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Ein Kai für jedermann – Neukonzeption des Rudolfskais

9 Kommentare

Zoe Gruber

Erst kürzlich (15.06.2021) wurden die neuen Pläne der Umgestaltung des Rudolfskais bekannt gegeben, was für großen Aufruhr sorgte. So soll die, doch sehr das Stadtbild prägende, Häuserfassade am Rudolfskai, von der Hausnummer 8 beim Rathaus bis zur Nummer 26 beim Hotel Altstadt, neu gestaltet werden. Ziel ist es, den etwas „schmuddeligen“ Charakter dieses Stadteils aufzuheben und ein vielfältigeres Angebot zu schaffen.

Es bleiben nach dem letzten Lockdown sieben von zehn Nachtlokalen geschlossen, diese sollen durch neue Geschäfte und Cafés aber auch Wein- und Bierbars ersetzt werden, um den Bereich vielseitiger nutzbar zu machen.


Außerdem wird der Gehsteig, die zukünftige Aufenthaltsfläche, der neue Verweilort, von 2,1 Meter auf bis zu 4,4 Meter verbreitert werden. Dieser Platz kann für Gastgärten der neuen Lokale oder auch für öffentlich, zugängliche Möbel verwendet werden. Dafür muss die Fahrspur allerdings von zweieinhalb Bahnen auf zwei verschmälert werden (eine Busspur, eine Richtungsfahrbahn).

Eine weitere Veränderung ist die Öffnung der neun Durchgänge zwischen Judengasse und Rudolfskai, was eine direkte Verbindung zwischen innerer Altstadt und der Salzach bringt.

Nun gibt es unterschiedlichste Meinungen zu diesen Plänen – einige sprechen sich für eine „Verschönerung“ dieser ehemaligen Fortgehmeile aus, andere wiederum sprechen von einer Vertreibung der Jugendlichen, welche hier den einzigen Platz gehabt hätten.

Ich kann hierzu nun nur meine eigene Ansicht äußern:

Auf den ersten Blick klang die Vorstellung nach einem diverseren Programm am Rudolfskai sehr ansprechend, vielleicht aber auch aus dem Grund, dass ich selbst mehr Morgenmensch als Fortgeherin bin. Somit hatte auch ich immer schlechte Assoziationen zum „Rudolfskai“ und fand die Idee von mehr Cafés und anderen Geschäften sehr ansprechen. Auch der Vorschlag den Gehsteig zu verbreitern, um dort ein Verweilen in Gastgärten o.Ä. möglich zu machen, klang vorerst sehr positiv. Bei weiterem Überlegen jedoch wurde mir klar, dass durch den breiteren Gehsteig der Verkehr nicht gleich weniger würde und somit stelle ich mir die Frage, wer dort, direkt an der (gefühlt) meistbefahrenen Straße Salzburgs, gemütlich Frühstücken und Flanieren möchte?

Da es in diesem Fall nicht wirklich die Möglichkeit einer Umfahrungsstraße gibt, an der Autos und Busse umgelenkt werden könnten, müsste eigentlich das gesamte Verkehrsnetz in Salzburg neu aufgestellt werden. Weil es dazu jedoch in geraumer Zeit vermutlich nicht kommen wird, sehe ich wenig Attraktives an diesem neuen Projekt.

Spannend finde ich jedoch die Öffnung der Durchgänge zwischen Judengasse und Rudolfskai, doch finde ich auch dies nicht unbedingt notwendig.

Den Aufschrei der Jugendlichen kann ich auch insofern nachvollziehen, als dass dieser Straßenabschnitt wochenends „ihr Revier“ war und eine solche Fortgehmeile ansonsten in Salzburg nicht wirklich vorhanden ist.


Ich bin gespannt, wie sich das Bild in diesem Stadtteil verändern wird und ob es (hoffentlich) vermehrt Positives mit sich bringt.


Ich freue mich auf zukünftige Kommentare zu meinem Beitrag, andere Meinungen schonmal vorab und vor allem dann, wenn das Projekt realisiert ist.


