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Kooperative Räume in der Stadt der Zukunft – nirgendwo im Posturbanen.

18 Kommentare

maxRIEDER – Die Position des Verfassers ist seit 1998 eindeutig:
„Architektur ist eine soziale Kunst, Stadt ist ein soziales Kunstwerk“
und somit dem Kooperativen verpflichtend.

Öffentliche Räume sind in der europäischen Stadtgeschichte ziemlich unter monofunktionalen Druck geraten. Kooperatives wird dadurch verhindert. Die scheinbar öffentlichen Räume der Wohnsiedlungen sind die traurigen Zeugen der Stadtzerstörung. Der seit der Antike dokumentierte Wohnungsmangel benötigt neue Allianzen und vor allem eine zukunftsorientierte, kooperierende Stadtvorstellung.

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Autor:
maxRIEDER by sepp dreissinger2009maxRIEDER
maxRIEDER.at
ArchitekturWasserStadtLandschaft&Gestaltungsprozesse
plant&baut&lehrt&mediert&reflektiert

 

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Foto: Scott Jarrett, Chicago 2010 aus kunstforum Bd.212_2011

 

18 Kommentare zu “Kooperative Räume in der Stadt der Zukunft – nirgendwo im Posturbanen.

  1. Muss der Kooperative Raum gegeben werden, oder bedingt sich dieser selbst?
    Lieber Herr Rieder,
    erst wenige Tage ist es her, dass ich mit Ihnen und meinen Kommilitonen auf einem sehr interessanten Architekturspaziergang durch die Stadt Salzburg war. Noch allzu gut ist mir das Bild vom Anblick des Uniparks, das Universitätsgebäude, das ich wöchentlich im Zuge meines Studiums aufsuche, in Erinnerung. Ein Symbolbild für die von Ihnen beschriebene monofunktionale Nutzung, die den meisten öffentlichen „Zwischenräumen“ intendiert ist. Seit kurzem ist auf diesem öffentlichen, wenn auch der Universität gehörend, doch von jedem betretbaren Platz um/unter/vor/neben dem Studiengebäude das Skaten verboten. Zuvor haben hier Jugendliche vermehrt in den weniger frequentierten Abendstunden die einladende Bauweise für zahlreiche Tricks genutzt. Neben dieser „Community“ ist bereits die Verdrängung einer anderen Gruppe absehbar: in der Studentenschaft werden bereits einige Stimmen gegen die Greenpeace-Spendenakquise, die dort in regelmäßigen Abständen stattfindet, laut. Auch rechtliche Schritte werden bereits geplant. Der Platz bleibt deshalb den sehr selten stattfindenden Veranstaltungen (z.B. Radservicetag, Glühweinstand, Infostände, etc.) und den täglichen Raucherrunden sowie den After-Vorlesung-Gesprächsgrüppchen vorbehalten. Diesem Ort wird eine sich eventuell anbahnende multifunktionale Nutzung regelrecht ausgetrieben. Die Frage, die ich mir jedoch stelle, ist, ob die fehlende Zugänglichkeit von solchen Zwischenräumen alleine das Entstehen von Kooperativem verhindert? Sind solche shared-places/spaces nicht mehr eine Anregung zur Kooperative aber keine Prämisse? Schafft sich kooperatives Miteinander nicht Raum, da wo keiner ist, oder dieser nicht bemerkt/genutzt/erkannt wird? Zugleich frage ich mich, ob das Bedürfnis nach Kooperative wirklich noch vorhanden ist. Ich darf Sie zitieren: „Trotz neuer virtueller Welten existiert weiterhin das menschliche Bedürfnis nach real-physischen Räumen und zufälligen Begegnungen.“ Wenn ich dabei nun an meinen Freundeskreis und meine eigene Generation denke, so kann ich dem nur für einen sehr kleinen Teil deren zustimmen. Vielleicht ist es ein trügerischer Schluss, dass diese kein Bedürfnis nach ungeplanten, nicht zum Teil vorhersehbaren Begegnungen hat. Begegnung? Ja, aber nur wenn man zuvor ausführlich „googeln“ konnte, in welchem Ausmaß und auf welche Art und Weise diese stattfinden wird. Was bei ungeplanten Begegnungen passiert, sehe ich, wenn eine geistig verwirrte oder behinderte Person im Bus versucht Leute in ein Gespräch zu verwickeln, wenn man auf der Straße angesprochen wird. Man, und dabei muss ich auch mich selbst an der Nase nehmen, reagiert mit Zurückweisung und Flucht. Wenn es nicht Alkohol gäbe, der das abendliche Paarungsritual beflügelt und soziale Hemmschwellen abbaut, hätten Onlinedating und diverse Dating-Apps, auf denen man ernsthafte Beziehungen oder auch kurzweilige Zusammenkünfte sucht und findet, weitere Verbreitung als bereits ohnehin gefunden. Könnte es sein, dass wir nicht nur den Umgang mit zufälligen Begegnungen, sondern auch das Bedürfnis danach verlernt haben? Zumindest scheint mir das so, wenn ich an die monofunktionalen, zwischenmenschlichen Beziehungen meines Umfelds denke. Zumindest sind die mir bekannten Wohnträume nicht geteilte, multifunktionale Orte der Begegnung, sondern klar von der Außenwelt abgegrenzte Podeste der eigenen Person. Vielleicht bedarf es also doch der gezielten Schaffung kooperativer Zwischenräume, um dieses Bedürfnis wieder/weiterzubeleben.

