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foto mixed by bernhard jenny: fotos frank lloyd wright from wikimedia commons and max rieder by sepp dreissinger

maxRIEDER im posthumen kamingespräch mit Frank Lloyd Wright

Ein Kommentar

aus der serie privat‐subjektive verknüpfungsweltreise eines generalisten

maxR
heizen sie selbst oder lassen heizen?

FLW
das machen die jungs, die architekturzeichner/clanschüler, dies ist integraler teil der ausbildung, wenn wir Ocatila Desert Company (1929) realisieren hätten können, gäbe es diesbezüglich auch eine outdoor und indoor ausbildung, sie wissen schon lagerfeuer und kamin, the same oft the same. Aber diese verdammte weltwirtschaftskrise unterlief unsere bemühungen eine keimzelle des Usonier zu begründen

maxR
es erscheint mir ziemlich paradox, dass ihre langen bemühungen zur städtebaulichen vision „Broadacre-City“ zwar in dieser zeit die grundprinzipien ausformulierte und sammelte, aber erst 1934 in NY-City präsentiert wurde. In der hochstatt des urbanen die antiurbane vision zu präsentieren, wie kam das an

FLW
der liberale, ich-amerikaner – also Usonier – träumt von meiner ruralen vision der verschwundenen alten-stadt

maxR
wieso?

FLW
wenn sie mich das ausführen lassen, die freiheit der mobiltät, die freiheit auf seinem eigenen grundstück sich selbst versorgen zu können , das ideale obdach – ein einfamilienhaus in der weite der prärie, das sind die essentiellen bausteine einer zukünftigen demokratischen ordnung inmitten der natur

maxR
sie meinten, dass jeder durch seinen einfamilienhausstammsitz mit einem acre (ca 4000m2) einen sozialen, gesellschaftlichen stabilen verbund für eine individualistengesellschaft beiträgt. Dies inmitten einer miniagrargemeinschaft besser minigutshofgemeinschaft, die sich durch auto-mobililtät einen pionierstatus sichert. Das suburbane system als ein autarkes netz von parzellierungen

FLW
das wichtigste ist die natur, die unbändige natur der dinge.

maxR
sie spielen auf Henry David Thoreau, den einzigen amerikanischen philosophen an

FLW
ja der ursinn des lebens ist das leben in der/mit der natur, die natur ist vielfalt

maxR
brutale vielfalt

FLW
brutale architekturvielfalt

maxR
ist die natur nachhaltig

FLW
das ist blanker technokratischer unsinn, die natur ist nicht nachhaltig, sie verändert sich, wenn sie das damit meinen

maxR
akzeptieren sie das kreislaufprinzip

FLW
dieses benötigt energiezufuhr, wie die architektur

maxR
der energiespender der architektur ist bei ihren raumkonzeptionen das versammeln, das symbolisch-archaische der feuerstätte, zivilsatorisch übersetzt der kamin. Heute sind philosphische talkshows um einen virtuell flackernden kamin angesiedelt, hat dies ..

FLW
es geht um die einigung der eigenen welt, den rückzug, die nische des eigenen, des eigenen körpers, seit ein paar jahrtausenden sind wir gezwungen in einfältigen rechtwinkeligen wandgeometrien uns wohnlich wohl zu fühlen, aber auch das urelement der minoischen und persischen kultur ist der freie, runde höhlenartige einraum.

maxR
wäre heute der multiscreen/beamer für skype, TV dgl der kamin der gegenwart und wenn, welche räumliche konstitution würde dies auslösen

FLW
das sehe ich nicht so, es geht um interaktionen mit sich und anwesenden, anstatt konsumieren von instants, die zweidimensionalität der oberfläche ersetzt den rauch, das dynamischer feuerlodern, die asche und das haptische überhaupt nicht, es wäre ein home-cinema, oneway

maxR
aber das starren ins feuer ist auch oneway

FLW
es pulsiert gleichzeitig abstract und real

maxR
so kommen wir nicht weiter, was wäre der „kamin“ in Broadacre-City

FLW
hier gibt es kein zentrum

maxR
kein sozialer anknüpfungspunkt, brennpunkt, ich lese die vision auf basis des jefferson-grid, subgegliedert durch dezentrale, freie kollektive nutzungsverteilungen, die an highways-centuratio´s hängen, es ist das radikale gegenprogramm zu europäischen stadt oder zur downtown der amerikanischen ballung

FLW
ja es soll auswahl der bewegung geben, free flow of space and use, nonhierachical. Es antizipiert doch den gegenwärtigen lebenstil, nämlich dass urbaner stil auch im ruralen raum möglich ist

maxR
sie meinen eine digitale urbanität, das vernetzen ohne raum, ich kann etwas nicht verstehen, es gibt keinen ur-amerikaner – außer native-american – der zu fuß geht, der amerikaner reitet oder gleitet, wie ist denn dann urbanität ohne fußläufige frequenz, begegnungs- und ereignisdichte überhaupt zu verstehen (nachträgliche anmerkung in BC 7 Einwohner/ha, Stadt ca 200 EW/ha, Hongkong ca 480 EW/ha)

