen. Er (der Lust-Leib) hat kein Animo sich ständig, freiwillig in amorphen, ausgefransten, ausufernd offenen Räumen zu bewegen (flanieren), instinktiv will er zu „wirklichen Räumen“ transportiert werden. Diese wirklichen Räume, – ArcheTypen – mannigfaltig wie Bauwerksensemble, Boulevard, Gassen-Platzlabyrinth, Volumenskulptur oder Tempel, Wandnische, Gerüstung oder vernakuläre Raumzellen-Agglomeration, Park- wie Hanglichtung, Heckenlabyrinth, begehbare Plateaus/Terrassen, Karsthöhle und Wasser- Uferrand sind u.a. die anthropologisch verankerten Sehnsuchtsräume.
Immer wenigere ErdenbürgerInnen können die Nicht-Räume, die mittlerweile überwiegend unsere Umwelt bestimmen, dauerhaft ohne psychische Langzeitschäden ertragen. Damit wird klar, warum viele von ihren Wohnsiedlungen und Traumeinfamilienhäusern Urlaub/Auszeit brauchen, Shopping als Zerstreuung kultivieren und zum Touristen werden (müssen). Arbeitsstätten gar nicht ausgenommen.

Wir haben uns angewöhnt diese Nicht-Räume, Un-Orte zu ignorieren, zu abstrahieren. Techniken der Smart-Welt sind nicht zuletzt so beliebt, weil der reale Raum in Anlehnung an einen Buchtitel um 1966 Mitscherlich`s „Die Unwirtlichkeit der Städte“ mutiert ist, heute müsste es längst weitergreifen als nur Stadtraum – wie 1996 Sieverts „Zwischenstadt“-Buch, so unerträglich sind die räumlichen Collagen des austauschbaren Irgendwie geworden. Marc Auge, ein Anthropologe postulierte 1994 „Non-Places/Nicht-Orte“ als jene Gegenden/Orte der Supermoderne wo Geschichte, Beziehungen und Identitäten ausgelöscht sind, viele solche sind nicht nur in Einkaufszentren, Hotels, Flughäfen, Autobahnen sondern inmitten uns – der bloßen Siedlungen – und konstituieren die Umwelt.

Die Psyche des Raumes, einerlei ob für Innen- oder Außensituationen ist immer entscheidend für unsere Entfaltung und Alltagsleben.
Raum ist deshalb die wirkliche Kategorie der Architektur anstatt beruhigender Schönheit, komplexer Harmonie oder zeitgenössischer Style. Natürlich kann ein Raum subjektiv als schön/hässlich empfunden werden, also ästhetische, geschichtliche Transformation oder zukünftigen Perspektiven erfüllen, aber er muss zuerst wahrnehmbar, erkennbar sein.
Die meisten unser Räume sind unbeschreiblich – im wahrsten Sinn des Wortes – somit auch schwer durch unsere Sinne „wahrnehmbar, verarbeitbar also letztendlich erkennbar“ wird. Erkennbar bedeutet damit identitäts- sinnstiftend zu wirken, eine Ur-Leistung von Architektur.

Das bloße, gegenwärtige Bauen und der überwiegende Teil der gebauten Umwelt/Bauwerke werden als autonome Objekte verstanden und bilden dann in der Ansammlung eine Vielzahl von fragmentierten oder losen Einzelräumen aus. Diese Räume erfüllen zwar eine (Mono-) Funktion (des Bewegens von Gütern und Menschen) sind aber durch mangelnde Stimulanz und Interaktionsmöglichkeiten unserer Raum-Leiber keine Architektur des potentiell Gemeinsamen.

Exkurs Urstoff des Raumes – Wasser
Meist fehlt diesen trivialen Bauwerks-Räumen der geheime, unsichtbare Stoff des treibenden oder ruhenden Wassers oder dessen vielen Aggregatzuständen. Wasser ist immer präsent, selbst dann wenn die Abwesenheit, die Verlustigkeit des Wassers (vulgo Austrocknung) gegeben Die Formkraft und latente Energie des sichtbaren/unsichtbaren Wassers ist immer evident. Nicht nur das Hochwasser, sondern die Wüstendüne referenziert auf diesen Stoff. Also ist das Wasser neben der Schwerkraft unsere Ordnungskraft für das Zusammenleben im Raum.

„Entwurfsmaterien“ maxRIEDER 1998

Zusammenfassung
Die Welt ist voller Räume.
Reale und Virtuelle.
Der Virtuelle/VR vulgo der imaginäre Traumraum obsiegt den Realen/RR.
Der Reale bietet heute überwiegend Ramschräume, bedeutungslose Zwischenräume in denen wir uns mit unseren Raum-Leibern verlieren, lediglich durchmüssen – lost in space.
Insofern überleben wir nur, weil es vereinzelt besondere Räume und Raumphänomene gibt die uns bannen – und seien es nur die Kunst-Räume, jedoch das Wasser ist immer imaginärer Raum-Spieler.

maxRIEDER
ArchitekturWasserStadtLandsschaft&Gestaltungsprozesse

Notizen eines Impulsvortrages Symposium SUMMIT of trans-Art, Künste im Dialog 13/14. August 2020, Salzburg, veröffentlicht Athena, wbv (Hrg. A. Rieder) 2022

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