  2. Der vorherrschende Wohnungsmangel und der zwang zum aufbauen von Parallelwelten (welche unüberwindbar scheinen in der jetzigen Zeit, da jede Gruppierung nur sich im Blick hat und Ihren Raum) ist der sichere Weg weg von jeglicher Kooperation und gemeinsamen Räumen.
    Dabei liegt in einem Miteinander viel mehr Möglichkeit als in einem „jeder für sich“. Das lernen Kinder schon früh kennen und schätzen, da sie in ihrer Größe manchmal eingeschränkt sind und auf Kooperation angewiesen sind. Warum wird das Kooperieren später als Mangel oder schlecht angesehen? wo doch 40% der Erwachsenen 2040 keine permanente Erwerbsarbeitsperspektive mehr haben. Driftet der Mensch in eine einsame Zukunft bei der Kooperation nur noch virtuell abläuft?
    Die Straßen und Plätze von Städten werden leer (man trifft in Städten nur mehr Touristen). Die Kaufhäuser jedoch füllen sich immer weiter. Alles hat seinen Ort. Einkauften tut man außerhalb der Innenstadt in Groß-Kaufhäusern. Wohnen abgeschottet. Und Freizeit findet außerhalb der Stadt fest. Außer man bekommt Besuch und will seine Stadt präsentieren, welche man selbst, alleine nie aufsuchen würde.
    Mir kommt vor Leben könnte auch anders gehen. Ich hoffe die Stadt der Zukunft versucht wieder einen schritt zurück in die Richtung der Kooperation einzuschlagen.

  3. Was würde heute wohl bei einer umfassenden Befragung darüber, was Menschen als Stadtleben ansehen, herauskommen? Die Definition dieses Begriffes darf berechtigt hinterfragt werden. Denn „spannend“, „kommunikativ“ und „ereignisreich“ sind Adjektive, die als Assoziation mit Leben in der Stadt bereits seit Jahrzehnten Gefahr laufen durch die simple Beschreibung „viele Menschen leben auf wenig Raum“ verdrängt zu werden.

    Natürlich stellt dies eine emotionale Utopie und eine rationale Sicht auf die gegebenen Umstände einander gegenüber. Menschliche Interaktion fördernde Architektur sollte jedoch endlich anfangen an Priorität zu gewinnen. Leider hat sich aber eine Städtebauweise etabliert, die nur augenscheinlich „kooperative Räume“ generiert.

    Ein, in mehr oder weniger großem Ausmaß, pauschalisiertes Beispiel dafür stellen Wohnsiedlungen dar. Augenscheinlich werden alle Bedürfnisse der Bewohner gedeckt. Die Wohnung wird jedoch immer mehr vom privaten Rückzugsort zum primären Schauplatz des Lebens. Interaktion mit anderen Menschen an öffentlichen Orten findet nur selten und wenn, nur ansatzweise und in geringem Ausmaß statt. Die phantasielosen Grünflächen, die Wohnsiedlungen meist angegliedert sind, können nur zur Interaktion mit Menschen aus derselben Siedlung (und somit einer meist ähnlichen Gesellschaftsschicht) führen und finden außerdem unter Beobachtung sämtlicher Interessierter statt, die von den unzähligen Fenstern und Balkonen der riesigen Wohnbaufronten herabblicken können. Kurz gesagt führt dieses unangenehme Ambiente, mit dem ein großer Teil der heutigen Gesellschaft aufgewachsen ist und alle schon in Kontakt waren, nicht zu solchen kooperativen Räumen, wie Rieder sie gerne generiert sehen würde.

