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Ein Kai für jedermann – Neukonzeption des Rudolfskais

2 Kommentare

Zoe Gruber

Erst kürzlich (15.06.2021) wurden die neuen Pläne der Umgestaltung des Rudolfskais bekannt gegeben, was für großen Aufruhr sorgte. So soll die, doch sehr das Stadtbild prägende, Häuserfassade am Rudolfskai, von der Hausnummer 8 beim Rathaus bis zur Nummer 26 beim Hotel Altstadt, neu gestaltet werden. Ziel ist es, den etwas „schmuddeligen“ Charakter dieses Stadteils aufzuheben und ein vielfältigeres Angebot zu schaffen.

Es bleiben nach dem letzten Lockdown sieben von zehn Nachtlokalen geschlossen, diese sollen durch neue Geschäfte und Cafés aber auch Wein- und Bierbars ersetzt werden, um den Bereich vielseitiger nutzbar zu machen.


Außerdem wird der Gehsteig, die zukünftige Aufenthaltsfläche, der neue Verweilort, von 2,1 Meter auf bis zu 4,4 Meter verbreitert werden. Dieser Platz kann für Gastgärten der neuen Lokale oder auch für öffentlich, zugängliche Möbel verwendet werden. Dafür muss die Fahrspur allerdings von zweieinhalb Bahnen auf zwei verschmälert werden (eine Busspur, eine Richtungsfahrbahn).

Eine weitere Veränderung ist die Öffnung der neun Durchgänge zwischen Judengasse und Rudolfskai, was eine direkte Verbindung zwischen innerer Altstadt und der Salzach bringt.

Nun gibt es unterschiedlichste Meinungen zu diesen Plänen – einige sprechen sich für eine „Verschönerung“ dieser ehemaligen Fortgehmeile aus, andere wiederum sprechen von einer Vertreibung der Jugendlichen, welche hier den einzigen Platz gehabt hätten.

Ich kann hierzu nun nur meine eigene Ansicht äußern:

Auf den ersten Blick klang die Vorstellung nach einem diverseren Programm am Rudolfskai sehr ansprechend, vielleicht aber auch aus dem Grund, dass ich selbst mehr Morgenmensch als Fortgeherin bin. Somit hatte auch ich immer schlechte Assoziationen zum „Rudolfskai“ und fand die Idee von mehr Cafés und anderen Geschäften sehr ansprechen. Auch der Vorschlag den Gehsteig zu verbreitern, um dort ein Verweilen in Gastgärten o.Ä. möglich zu machen, klang vorerst sehr positiv. Bei weiterem Überlegen jedoch wurde mir klar, dass durch den breiteren Gehsteig der Verkehr nicht gleich weniger würde und somit stelle ich mir die Frage, wer dort, direkt an der (gefühlt) meistbefahrenen Straße Salzburgs, gemütlich Frühstücken und Flanieren möchte?

Da es in diesem Fall nicht wirklich die Möglichkeit einer Umfahrungsstraße gibt, an der Autos und Busse umgelenkt werden könnten, müsste eigentlich das gesamte Verkehrsnetz in Salzburg neu aufgestellt werden. Weil es dazu jedoch in geraumer Zeit vermutlich nicht kommen wird, sehe ich wenig Attraktives an diesem neuen Projekt.

Spannend finde ich jedoch die Öffnung der Durchgänge zwischen Judengasse und Rudolfskai, doch finde ich auch dies nicht unbedingt notwendig.

Den Aufschrei der Jugendlichen kann ich auch insofern nachvollziehen, als dass dieser Straßenabschnitt wochenends „ihr Revier“ war und eine solche Fortgehmeile ansonsten in Salzburg nicht wirklich vorhanden ist.


Ich bin gespannt, wie sich das Bild in diesem Stadtteil verändern wird und ob es (hoffentlich) vermehrt Positives mit sich bringt.


Ich freue mich auf zukünftige Kommentare zu meinem Beitrag, andere Meinungen schonmal vorab und vor allem dann, wenn das Projekt realisiert ist.