Zoe Gruber, Studierende am Mozarteum Salzburg

Bild: Stadt Salzburg, Tourismusbüro

9 Kommentare zu “Ein Kai für jedermann – Neukonzeption des Rudolfskais

  1. Eine Stadt ist nie das was sie mal war. Sie ist immer im Wandel und einzelne Teile werden stetig neu angepasst, an ökonomische und gesellschaftliche Umstände. Ökologische Hintergründer spielen dabei auch eine fundamentale Rolle, da Städte zumeist immer organischer gestaltet werden sollen und ein gewisses Umweltbewusstsein in der Stadt- oder Ortsplanung Kriterium ist.
    Im Sinne der Neugestaltung des Rudolfskai, bin ich wie Frau Gruber, geteilter Meinung, da Veränderungen im Anfang oft förderlich für die Entwicklung des öffentlichen Raumes sind aber um welchen Preis? Einerseits war das partyhafte Nachtleben immer eine Problemzone in dieser Gegend, nicht prinzipiell wegen der Feiern, mehr wegen der Begegnungszone. Unmittelbar neben der Hauptstraße bot es immer wieder gefahren für Personen neben dem Straßenverkehr. Oft wandern die Lokalbesucher:innen zum nebenanliegenden Rad- und Gehweg, der dadurch zunehmends erschwerte Bedingungen für den Rad- und Fußverkehr herstellte. Nur allzu oft muss man den Glassplittern, von zerbrochenen Flaschen oder Gläsern, ausweichen oder generell acht geben, dass man nicht in etwas fährt oder tritt, das einem selbst gefährdet. Hier ist also der Umbau des Kai positiv, da die Begegnungszonen erweitert (auch in den Durchgängen) und der Tages- und Nachtwechsel von Personen ein anderer ist. Wie all dies aber mit dem Straßenverkehr harmoniert ist fraglich. Die Vorstellung, neben dem Berufsverkehr, Kaffee trinkend und Croissant essend zu sitzen, dabei dem ständinge Lärm ausgesetzt zu sein ist ein nicht so appetitlich. Vielleicht könnte hier ein Bogengang eine bessere Atmosphäre für Fußgänger:innen erzeugen. Die kommt aber auch wieder darauf an welche Geschäfte sich Schlussendlich wirklich einfinden.

  2. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Nichts gibt unserem Leben mehr Bedeutung als Kontakt zu anderen, Austausch und Begegnung. Für unser gesellschaftliches Verständnis ist dabei die Errichtung/ Erhaltung eines Begegnungsplatzes für eine möglichst heterogen-kollektive Zielgruppe immanent. Diese Funktion sollen die öffentlichen Räume erfüllen.

    Die verpflichtende Errichtung und Umsetzung barrierefreier öffentlicher Räume mag behinderten und alten Menschen den Zugang zu diesen Räumen visuell erleichtert haben – gleichzeitig wird in der Gesellschaft- und Stadtplanung die ältere Generation mittels abgeschlossenen Altershäusern immer mehr von der restlichen Gesellschaft separiert. Das zeigt sich auch in der Werbung und einer neuen Strukturierung (Digitalisierung), die viele Menschen (besonders ab einem bestimmten Alter) zurück lässt. Das Alter rückt aus der Wahrnehmung und den öffentlichen Räumen heraus. Ich glaube, dass dadurch unser Lebensverständnis und unsere Erfahrung leidet.

    Gleichzeitig gibt es den Salzburger Rudolfskai als Partymeile und hauptsächlich von der Jugend und jungen Erwachsenen okkupierten öffentlichen Raum, welcher nun aufgebrochen, bzw. umgewandelt werden soll hin von einer homogenen Nutzer/innengruppe zu einer Heterogenen. Hier stellt sich die Frage ob ein homogen genutzter Zwischenraum den Titel eines öffentlichen Raumes verdient? Ein anderes Beispiel: Der Schulhof, oder die Schule an sich. Öffentliche Räume mit einer extrem beschränkten Nutzungsgemeinschaft. Niemand der sich nicht in der Gemeinschaft befindet käme auf die Idee sich ohne dem Zutun dieser auf das Gelände zu bewegen – so wie Kinder zum Spielen wohl kaum ein Altersheim aufsuchen würden.

    Vielleicht sollte hier ein Umdenken geschehen. Öffentlicher Raum nicht gleich öffentlicher Raum sein, sondern neben der Einrichtung von öffentlichen heterogen-kooperativen Räumen auch „offene“ homogen genutzte Räume für die verschiedensten differenzierten Gesellschaftsgruppen zum Ziel werden – wie das Altersheim Älteren bereits und auch zurecht als homogenes Refugium dient. Neben der Förderung eines halbseidenen öffentlichen Raumes sollte man diesen an gut ausgewählten, wenigen Orten verstärken und daneben offene bewusst nicht-heterogene Räume für alle Gruppen einrichten, bzw. erhalten – wie den Rudolfskai für die Jugend, oder zumindest einen Ersatz. (Vielleicht sogar etwas Besseres/Geeigneteres.)