    Als eigenes Beispiel sei hier noch ein Phänomen erwähnt, dass vielfach in Vorstädten, schon beinahe im Übergangsgebiet zu ländlichen Regionen zu beobachten ist. Die Rede ist von der Errichtung neuer Sielungen aus Ein- oder Zweifamilienhäusern, in die oft junge Eltern einer wohlhabenderen Gesellschaftsschicht ziehen. Nicht in die Zukunft gedacht ist das Konzept kurze Zeit sehr gut. Viele behütete Kinder erleben gemeinsam eine glückliche Kindheit und die Eltern sind zufrieden, weil sie ähnliche Interessen und Probleme wie die Nachbarn haben. Kontakt mit anderen Gesellschaftsschichten ist in diesem System äußerst geringfügig gegeben. Der Haken, den ich an solchen Siedlungen sehe, ist, dass sämtlicher erwachsen gewordener Nachwuchs zu einer ähnlichen Zeit ausziehen wird und in den großen Häusern, im Regelfall, zwei Personen alt werden, in einer traurigen, kinderlosen Siedlung. Mit diesem Ansatz könnte man selbige also als vergeudete Bauinvestition ansehen, bezüglich der man schon viel früher an eine elegantere Lösung hätte denken sollen.

    Nach diesen Beispielen nun zurück in die Stadt und zu den Bedürfnissen der Stadtbewohner, die ja Dreh- und Angelpunkt der Thematik sind. Man kann versuchen, den Umstand der Abschottung der Menschen voneinander dadurch zu erklären, dass diese, gerade wenn es um Wohnraum geht, auf keinen Fall Risiken eingehen wollen.
    So kommt es zur Präsenz einer, in Rieders Kritik sogenannten Monofunktionalität, ein Begriff, der sich als roter Faden durch seine Kritik am Fehlen „kooperativer Räume“ in unserer posturbanen Welt zieht.
    Die meisten Menschen sind bereit, bei der Wahl ihres Wohnraums viele Kompromisse auf sich zu nehmen. Würden in der Gesellschaft die Stimmen lauter werden, die neben Möglichkeiten zu Konsum und Transport solche Orte fordern, die Kommunikation und Kooperation fördern, so könnte sich möglicherweise eine Veränderung einstellen.
    Das momentane Verhalten der Menschen ist aber immer noch das von Einzelkämpfern, die weit von dem Luxus entfernt sind, Räume führ Kooperation zu fordern, was eine Umstrukturierung sämtlicher Städtebauweise, wie man sie kann und wie sie bereits lange besteht bedeuten würde.

    In Bauprojekten, die Neues Erschaffen, sollten die alten Muster der Monofunktionalität meiner Meinung nach abgelegt werden. Leider ist deren Planung heutzutage sehr undemokratisch, wenn man bedenkt, dass alle Menschen, die in der Nähe oder in einem neuen Gebäude wohnen, täglich davon betroffen sind. Diesbezüglich eine demokratischere Richtung einzuschlagen und Architekturentwürfe in Erwägung zu ziehen, die auf die Generierung kooperativer Räume abzielen, sind Entwicklungen, auf welche man in Zukunft hoffen kann.

  4. Ich kann die Entwicklungen, die von Herrn Rieder in seinem Text beschrieben werden, gut nachvollziehen. Ich denke da zum Beispiel an die Neugestaltung von Straßen in meiner Heimatstadt, wo neben neuen Fußgängerübergängen und Fahrradstreifen auch eine Verbreiterung des Bürgersteigs sowie Sitzgelegenheiten eingeplant wurden. Nun ist so gut wie jedes Mal, wenn ich dort vorbeifahre, kaum einer von den Sitzplätzen belegt. Dies kann ich jedoch auch verstehen, da ich mich selbst auch nicht neben eine stark befahrene Straße (inklusive Straßenbahn) setzen würde. Dies ist für mich ein gutes Beispiel für das von Herrn Rieder angesprochene Funktionskonzentration, bzw. die Trennung in entweder Konsum oder Transport.