Zoe Gruber, Studierende am Mozarteum Salzburg

Bild: Stadt Salzburg, Tourismusbüro

2 Kommentare zu “Ein Kai für jedermann – Neukonzeption des Rudolfskais

  1. Eine Stadt ist nie das was sie mal war. Sie ist immer im Wandel und einzelne Teile werden stetig neu angepasst, an ökonomische und gesellschaftliche Umstände. Ökologische Hintergründer spielen dabei auch eine fundamentale Rolle, da Städte zumeist immer organischer gestaltet werden sollen und ein gewisses Umweltbewusstsein in der Stadt- oder Ortsplanung Kriterium ist.
    Im Sinne der Neugestaltung des Rudolfskai, bin ich wie Frau Gruber, geteilter Meinung, da Veränderungen im Anfang oft förderlich für die Entwicklung des öffentlichen Raumes sind aber um welchen Preis? Einerseits war das partyhafte Nachtleben immer eine Problemzone in dieser Gegend, nicht prinzipiell wegen der Feiern, mehr wegen der Begegnungszone. Unmittelbar neben der Hauptstraße bot es immer wieder gefahren für Personen neben dem Straßenverkehr. Oft wandern die Lokalbesucher:innen zum nebenanliegenden Rad- und Gehweg, der dadurch zunehmends erschwerte Bedingungen für den Rad- und Fußverkehr herstellte. Nur allzu oft muss man den Glassplittern, von zerbrochenen Flaschen oder Gläsern, ausweichen oder generell acht geben, dass man nicht in etwas fährt oder tritt, das einem selbst gefährdet. Hier ist also der Umbau des Kai positiv, da die Begegnungszonen erweitert (auch in den Durchgängen) und der Tages- und Nachtwechsel von Personen ein anderer ist. Wie all dies aber mit dem Straßenverkehr harmoniert ist fraglich. Die Vorstellung, neben dem Berufsverkehr, Kaffee trinkend und Croissant essend zu sitzen, dabei dem ständinge Lärm ausgesetzt zu sein ist ein nicht so appetitlich. Vielleicht könnte hier ein Bogengang eine bessere Atmosphäre für Fußgänger:innen erzeugen. Die kommt aber auch wieder darauf an welche Geschäfte sich Schlussendlich wirklich einfinden.

  2. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Nichts gibt unserem Leben mehr Bedeutung als Kontakt zu anderen, Austausch und Begegnung. Für unser gesellschaftliches Verständnis ist dabei die Errichtung/ Erhaltung eines Begegnungsplatzes für eine möglichst heterogen-kollektive Zielgruppe immanent. Diese Funktion sollen die öffentlichen Räume erfüllen.

    Die verpflichtende Errichtung und Umsetzung barrierefreier öffentlicher Räume mag behinderten und alten Menschen den Zugang zu diesen Räumen visuell erleichtert haben – gleichzeitig wird in der Gesellschaft- und Stadtplanung die ältere Generation mittels abgeschlossenen Altershäusern immer mehr von der restlichen Gesellschaft separiert. Das zeigt sich auch in der Werbung und einer neuen Strukturierung (Digitalisierung), die viele Menschen (besonders ab einem bestimmten Alter) zurück lässt. Das Alter rückt aus der Wahrnehmung und den öffentlichen Räumen heraus. Ich glaube, dass dadurch unser Lebensverständnis und unsere Erfahrung leidet.

    Gleichzeitig gibt es den Salzburger Rudolfskai als Partymeile und hauptsächlich von der Jugend und jungen Erwachsenen okkupierten öffentlichen Raum, welcher nun aufgebrochen, bzw. umgewandelt werden soll hin von einer homogenen Nutzer/innengruppe zu einer Heterogenen. Hier stellt sich die Frage ob ein homogen genutzter Zwischenraum den Titel eines öffentlichen Raumes verdient? Ein anderes Beispiel: Der Schulhof, oder die Schule an sich. Öffentliche Räume mit einer extrem beschränkten Nutzungsgemeinschaft. Niemand der sich nicht in der Gemeinschaft befindet käme auf die Idee sich ohne dem Zutun dieser auf das Gelände zu bewegen – so wie Kinder zum Spielen wohl kaum ein Altersheim aufsuchen würden.

    Vielleicht sollte hier ein Umdenken geschehen. Öffentlicher Raum nicht gleich öffentlicher Raum sein, sondern neben der Einrichtung von öffentlichen heterogen-kooperativen Räumen auch „offene“ homogen genutzte Räume für die verschiedensten differenzierten Gesellschaftsgruppen zum Ziel werden – wie das Altersheim Älteren bereits und auch zurecht als homogenes Refugium dient. Neben der Förderung eines halbseidenen öffentlichen Raumes sollte man diesen an gut ausgewählten, wenigen Orten verstärken und daneben offene bewusst nicht-heterogene Räume für alle Gruppen einrichten, bzw. erhalten – wie den Rudolfskai für die Jugend, oder zumindest einen Ersatz. (Vielleicht sogar etwas Besseres/Geeigneteres.)

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