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maxRIEDER im posthumen austausch mit Ludwig Mies van der Rohe

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aus der Serie privat-subjektive Verknüpfnungsweltreise eines Generalisten

maxR
Berühmter herr mies, habe lange überlegt und gehadert ob ich sie treffen möchte

MvR
warum, alle wollen mich sprechen

maxR
ich will mehr, ich möchte sie mit ihrer nachbetrachtung konfrontieren die durch ihre konzeptionen angelegt wurden, es ist also nicht weniger geworden, lessismore, sonder mehr, verzeihen sie bei allem respekt eine anstehende aufklärende polemische fragerei

MvR
sie sind aber kein architekt, so höflich oder hat sich das in der geniuswelt geändert, quasi eine sensibilsierung ins marginale, anstatt ins grosse und transparente

maxR
ich versuche eine struktur in den austausch zu bringen, lassen sie uns mit dem kleinen vorm grossen beginnen, damit unsere reflektierenden interessentinnen
eine entwicklung nachvollziehen können, ich meine natürlich nicht das ganze oevre, aber eine auswahl. Als sie im umkreis der berliner welt, der zwischenkriegszeitwelt mit Le Corbusier, Gropius ua. bei Peter Behrens im Atelier waren, dachten sie daran oder anders, wurden sie aus ihrem inneren gezwungen einen eigenen markanten weg zu beschreiten. Oder Ist in diesem umfeld dies praktisch angelegt, hätte das auch bei Erich Mendelsohn oder Emil Fahrenkamp auch geschehen können.

MvR
Sie hund, mich in die expressionistenschule zu verpflanzen, nun, Behrens war nicht weiter aber breiter, potentieller das neue zu öffnen, denn seine handschrift ist zwar evident doch moderat. Moderat bedeutet auch sich einem latenten gestaltregime auszusetzen, und hat den vorteil nicht zuviel energie zu verlieren um ein explizites formenkonzept aufzuarbeiten. Mir hats immer gegruselt vor den expressionisten, anderseits um in der nachlese mit psychoanalyse (anmerkung maxR selbsttherapie) festzuhalten bin ich ein verschütteter expressionist.

maxR
ich muss sie unterbrechen, jetzt so eine erstaunliche erkenntnis, nach dieser unglaublichen kastanei.

MvR
Nein, nein, ja, also darf ich das ohne unterbrechung, ich wurde am MIT nie unterbrochen – nicht einmal von sigfried giedion – ausführen….oder?
Was ist bitte expressionismus, ich habe auch eine empfindung, eine zuneigung, neigung in das überschwengliche, aber ist es nicht unsere aufgabe das essentielle daraus zu abstrahieren.

maxR
pardon, was ist das essentielle, das fleisch, das fleischgerüst, die fleischhaut, der fleischgeist. Ihre feststellung schmerzt umso mehr, da das essentielle zb eine innerei in der anstehenden zeit eines solchen konzeptiven ansatzes mangelwirtschaft in europa/welt herrschte und das wesentliche ja auch ein skurriles berlin der 20 jahre, das luxusimages paris ja übertraf. Also die forderung eines architektonischen skelettes – also das ausräumen der körperlichen befindlichkeit – ist ein existentieller akt, haben sie Paul Satre persönlich getroffen.

MvR
Nein, hatte keine lust auf französischen austausch, in der abstraktion liegt versteckt der luxus, der luxus der verweigerung des überbordenden, also ein zugang der individuellen verhärmung. Aber verstehen sie mich nicht falsch…

maxR
ich kann sie jetzt nur falsch verstehen, versuchs einmal. Das wesentliche verändert sich doch im laufe von generationen, epochen und lebenserfahrung,
wie kann man sich am lebensanfang am upcomingstatus so eine bürde , ein reglement auferlegen, hängt dies mit einschneidenden erfahrungen in der kindheit und jugend zusammen, oder ist es die blosse lust der verweigung?