    Auch wenn Initiativen wie die oben angesprochene versuchen, wieder mehr kooperative Räume für die Stadt umzusetzen, gestaltet sich das als schwierig. Immerhin muss heute alles effektiv sein, sowie zeitsparend. Das würde auf Transportstrukturen, die einen nicht möglichst schnell von A nach B bringen, ja wohl nicht zutreffen. Hat der Mensch trotzdem noch Sehnsucht nach kooperativen Orten im öffentlichen Raum? Vielleicht schon, da es ja auch immer mehr kooperative Arbeitsräume (co-working space) gibt, wo Selbstständige ihrem Zuhause entfliehen, um umgeben von anderen an ihren Projekten zu arbeiten. Wo ich mir eher ein Problem vorstellen könnte, ist das keiner wirklich weiß, wie so ein kooperativer öffentlicher Raum in unserer heutigen Zeit überhaupt aussehen müsste, um die Menschen anzusprechen. Interessant wäre es dabei, einen Blick auf andere Kulturen zu werfen, und wie diese mit dem Problem umgehen. Ich selbst weiß nur aus eigenen, kurzen Urlaubserfahrungen, sicherlich durch die touristische Brille gesehen, wie zum Beispiel in Südostasien ein, zur Straße oft offener Raum als Treffpunkt, Verkaufsraum, Arbeitsraum, Restaurant, und manchmal auch als Schlafraum dient. Dort hatte ich den Gefühl, dass das Leben noch (zumindest halb) auf der Straße stattfindet. Damit bin ich sicher auch ein Opfer der von Herrn Rieder angesprochenen „Reise- und Urlaubssehnsucht“, für die die „Stadtentwicklung- und Stadtplanungsdepartments Renditen von Tourismusveranstaltungen erhalten“ sollten. Zukünftig bleibt es für mich jedoch definitiv interessant, ob und wie sich die Wünsche nach kooperativem öffentlichen Raum verstärken, verändern und wie sie sich manifestieren.

  5. Während ich diesen Kommentar schreibe, habe ich die ganze Zeit den Platz vor dem Unipark Nonntal im Kopf.
    Zu diesem Zwischenraum habe ich nämlich Folgendes zu sagen. Sie sagen, dass Zwischenräume zu öffentlichen Plätzen werden. Ich sage, dass diese öffentlichen Plätze (die Öffentlichkeit dieser Plätze kann man ja bekanntlich auch anzweifeln) keine Zwischenräume sind. Zwischenräume entstehen jedoch an den Rändern dieser Plätze und manchmal auch mitten in ihnen. Dort wo ich mich als Privatperson frei bewegen kann. Das sind öffentliche Plätze nicht. Ein Zwischenraum ist für mich ein Raum, in dem ich einen Stein aufstellen kann und in einer Woche steht der Stein dort immer noch, weil ihn niemand beachtet und weil er niemanden stört. Zugegeben, dies ist ein bisschen eigensinnig. Ich behaupte das nur, weil ich auf etwas Bestimmtes hinauswill und Bezeichnungen sind eh relativ und der Sprachgebrauch entscheidet, was ein Wort bedeutet. Aber lassen Sie mich diese Gedanken fortspinnen, wenn auch nur in diesem Kommentar.

    Diese Art von Zwischenraum (also die mit dem Stein) wird es immer geben, auch wenn er zu verschwinden scheint und es ist die Kunst der Raumlosen (die, die keinen Ort ‚besitzen‘) diese Orte zu finden und zu ‚besetzen‘. Denn einen Ort braucht der Mensch. Und wenn er keinen hat, wird er einen suchen und erobern. In Ihrem Artikel schreiben Sie, es sind die Plätze des Informellen. Dann nennen wir sie informelle Zwischenräume. Es sind die Orte, an denen sich meine Gedanken festsetzen, weil sie einen Raum bekommen, der nicht per se ein Lärm- oder Stilleort, ein Sitzplatz, ein Durchgangsraum oder ein Arbeitsplatz ist. Ich frage mich zum Beispiel, ob Obdachlosigkeit ein besetzter Zwischenraum ist, denn einem oder einer Obdachlosen schaue ich nicht ins Gesicht. Ja ich weiß, verzettelt in philosophischen Fragen.