  3. „Eine Stadt ist nie das was sie mal war“ – und eine STADT WIRD NIE SO SEIN, DASS SIE JEDERMANNS GESCHMACK TRIFFT.

    Ähnlich wie Frau Gruber und Herr Gschossmann blicke ich mit ambivalenten Gefühlen auf die Umgestaltung des Rudolfskais. Auch wenn ich diesen bisher vermehrt bei Tag erlebt habe, meine Erfahrungen mit ihm als „Partymeile“ habe ich trotzdem gemacht.

    Zunächst zu dessen „schmuddeligen“ Charakter: für mich ist durchaus verständlich, dass der Anblick, der doch sehr grau und eher „schmutzig“ wirkt, nicht jedermanns Geschmack trifft. Mein persönlicher Geschmack beispielsweise wird durch sein äußeres Bild (bei Tag) durchaus erfüllt – alte verdreckte Fassaden erschaffen für mich eine unbeschreibliche Wohlfühlathmosphäre. Hingegen wirkt Neubau – auch im Sinne eines erweiternden Bauens (wie in diesem Fall mögliche Außenterassen), bei denen die neuen Elemente noch „blitzen und strahlen“ – auf mich oft sehr abstoßend. In diesem Sinne fände ich es sehr wichtig, dass bei der Umgestaltung des Rudolfskais keine erneute, starke Homogenität entsteht. Dies sollte kaum eintreten, wenn das Versprechen eines „vielfältigeren Angebotes“ eingehalten wird.

    Zu einem solchen Versprechen zählt für mich beispielsweise auch, dass zumindest jene drei „übrig gebliebenen“ Nachtlokale bleiben dürfen. Dies bedeutet aus meiner Sicht, dass man der Jugend ihren Ort dort nicht unbedingt nimmt – meiner Meinung nach würde dies eine Verminderung des Problems bedeuten. Ohnehin finde ich es persönlich von Vorteil, Nachtclubs über die gesamte Stadt zu verteilen, da so die Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines solchen „Reviere“ wie es am Rudolfskai der Fall war, geringer wäre. Aufgrund der Menschenansammlung auf dem Gehweg und bis auf die Straße reichend war der Ort eine Gefahrenzone, die man ohne den Einfluss von Alkohol – wobei ich wieder nur mein persönliches Empfinden schildern kann – lieber, um Konflikte zu vermeiden, mit einem großen Bogen gemieden hat.

    Abgesehen von der Belastung des Gehsteiges während der Nachtgastronomie fand ich dessen bisherige Breite von 2,1 Meter etwas zu gering. In wie weit eine Erweiterung auf die 4,4 Meter neue Problematiken im Straßenverkehr schaffen würden, scheint mir schwer abschätzbar. Persönlich könnte ich es mir aber vorstellen, da mir bisher beim befahren der Straße noch nie ein Stau begegnet wäre und ich mich immer nach dem Sinn der zweiten Spur gefragt habe. Somit bin ich sehr gespannt, welche Auswirkungen sich in Bezug auf den Verkehr zeigen werden.

    Persönlich finde ich die Idee von Cafés, Weinbars, und anderen Angeboten am Rudolfskai mehr ansprechend als abstoßend. Jedoch empfinde ich jenen Ort eher als einen solchen, an dem ich bei Regen oder schlechtem Wetter gerne drinnen im warmen sitzen möchte – jedoch sehr gerne mit Blick auf die Straße, den Gehweg und seine vorrüberhuschenden Gestalten mit Regenschirmen. Bei schönem Wetter würde ich es bevorzugen mich mit einem Getränk oder etwas zu essen nicht auf eine Terrasse am Gehsteig zu setzen, sondern über die Straße zum Fluss gehen zu können.

    Allem in allem Blicke ich sehr gespannt auf jegliche Umgestaltung am Rudolfskai, wie auch die Vorteile und Probleme, die aus einem solchen resultieren werden.