MvR
Ich weiss nicht ob dies hilfreich wäre, herumzugraben, es sage es mal so, eine konsequenz, an der man langsam lust , als alleinstellungsmerkmal, gewinnt. Ich meine die frühen projekte wie das junggesellenhaus (1923), die hochhausskizzen (1919) und die leitung des deutschen Werkbundes bzw. Weissenhofsiedlung in Stuttgart (1927) sind ja versuchsobjekte, ein nachläufer dazu ist sicherlich das haus Tugendhat in Brünn (1930). Mein schlüsselprojekt, so quasi die erleuchtung erreichte mich im Barcelona-pavillon der weltausstellung 1929.

maxR
gestatten sie mir eine spurensicherung, wie die einflüsse der zeit waren. Zuerst möchte ich sie um den verschollenen Einfluss der Frank-Lloyd-Wright ausstellung im Berlin (1910) fragen und dann den übergang in die De Stijl-gruppe um Theo van Doesburg und natürlich die gründung des Bauhauses durch Walter Gropius ua. Deutschland war zu dieser zeit ja den Pariser und Moskauer kunstströmungen gegenüber sehr offen, um nicht zu sagen anfällig, und da interessiert mich natürlich ihr mastermind Piet Mondrian.

MvR
Also es gibt immer eine vielzahl von einflüssen…

maxR
sie wollen das nicht vertiefen, enträtseln. ..

MvR
Schauen sie das ist ein genuitiver vorgang, kein marketinggag.

maxR
es ist also nicht bloss das hochziehen der fläche, expandieren in die höhe. Weil was mich interessiert ist eigentlich der raum des architektonischen, weniger die fläche. Aber erscheint mir so, dass ein grossteil ihrer vision, das aufstellen von flächen ist und das komponieren von flächen. Liege ich da falsch.

MvR
Ja ich habe es immer so verstanden es geht um die form.

maxR
form oder raum

MvR
Formen ergeben doch den raum

maxR
ich springe zum paten der raumauflösung, kann man den Barcelona-pavillon als solches bezeichnen. Das heisst, das aufgeben des inneren körpers zugunsten einer universiellen offenheit.

MvR
Ja natürlich wollten wir alle alles sprengen, die geschlossenen raumkörper, am pavillion ist das gelungen…

maxR
mit hilfe von FLW (Frank-Lloyd-Wright)..

MvR
Er wollte ja was anderes, mir ist damals das pure eröffnet worden, der reine raumfluss oder der neutrale raumfluss

maxR
man braucht ja den raumfluss, den neutralen raum um die konzeption des solitärs (einzelbaukörperwesen der moderne) aufrechtzuerhalten bzw. überhaupt zu konditionieren, aber wären das dann nicht blosse geometrische spiele, proportionskanon dgl. m. . ich sehe das im widerspruch einer sehr wesentlichen, ja existentillen komponente, warum das ganze unter die schirmherrschaft der architektur kommt. Man könnte ja zuerst einmal meinen, dass ganze ist eine sparsame und bescheidene ingenieursleistung aus stehern und wand/deckenscheiben. Architektur, so wie ihr werk es konstituiert hat, tritt doch durch die komponete des noblen materials, der oberflächenwirkung der materialien überhaupt erst atmosphärisch zutage. Ich meine das wird im Barcelona-pavillion (wiederaufbau/nachbau) manifest, sie verwenden dort Loos´sche dekadenz und höchst verfügbaren ausfertigungsgrad – also luxus und überschwang.

MvR
Ich weiss nicht was sie empfinden, ich kann dieses nicht teilen, alles ist präzise für sich eingesetzt, natürlich gibt es eine stimmung dazu, eine gewisse innere ruhe.

maxR
grabesruhe, leben stört…

MvR
sie spielen auf meine kindheit in Aachen und den elterlichen steinmetzbetrieb an…

maxR
ein ewigkeitsanspruch im sinne eines aufgelösten, transparent einsichtigen grabesstätte – eine art pervertiertes grabmuseum – einblick in den zustand der architekturverwesung bzw. der raumverwesung.