    Ich mag diese ‚Zwischenräume‘, die einen Stadtplatz machen aus meiner Perspektive nicht anerkennen, denn es wird wohl ein Zwischenraum für eine Architektin, einen Bürgermeister oder einen verirrten Paragleiter sein (die in der Draufsicht auf die Stadt schauen) oder für die Hausverwaltung, die für das Gebäude aber nicht für den Platz zuständig ist. Für mich ist es drastisch ausgedrückt ein Block Luft, der nicht mir gehört und den ich zu durchschreiten habe, er bricht keine Gedankenräume auf und auch keine Freiräume.

  6. Schulhof als Zwischenraum
    Die Geschichte unseres Schulhofes vom multifunktionalen Zwischenraum zum monofunktionalen Schulhof.
    Als ich 1999 eingeschult wurde, war der Schulhof in unserem Dorf der Platz zwischen dem Schulgebäude und der Freiwilligen Feuerwehr. An Feiertagen, Kirchtag zum Beispiel, wurde dieser Platz zum Viehmarkt oder Rummelplatz umfunktioniert. Die von den Schülern als Turngeräte benutzten Stangen wurden nun zu ihrer ursprünglichen Funktion zurückgeführt und Rind und Pferd daran festgebunden. Es gab auch jahrelang noch ein Häuschen auf dem Gelände, in dem eine Waage für die Tiere eingebaut war. Nicht mehr benutzt natürlich. Später wurde die Schule umgebaut. Eine neue größere Sporthalle und eine neue Feuerwehrgarage kamen her. Der Schulhof für die Kinder verkleinerte sich mindestens um die Hälfte. Zu der Zeit ging meine kleine Schwester dort zur Schule und im Frühling mussten sich die Kinder auf den asphaltierten Wegen aufhalten, weil das Gras sonst nicht wachsen konnte.

  7. Schulgebäude sind meist alte und einfache, zweckmäßige Gebäude. Den Charme, den sie ausstrahlen gleicht der von Militärkasernen. Zum Glück aber gibt es Ausnahmen, Gebäude, die lichtdurchflutet sind und eine warme Atmosphäre, unter anderem durch den Einsatz von Holz, ausstrahlen. Glücklich kann man sein, wenn es geschafft wurde, nicht nur die Atmosphäre gut hinbekommen zu haben, sondern auch den Zweck erfüllen zu können, für den das Gedäude gebaut wurde. Immer wieder verwunderlich ist, dass es solche Gebäude gibt, die wunderschön und toll wirken, aber, wenn man die Menschen befragt, die dort arbeiten, sagen, dass Vieles in diesem Gebäude nicht funktionell ist. Ich denke, es ist immer die Gradwanderung eines Architekten, sich zwischen Kunst und Funktion sich zu bewegen. Aber ich verstehe nicht, wo der Dialog im Vorfeld bleibt. Die Kooperation ist hier doch ausschlaggebend. Es handelt sich bei einem Gebäude, das als Arbeitsplatz dienen soll, in erster Linie nicht um Kunst, die Funktion muss an erster Stelle stehen und der Kunst untergeordnet werden.

  8. Ist Bauen ein Handwerk und ist Architektur eine Kunst? Menschen kreieren einen Zwischenraum und in diesem Zwischenraum existiert eine Beziehung. Auch zwischen Häusern ist so eine Beziehung da, und somit hat Architektur auch eine soziale Dimension. Der Schweizer Architekt Valerio Olgiati sagt, Architektur tritt dann auf, wenn sie Kreativität beim Menschen auslöst. Denn es gibt heute kein vorgegebenes Muster mehr, an das sich ein Architekt halten muss, anders als früher, als jede Epoche einen eigenen Kanon hatte. Heute hat Architektur immer noch viel mit Macht zu tun. Zaha Hadids Bauten beispielsweise haben zwar keine rechten Winkel; das Material und die Technologie ihrer freien organischen Formen sind aber immer zentrale Aspekte. Architektur hat genauso eine ökonomische Dimension, denn sie ist in öffentlichem Sinn und entgegen der Kunst keine Privatsache. Natürlich ist sie immer auch ein Skandal (für irgendjemanden, zum Beispiel für die Politik). Die drei Elemente Bauen, Funktion und Geld sind wichtig, aber natürlich wollen Architekten mehr als nur das. Auch die ökologische Dimension darf nicht außer Acht gelassen werden. Die informelle Architektur legt großen Wert auf Nachhaltigkeit. Sie arbeitet mit Produkten aus der Umgebung und vor allem mit Recycling.