  4. Als Partymeile und Raufzone ist auch mir der Rudolfskai bekannt. Mit rund 12.600 motorisierten Fahrzeugen gehört der Rudolfskai auch zu den Hauptverkehrsadern der Stadt, so ein*e Sprecher*in aus dem Büro Unterkofler ÖVP in einem Bericht aus DER STANDARD, 1.7.2021. Das Ziel eines solchen Umbauprojektes sollte dem Zweck dienen, dass Schmuddelimage des Kais zu verbessern. Mit Durchgängen in die Judengasse, Kaffees, Frühstückslokale und einem breiten Gehsteig am Rande eines „Blechpanoramas“ soll der Kai tagsüber zum Flanieren und Verweilen einladen. Nachts sollen Lokalitäten wie das Irish-Pub und andere bereits vorhandene Klubs zum Feiern locken.

    Obwohl scheinbar das Budget für ein solches Projekt anfangs nicht vorhanden war und noch immer fehlt, wurde es Mitte des Jahres 2021 in einem Schnellschussverfahren veröffentlicht. Nachdem das Bauprojekt in den folgenden Monaten politisch und medial ausgeschlachtet wurde, erklärte man Ende des Jahres 2021, dass man an die im Juni vorgestellten Pläne zwar festhalten wolle, aber Details zur Umsetzung noch offen seien (SN, 4.11.2021). Wenn man die Probleme der Stadt kurz fasst, beinhalten sie die Themen Verkehr, Politik, Verdrängungsprozesse und mangelnde Alternativen für Jugend.
    Die Frage, wie sich der Verkehr bei einer Verbreiterung des Gehsteiges entwickeln wird, kann man aus den Plänen der Stadt herausnehmen. Es ist zwar eine Verbreiterung des Gehweges von 2,1 auf 3,4 oder 4,4 Meter geplant, jedoch dürfte es auf das Verkehrssystem keinen negativen Einfluss haben. Es wird weiterhin eine Spur für den Individualverkehr geben und eine Spur für den öffentlichen Verkehr. Auch der Geh- und Radweg wird bestehen bleiben. Wenn man die Pläne der Stadt ohne polarisierender Fast-Food-Lektüren mancher Medien betrachtet, wird es auch weiterhin möglich sein, Partys am Kai zu feiern.
    Ich bin einem Aufbrechen dieses homogenen Raumes eher positiv gestimmt und finde den Kommentar von Thomas Gschoßmann auch sehr zutreffend. Auch seinen Vorschlag den Gehsteig zu überdachen, finde ich einen sehr interessanten Lösungsansatz. Ich würde mich auch der Meinung von Anna Ernst hinsichtlich der Reviere als Partyzonen anschließen.

    Ich sehe hier einen reinen strategischen Fehler seitens der Politik: Anstatt alle Betroffenen in den Planungsprozess einzubinden, wird ein Plan mit fehlenden Details und offenen Fragen publiziert. Die Politik steht meines Erachtens wieder im Vordergrund. Das Projekt lässt nicht nur Raum für politische Machtspielchen, sondern auch Raum für mediale Ausschlachtung. Wie so oft scheitert es an Kommunikation und Transparenz innerhalb des Sitzungssaales, gefolgt von medialer Selbstdarstellung der Koalitionen, die mit erhobenem Zeigefinger weniger die Pläne mehr doch die Regierungspartei anprangern, ohne Alternativen aufzuzeigen und ernsthaft die Interessen aller Betroffenen zu vertreten.

    K.Klinger

  5. Da ich nicht aus der Stadt Salzburg stamme, kenne ich den Rudolfskai nicht als Fortgehmeile. Ich habe ihn bis jetzt immer nur als Randabschnitt einer vielbefahrenen Straße erlebt. Der Hauptgrund dafür ist wahrscheinlich die momentane Coronasituation, die das abendliche Feiern und Fortgehen nahezu unmöglich macht.

    Alles in Allem sehe ich die Pläne für die Neugestaltung eher positiv. Durch neue Cafés und Gastronomiebetriebe kann der Bereich auch tagsüber belebt werden. Ein verbreiterter Gehsteig schafft Platz für Fußgänger und nimmt dem Kai etwas von seinem „Straßenrandcharakter“. Einerseits stimmt es, dass eine Flaniermeile neben einer vielbefahrenen Straße wenig einladend wirkt und dass durch eine Reduktion der Fahrbahnen der Verkehr behindert werden könnte. Andererseits könnte durch diese Umgestaltung der Straßensituation der Verkehr auch beruhigt werden, denn eventuell bedeutet weniger Fahrbahnfläche auch weniger Autos.