MvR
Der raum wurde befreit von den zwängen der umschliessungen, grabkammern, ich sehe das das gegenteil der verwesung, eine neuausrichtung.

maxR
aber erklären sie mir warum soll sich der raum neuausrichten, der geist die einbildungskraft ist doch viel stärker als die materie, oder, alle kunstwerke, kulturellen und wissenschaftlichen errungenschaften bis zum zeitpunkt 1929 (weltwirtschaftskrise und barcelona-pavillon) wurden zum grossteil in diesen von ihnen abgelehnten gefassten räumen ersonnen und entwickelt, was soll der geist ohne materiellen widerstand (aus)schweifen, ..

MvR
Der mensch soll wieder in die weite blicken können

maxR
von Petraca`s Mont Vedoux oder eher die scheinegalisierende horizontale..

MvR
ich möchte meine Bauvolumina in den staaten noch ins spiel bringen, wie das Promontory Apartement, Chicago (1949), Lake Shore Drive Apartements (1951), Seagram Building in New York (1958). Ich finde diese Strenge hat den Amerikanern in ihrem prohibitiven, moralischen Einstellung Halt gegeben. Die strenge fehlte der neuen welt bisdato, sodass hier eine Nation durch meine bauten halt fand.

maxR
sullivan, FLW sind also durch die Emigranten überhaupt zur Architektur gekommen bzw. diese wurde gegenüber dem bauen wahrgenommen. Kann es sein, dass die einvernahme dieser doch im ersten blick einfachen architektonischen gestalten und volumen (zb. gegenüber einem FLW) man auf ein grosses „fordsches“ interesse der amerikanischen bauindustrie gestossen ist und dies als die ökonomisierte ästhetik bis heute massgeblich wirkt. Und entsprechend pate für die trivialisierung,homogenisierung, internationale austauschbaurkeit und beliebigkeit des „fortschrittlichen (im weitesten sinn bauhäuslerischen“ bauwesen ist, wollen sie dies als vermächtnis sehen.

MvR
Vermächtnis, vielleicht muss man einräumen, dass alle die detailqualität bzw. ansprüche heute erkennen können und diese für unbedeutend halten und diese somit für überflüssig.
Das ist doch schön, so wie karl der grosse, die karolingischen bauten heute noch wirken, monumental und an nur wenigen stellen ornamental qualifiziert, hilft dies doch allen ökonomisch geld zu machen.

maxR
sie meinen es hilft den planern, ausführenden und investoren damit mit wenig einsatz (lessismore) effizienter zu sein.
Diese überflüssiglkeit relativiert doch die konzeption des lessismore ziemlich.

MvR
Eine gutes business

maxR
ein frage noch zur qualität der neutraliät, zur offenheit und flexibiliät ihrer konzeptionen. Ich meine damit durchaus einen aspekt der nachhaltigkeit, wenngleich nur einen ökonomischen des rohbaus, die fabrik Bacardi in Kuba (1958) und die Galerie der 20.Jht in Berlin (Nationalgalerie, 1963) sind ziemlich
verwandt in Konstruktionsweise, Erscheinung und so fort.

MvR
Beides sind dort orte der produktion, wenn auch unterschiedlicher, warum soll der ort, die nutzung einen unterschied in der architektur ausmachen?

maxR
mein kompliment für ihre offenheit und darf ich einnehmlich nachträglich unterstellen, dass „more is more“ auch eine tragweite hat in der unssäglichen verkürzung der gegenwärtigen welt.
posthumes gespräch_redigiert_11032014_serie_privat-subjektive_verknüpfungsweltreise_eines_generalisten

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MVR=Ludwig Mies van der Rohe (Aachen 1886 – Chicago 1967),
Architekturgroßmeister der Moderne und International Style
http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Mies_van_der_Rohe

maxR=maxRIEDER (Salzburg 1957)
Generalist, ArchitekturWasserStadtLandschaft&Gestaltungsprozesse
http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Rieder_(Architekt)
http://www.maxrieder.at

_________________
foto mixed by bernhard jenny:
fotos by Bc Vitácora virtual creative commons
and sepp dreissinger

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