    Architekten sollten gut darin sein, Räume im Kopf abzuspeichern und sich dann einen raussuchen zu können für eine Dimension. Das Wertesystem der Gesellschaft hat zum Beispiel oft wenig mit dem ökologischen Aspekt zu tun, denn jedes Klima erzeugt unterschiedliche Formen und es gibt Klimaanlagen. Die Welt wird immer vielfältiger und individueller, es gibt keinen einheitlichen Stil mehr, die Architektur wird unverbindlicher. Früher war alles nebeneinander, später wurden immer größere Bewegungen und Distanzen möglich. Architekten wollen „etwas Schönes“ für die Menschen machen. Gebäude sollen Sinn machen, im Außenraum und im Innenraum. Das Licht, die Geometrie, die Oberflächen, die Akustik von Räumen,… sind alles wichtige Aspekte, und es macht die Summe der Dinge aus, die zusammenhängen. Wir sehen oft nur die Form, aber die Art der Konstruktion, die Tätigkeit, spielt auch mit.

  9. Konsumgesellschaft trifft auf Lebenswillen. Zwischenräume in einer von Konsum angetriebenen Gesellschaft zu finden gleicht heutzutage schon fast einer Sisyphosarbeit. Denn leerer Platz ist gleichzusetzten mit verlorenem Einkommen und nicht wahrgenommener Möglichkeiten. Nimmt man sich zum Beispiel die Getreidegasse der Salzburger Innenstadt vor. Gepriesen als die Shoppingmeile mit Flair finden wir in ihr doch nur noch Läden die ihre Produkte an die Person bringen wollen. Wo früher noch private Wohnhäuser und private Werkstätten zu finden waren wird heutzutage alles auf den kommerziellen Verkauf getrimmt. Die enge Gasse dazwischen ist nur noch ein wahres Schleusentor für Menschenmassen, welche sich auf ihrer stumpfen Tourismustour durch ein gestelltes Stadtbild zerren lassen.
    Gestelltes Stadtbild ist zugleich das Stichwort für ein weiteres Paradigma der „modernen“ historischen Stadt. Nimmt man sich Salzburg wieder als Beispiel so ist die Altstadt ein einziges Bühnenbild. Man findet wunderbar herausgeputzte Häuserfassaden, prächtige Kirchen und große Plätze. Jedoch ist alles so sauber und gestellt das man zum Beispiel für Kinder keine Anhaltspunkte findet. Werden inzwischen immer und überall Kinderspielplätze installiert so findet man sie in vielen Altstädten nicht, denn diese würden ja nicht in das geplant inszenierte Bild passen. Denn will ich mich als Stadt heutzutage kommerziell vermarkten, so muss ich mit dem Strom der Zeit gehen, mich immer wieder verändern und den Wünschen der Touristen entgegenkommen.
    Jedoch gibt es auch ein positives Beispiel für die gekonnte Nutzung von Zwischenräumen. Die Stadt Regensburg oder auch Rothenburg ob der Tauber hat aufgrund ihrer Geschichte den Sprung zu einer „modernen“ Tourismusstadt „verpasst“. Dies kommt ihr nun jedoch zugute, hat sie sich doch den originalen Zustand ihrer Stadt erhalten und kommt somit weitaus authentischer und lebendiger rüber. Hier mischen sich Wohnhäuser, Kirchen, städtische Gebäude und Geschäfte wunderbar. Verkehrsberuhigte Bereiche, große Fußgängerzonen und Plätze ermöglichen es der Bevölkerung sich bunt zu mischen und überall miteinander zu kooperieren.