    Die Öffnungen der Durchgänge zur Altstadt haben aus meiner Sicht großes Potenzial. So könnte man den Stadtraum offener und inklusiver gestalten und den Rudolfskai mit der Innenstadt verbinden. Es sollte allerdings unbedingt darauf geachtet werden, bei diesen Umbauten den Altstadtcharakter zu erhalten und nicht zu versuchen, alles modern und minimalistisch zu gestalten.

    Was die Jugendlichen angeht, könnte man mit öffentlichen Sitzgelegenheiten Räume schaffen, die als Treffpunkte und auch Ruhezonen genutzt werden können. So müssten sich die Jugendlichen und auch die Studentinnen und Studenten nicht mehr nur am Salzachufer aufhalten. Außerdem bleiben einige der Nachtlokale in Betrieb, was das nächtliche Feiern weiterhin ermöglicht. Ich sehe auch keinen Grund, warum sich die jungen Menschen an den restlichen Neukonzepten stören sollten. Schönere Fußwege, Cafés, Geschäfte und Gastronomiebetriebe können ja auch von ihnen genutzt werden.

    In jedem Fall bin ich gespannt auf die Neugestaltung des Rudolfkais und hoffe, dass er in Zukunft eine Bereicherung für Menschen aller Altersgruppen sein wird.

  6. Wenn ich Cafés baue, vertreibe ich die Jugend und dass das nicht im Sinne der Umgestaltung liegt- nämliche eine bestimmte soziale Schicht der Jugendlichen abzuhalten, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Aber ein wesentlicher Aspekt geht hier komplett unter: Der konsumfreie Raum! Jugendliche halten sich VOR den Lokalen auf, genauso wie am Hauptbahnhof oder in Parks, weil es gratis ist und auch am Rudolfskai werden sich diese Jugendliche nicht in Cafés setzen, wenn sie nicht vorher auch IN die Lokale gegangen sind. Jugendarbeit bedeutet mehr Jugendzentren zu schaffen, konsumfreien Raum, der aber auch Sport- und Unterhaltungsmöglichkeiten schafft und zu dem es vor allem genug Alternativen gibt, für verschiedene Gruppen, die außerdem möglichst nahe am Wohnort sind und auch Sozialarbeit für Jugendliche aus so genannten „schwierigen Verhältnissen“ schafft!
    Die Stadtgestaltung des Rudolfskai verschiebt das Problem nur räumlich und gerade gewaltbereite Jugendliche mit Alkoholproblemen bringt das auch überhaupt nichts – aus den Augen aus dem Sinn- für die Lokalbetreiber, Leute die friedlich und sicher fortgehen wollen, plus einem neuen Geschäftszweig durch Cafés

  7. Ich persönlich sehe die Umbaupläne des Rudolskais mit ambivalenten Gefühlen.

    Einerseits ist diese Fortgehmeile bekannt dafür, dass dort Raufereien stattfinden und es regelmäßig zu Polizeieinsätzen kommt, weshalb man sich dort nachts allein nicht wirklich sicher fühlt. Wenn nur noch 3 Nachtlokale dort sind, verteilt sich das vielleicht besser in der Stadt und es kommt nicht zu so einem „Brennpunkt“.

    Andererseits ist es ein Ort für die Jugend, wo man nicht weite Strecken zurücklegen muss, wenn man von einem zum anderen Lokal gehen will. So kann spontan entschieden werden, wo man genau hingehen möchte. Außerdem ist es ein Treffpunkt, wo man Leute mehr oder weniger in der selben Altersstufe kennenlernt – ein wichtiger sozialer Faktor. Dadurch, dass der Ort sich an die Jugend zum Fortgehen richtet, ist es aber gleichzeitig ein Ort, der für andere Gruppen nicht gedacht ist. Ein „öffentlicher Ort“, zumindest der Gehsteig davor, wo noch nichts konsumiert werden muss, der sich aber nur an eine kleine Gruppe richtet.

    Ich persönlich denke jedoch, dass so ein Ort für die Jugend – ein sozialer Austauschort- wichtig ist, um sich mit dieser Gruppe zu identifizieren, vielleicht sogar eine Art Zugehörigkeit zu empfinden, Freunde zu treffen, etc. So einen Ort sollte man der Jugend lassen. Cafes, Geschäfte etc. gibt es in der Stadt und auch rum um die Salzach schon genug. Außerdem denke ich auch nicht, dass direkt neben der Straße es so angenehm ist, länger zu sitzen und beispielsweise zu frühstücken.