FLW
wir haben radio, internet, car-driving und Barbecue verfügbar, that´s a lot for a society of individuals

maxR
es ist also fortschritt, die historischen gegensätze von stadt und landschaft/land aufzuheben und dies in eine heterotope, diverse agglomeration aufzulösen und diese überkommende dialektik von individuellen, kollektiven und hierarchischem zu unterlaufen („when democracy builds“)

FLW
ich sehe es ökologischer, nicht ideologisch, jeder kann in einem landschaftsraum eingebettet sein, bleibt verankert im raum, erde und behausungsmassstab

maxR
pardon, aber welche art von ökologischem individualverkehr visionieren sie und welche art von arbeitsplätzen sind in Broadacre-City in der nähe verfügbar, ich meine sie haben eine vorsehung des urbansprawl gehabt, aber dieser krankt massiv an den erkentnissen der nachhaltigen erfordernisse der weltengemeinschaft, also die verherrlichung des automobils und singlehousing der „happy few“ mit onecar-, twocars- threecars usw. categories.

FLW
du siehst das zu eng, denke doch an „Aerotors“ und ausgewählten bauwerke oder individudell modifizierte fertigteilhäuser geben akzente in der offenen welt von Broadacre-City

maxR
denken sie wirklich, dass ihr Solomon R. Guggenheim Museum NY (1943-1959) wirklich ohne europäische kulturstadttouristen in der einöde des BC eine solche resonanz und wahrnehmung gehabt hätte. Das aufspreizen des versammlungs-einraumes in der unendlichen, seriellen vorstadtweite

FLW
man wäre magnetisch angezogen worden, im übrigen verstehe ich den terminus vorstadt und das mir immer vorgeworfene new harmony und gardencity-image nicht

maxR
ich finde die außenerscheinung eines geschlitzten silos im babylonisch-fragmentarischem sinn zwar interessant, aber das beeindruckendere ist doch der innere „aussen“raum der sich hier entfaltet. Aber, ich würde gerne ins kleinere, ins materiell-atmosphärische wechseln, in wie weit sind wellen und spiralen von naturphänomen und organischem generisch für ihre raumschöpfungen

FLW
endlich, ich dachte schon sie sind überhaupt unvorbereitet in ein gespräch eingestiegen, quasi nicht mal auf architekturschülerniveau, das zentrale ist der organische impetus der architektur

maxR
lässt sich das besser ausführen als damals

FLW
in NY

maxR
ja genau, weil dort scheiterten sie, pardon, an der erklärung der intuition und der beziehung von euklidischer geometrie und organische formen

FLW
reden wir von freien formen

maxR
sie postulierten ja organische formen

FLW
ganz frank gesagt, es geht um die zwiesprache von unterschiedlichen materialien, konstruktionen und raumsituationen, atmos..

maxR
ein systemischer ansatz, das organische wechselbezügliche an sich, oder

FLW
maxR
ergänzend löst sich wie in BC das bauwerk in der umgebung auf, verschmilzt eigentlich, mit

FLW
windmill-like

maxR
war die intention das äußere und innere aufzuheben, aber doch ein widerspruch zur behausungsfrage und des einigenden, monadenhaften ortes um das feuer

FLW
nein, das war eine entwicklung in die freiheit, der kreis des lagerfeuers mutiert zum kreuzgrundriss und dieser zur ausuferung in den natur-landschaftsraum, windmühlenartig

maxR
das scheint die einzige beziehung zu Mies van der Rohe zu sein, gab es eigentlich einmal einen persönlichen austausch

FLW
er ist nie gekommen, er hätte kommen sollen, er hat aber die windmühlenkonzeption im sinne der blossen auflösung von innen und aussen verstanden, dies aber nur innen durch die isolierung der architektonsichen bauteile von einander kultiviert, ich hingegen spiritualisiere den inneren raum – eben architektur – durch möbel, material und ausgreifung, jenseits der platten glasscheibentransparenz, technokratisierung und ökonomisierung, ein versuch geist und materie zu verschmelzen, MvR internationalisierte durch isolierung und aufsplittung in teilidentitäten

maxR
ihre innenräume dramatisieren den hell-dunkeleffekt des tageslichtes, materialrohheiten, durchdringung von raumvolumina, inaugurieren die raummöbel-landschaften und gleiten in holzfällerische urgewalten ab, ist dies ein hinweis auf den elementar-wünschenswerten zustand. Oder auch anders gesagt, bis Falling Water (Kaufman House, 1932) verweigerten sie sich gänzlich dem stahlbeton und solchen technologischen Praktiken und Neuerungen