  10. Ich finde, die Idee, dass der öffentliche Raum eigentlich der Zwischenraum von Gebäuden und Häusern ist, wirklich sehr interessant. Dass der öffentliche Raum nicht zwangsweise absichtlich oder geplant entstehen muss, sondern sozusagen auch nur das „Resterl“ bzw. das „Scherzerl“, das was eben überbleibt, sein kann. So habe ich darüber noch nie nachgedacht.
    Ich kann nachvollziehen, warum in diesem Artikel argumentiert wird, dass moderne Zwischenräume in Wohnsiedlungen geplant sind. Diese absichtlich erstellten Zwischenräume, die als Begegnungszone geplant sind wirken fast pervers, wenn man genauer darüber nachdenkt. Unsere Gesellschaft ist schon so weit, dass wir jeden einzelnen Aspekt unseres Lebens trennen und klar einordnen müssen. Und daher müssen auch die Zwischenräume so agieren: klar zuordnungsbar.
    Außerdem habe ich noch nie darüber nachgedacht, welche Schwierigkeiten beim Erbauen einer Straße auftauchen. Wie im Artikel beschrieben wird, müssen viele verschiedene Aspekte beachtet werden und am Ende
    Weiteres sind die Bilder der verschiedenen Zwischenräumen auf der ganzen Welt extrem hilfreich und passend um dieses Phänomen zu visualisieren.

  11. Ich habe den Artikel, Kooperative Räume in der Stadt der Zukunft – nirgendwo im Posturbane, von Herrn Max Rieder bewusst ausgewählt, da dieser Artikel mir ein wenig die Augen geöffnet hat.
    Ich habe noch nie bewusst darüber nachgedacht, dass Zwischenräume von Gebäuden bzw. Häusern, so wie auch zum Beispiel ein Schulhof, ein Landhausplatz oder auch ein Marktplatz, ein Rest, das übriggeblieben ist, auch sein kann.

    Als ich den Artikel das erste Mal gelesen habe, musst ich sofort an den Landhausplatz in Innsbruck, Eduard-Wallnöfer-Platz, denken. Dieser Platz präsentiert sich über viele Jahre als Zwischenraum, Leerstelle, Platzhalter – ein Nebenschauplatz im Zentrum der Stadt, Innsbruck. Der Landhausplatz wurde nach dem ehemaligen Tiroler Landeshauptmann Wallnöfer benannt und liegt wenige Schritte von der Maria-Theresien-Straße entfernt. Der architektonisch gesehen recht „junge“ Platz entstand Ender der 1930er Jahre. Jung ist auch das Publikum: Besonders Innsbrucks Jugend- und Skaterszene trifft isch hier gerne. Denn Zahlreiche Hindernisse und Rampen sind perfekt zum Üben für Skate- und BMX-Freund.

    Topografie
    Eine Topografie sanfter Hügel erstreckt sich über den Platz und setzt bildhaft einen landschaftsartigen Gegenpol zur Umgebung. Gleichzeitig aber wird die Topografie im städtischen Kontext durch ihre Materialisierung und Funktion zur urbanen Plastik. Diese zeigt sich als Körper mit haptisch hochaktiver Oberfläche – eine offene Plastik die zugleich Platz und Weg ist.

    Die Textur des Oberflächenbelages wechselt in teils fließenden, teils abrupten Übergängen je nach Nutzungsanforderung von rau bis zu hochglanzpoliert. So entstehen vielfältig nutzbare Freiflächen, Hügel, Brunnen, „Podeste“ für Denkmäler, Sitzgelegenheiten. Sitzbänke sind unter den zahlreichen Baumgruppen verteilt. Zusätzlich kann Standard-Mobiliar je nach Bedarf frei auf diesem Forum aufgestellt werden.

  12. Als erstes möchte ich auf den Zwischenraum eingehen. Denn ich finde, dieser Blickwinkel – der des „Dazwischens“ – ist ein spannender. Ein Zwischenraum ist der Raum zwischen zwei oder mehreren Objekten, Personen,… und meiner Meinung nach ist das der Raum, in dem Beziehung stattfindet. Denn jeder Zwischenraum ermöglicht die Beziehung von A zu B oder C. Ohne diesen Raum würde keine Beziehung möglich sein, da beim Beispiel „Stadt“ diese sich dann als ein festes Knäuel entpuppt, in dem es nicht mehr möglich wäre zu atmen. Das heißt, ohne Zwischenräume wäre es nicht möglich zu leben. – Gelebt wird doch auch dazwischen – zwischen Wohnung und Arbeit – zwischen Park und Kaffeehaus – zwischen einem Termin und den nächsten. In unserer von Terminen dominierten Gesellschaft denke ich, Zwischenräume zu erkennen, ist wichtiger denn je. Über deren Nutzung / Gestaltung lässt sich diskutieren. Viele Menschen wünschen sich mehr Zwischenräume, um diese nach ihren Vorstellungen zu gestalten – und ich meine hier nicht ausschließlich Zwischenräume im städtischen Kontext, sondern auch im sozialen Miteinander oder im Raum der eigenen Gedanken- und Vorstellungswelt. Viele haben wohl schon vergessen, Räume in ihren Gedanken zu lassen, um diese „Plätze“ kreativ nutzen zu können und mit neuen Ideen zu füllen, – da zwischen Arbeit und Termin 1, 2, 3… kein Platz dafür bleibt. Da wir diese gedanklichen Zwischenräume nicht mehr sehen / erkennen, grenzen wir uns selbst ein und leben in einer kleinen Blase einer vorgefertigten „Soll-Welt“. Wir grenzen uns ein in Beziehungen, im Wohnen, im Leben… und irgendwann kommt die Gewohnheit hinzu, die es verhindert, aus einer mehr oder weniger bequem-langweiligen Blase noch herauszusteigen, um wieder mit der „Welt“, dem Geschehen um dich herum in Kontakt zu treten und öffentlichen Raum als Zwischenraum für Begegnung zu nutzen.