  8. In vorletzter Zeit grassieren Gerüchte, dass die jeweiligen Gastronomen und Veranstalter des baldig ehemaligen Rudolfskai darüber nachdenken, ihr Angebot auf die andere Salzachseite, sprich Elisabethkai und Schwarzstraße zu verlegen. Neben der Watzmann Bar, der Monkeys Bar und der dortigen kleinen Segabar weitere Lokalitäten zu öffnen und so den allnächtlichen Gewusel von betrunkenen Minderjährigen einen neuen Ort zu zähmen, ist meiner Meinung nach bloß eine Verlagerung einer viel tiefschürfenderen Problematik dieser Stadt:

    Fehlende konsumfreie Sozialräume, Orte des Austauschs und der sozialen Eingliederung in das jeweilige Spektrum einer interessendefinierten Gruppe nach Wahl des/der jugendlichen Person selbst.

    In den letzten Jahren hat sich eine Art sanfte „Kriminalisierung“ jener Jugendgruppen in die Köpfe der Stadt eingeschlichen, die sich am flussabwärts gelegenen Ufer des sogenannten Stadtstrandes treffen, gemeinsam die Zeit eines Abends oder einer Nacht verbringen. Dies kurzzeitig im letzten Jahr sogar an einigen Feuerstellen die dort aus der „Ermangelung“ an Fortgehmöglichkeiten der pandemischen Jahre entstanden sind: Eine oft gesellige Runde an von Schwemmholz genährten Feuern.
    In dieser Zeit habe ich Kleingruppen beobachtet, die zwischen diesen „Brennpunkten“ hin und hergewandert sind, um sich kurz zu einer neuen Gruppe zu setzen oder ein bekanntes Gesicht der nächsten Feuerstellenansammlung zu grüßen.

    Es ist mir klar, dass dies in den Wintermonaten nur schwer vorstellbar ist. Es braucht solche Gelegenheiten ganzjährig und auch gerne durch ein stadtpolitisches Engagement, dass da nicht 5020 Festival heißt und sich wieder auf konsumierbares zu beschränken scheint.

    Wenn wir dem „Dasein“ Räumlichkeit zusprechen, dann muss dieses „sein im Raum“ offenbar aus der Seinsart dieses Seienden begriffen werden. Deshalb finde ich die Frage, ob durch die Verbauung des Rudolfkais eine Verdrängung der Jugendkultur stattfindet nicht wesentlich.

    Die Frage sollte vielmehr sein, welche Stadträume eine Jugendkultur (noch) für sich beanspruchen „darf“.

    Den abgewetzten und verblassten Steingemäuern dieser Ausbegrenzung der erzbischöflichen Bastion im Innen einen neuen Anstrich zu verleihen finde ich aus einer rein ästhetischen Sicht vielversprechend. Auch wenn es sich in dieser schönen Stadt schwer verhält mit architektonischen Verschönerungsprojekten, deren Umsetzung und den Geistern dahinter.

    Die Geister die ich rief…

  9. Der dänische Architekt und Städteplaner Jan Gehl hat einmal gesagt: „Denke zuerst an die Menschen, dann an die Verkehrswege“- in diesem Sinne begrüße ich grundsätzlich jede Tendenz Autos aus den innen Städten zu lotsen. Der Automobilindustrie wird immer noch viel zu sehr in die Karten gespielt, wie sollen Städte grüner und Emissionsärmer werden, wenn der Automobilverkehr eines der ersten Veto für eine Sanierung einer Straße ist, die den Menschen und der Begegnung zugute kommt?
    Problematischer sehe ich den Umgang mit den Jugendlichen- je weniger konsumfreie Orte in einer Stadt existieren, desto weniger Platz gibt es um sich einfach zu treffen und anzuhängen. Da Salzburgs Antlitz eher konservativ, ordentlich sein möchte, wundert es mich nicht, dass also die Idee entsteht den „Schandfleck“ Rudolfskai zu entfernen. Nur je weniger Diversität ein Stadtbild hat, desto weniger lebendig und lebenswert wird sie. Eine Lösung dieses Problems, könnten vielleicht Sitzgelegenheiten oder ähnliches bieten? Aber es bleibt eine heikle Angelegenheit.

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