FLW
ich sehe innovationen in bezug zu ihrer sinnhaftigkeit und nicht als architektonischen fortschrittszwang bzw. als selbstzweck, beispielshaft macht ziegelbau oder holzkonstruktion über einem wasserfall wenig sinn, oder noch expliziter: beim Johnson Wax Headquarters, Racine (1936-1939) wird evident was innovation für den arbeitsgeist bedeuten kann. Die kathetrale der arbeit wird durch das zusammenspiel des blätterwaldes der betonstützen und lichtröhrenglasdecke in einen naturraum mystifiziert

maxR
bis auf guggenheim haben sich dem neutralen „modernen“ weiß entsagt, sehe ich das zufällig oder bewußt in ihrem werk als verweigerung oder rebellenhaftes

FLW
ja ja, Thorsten Veblen wirft einen in „Theory of the Leisure Class“ (1899) vor, dass vom aristokratischen Oak-Park (Chicago-Stadtteil), wo ich gestartet bin bis zu Talisien West (1925) ich nur am Aufbau einer sektenartigen FLW-Clans gearbeitet hätte, der mit luxusmitteln sich idealisierend über die probleme der gesellschaft elitär hinwegsetzen würde, hingegen, die versuche mit Prairie-Houses und Usonion-Houses zeigen doch anderes auf.

maxR
ich meine doch festhalten zu dürfen, dass sie entgegen der meisten anderen architekten unabhängig von kunstströmungen, weitab von den damaligen kunstzentren paris, berlin, moskau in chicago eine künstlerhaltung eingenommen und konstituiert haben, also kein nachläufer, sondern vielmehr ein vorläufer der zeiten und kunstströmungen gewesen sind. Würden sie es als einen prozess der entwicklung sehen, vom kreis zur spirale, von der stätte zum raum, vom statischen zum dynamischen vom rechten winkel zur kurvigen form fortzuschreiten.

FLW
gedanklich war das immer angelegt, auch in unseren vorläufern, die heutigen nachläufer haben nur keinen realen widerstand mehr im mainstream der freien form

maxR
meinen sie damit, dass haltungen eines peter zumthor heute vergleichbar sind mit ihrer verweigerung gegenüber dem internationalstyle, der austauschbarkeit und ortsunabhängigkeit der nachmoderne

FLW
Ich habe mich nicht verweigert, ich habe keine empfindung und sinnhaftigkeit in einem internationalen stil gesehen, für wen und wo,
es geht um das spezifische, das originäre und nicht um das normale, manche meinen zwar das originäre erschöpft sich mit der zeit oder ausserhalb der epoche, ich meine damit, dass das normale von anfang erschöpft zur welt kommt, keuchend weiss oder schwarz, transparent und komponiert, das normale verweigert sich auch, eben dem versuch etwas zu versuchen

maxR
sind sie mit den arbeiten ihrer zahlreichen schüler einverstanden

FLW
also, Rudolph Schindler, Bruce Goff, Paolo Soleri haben den spirit schon weiterentwickelt, aber das entscheidende ist es den eigenen weg zu gehen

maxR
eine letzte frage, sie waren um 1910 in fiesolo/europa, wäre BC auch entwickelt worden wenn sie hier (in europa) geblieben wären

FLW
ich habe diese enge und kulturdichte nicht ausgehalten, ich wollte das eigene erfinden und ich verabscheue zu fuß zu gehen zu müssen

maxR
mein dank („lieber meister“ – so die einstigen schüler an den meister) für ihre geduld

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posthumes kamingespräch_redigiert_14042014_serie_privat-subjektive_verknüpfungsweltreise_eines_generalisten

FLW=Frank Lloyd Wright (Richland Center 1867 – Phönix 1959), Architekturgroßmeister der Stillosigkeit
http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Lloyd_Wright
maxR=maxRIEDER (Salzburg 1957)
Generalist,ArchitekturWasserStadtLandschaft&Gestaltungsprozesse
http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Rieder_(Architekt)
http://www.maxRieder.at; http://www.kooperativerraum.at

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foto mixed by bernhard jenny: fotos frank lloyd wright from wikimedia commons and max rieder by sepp dreissinger

Ein Kommentar zu “maxRIEDER im posthumen kamingespräch mit Frank Lloyd Wright

  1. Die Option der Entwicklung von New York in die Weite würde warscheinlich nicht nur die ganze Stadt ändern lassen, sondern auch ein Bezug zur Struktur der Gesellschaft, das Kamin des Inneren des System der zeitgenossischen Architektur. Der große Architekturmeister wenn er noch beim Leben würde mit der heutigen Stadtparzelierung und dem New Yorker nicht zufrieden und Prairiehaus könnte ein sehr provokatives Thema für die Urbanisten sein.

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