  13. Ich finde es sehr spannend den Aspekt des Zwischenraums in den Vordergrund zu stellen. Ansonsten wird dieser eigentlich fast immer nur als Nebenprodukt angesehen.
    In unserer schnelllebigen Welt inklusive Konsumrausch und intermedialer Welt sind wir auf das konditioniert, was laut, direkt und offensichtlich ist.
    Einerseits tauchen Zwischenräume subtil auf und werden oft vernachlässigt respektive als nicht wichtig anerkannt. Anderseits ist zu bedenken, dass sie nicht künstlich zu Plätzen gemacht werden sollen.

    Menschen sollen sich allgemein über die Wichtigkeit und Mannigfaltigkeit von shared spaces Gedanken machen. Diese als öffentliche Räume nutzen finde ich eine grandiose Idee. Sie sollten sinnvoll und kreativ bespielbar werden aber jedoch nicht zu plakativ.

    Als Beispiel fällt mir die Super-Initiative ein. Diese suchen sich regelrecht off-spaces welche vergessen oder verschollen sind. Ein Projekt ist die Underground-Galerie. zuggesprühte Fenster-Flächen in einem Fußgänger-Untergang wurde als eine neue Galerie eröffnet und so zu neuem Leben erweckt. Das ist ein Anfang in die richtige Richtung meiner Meinung nach.

  14. Das Problem der vorherrschenden Peripherie, das in dem Artikel angesprochen wird, sticht auch mir des Öfteren ins Auge. Die Wurzel des Problems liegt meiner Meinung nach darin, dass die Stadt an sich nicht für die bewohnenden Menschen, sondern für das Kapital gebaut wird. Dies führt dazu, dass von den vielen verschiedenen Interessen, die am öffentlichen Raum (oder was so bezeichnet wird) bestehen, manchen mehr Beachtung geschenkt wird als anderen. Eine auto- und konsumfreie Zone in einer Stadt zu etablieren ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Dies geht so weit, dass auch Ideen und Projekte, die abseits von Profit existiren wollen, über den Nutzen argumentiert werden müssen. Lässt sich nicht auf irgendeine Weise ein wirtschaftliches Mehr daraus ziehen, ist in einer Stadt eigentlich kein Platz dafür. Selbst Erholungsräume können nicht einfach als Räume für Miteinander und zur Entspannung verstanden werden, sondern als Platz zur Reproduktion der Arbeitskraft, damit die Menschen danach wieder arbeitsfähig sind. Der Mensch hat Arbeits- und Schlaf- mit Glück noch einen Erholungsplatz, eine Existenz abseits dieser Logik wird bei der Stadtplanung jedoch selten in Erwägung gezogen.

  15. Mit der Kunst im öffentlichen Raum in Salzburg ist so eine Sache. Ich ging gerade am Affentor von Jörg Immenhof beim Europark vorbei und dachte mir, wie scheußlich doch dieser Platz für diese Skulptur ist. Ich weiß, dass das damit begründet wurde, dass die Affen in der chinesischen Astrologie die guten Kaufleute sind und versuche es mir immer wieder vorzusagen und damit ‚gut‘ zu reden. Die Affen kann man aber auch als Versuch werten, den Platz um das Einkaufszentrum zu beleben. Und das ist ja nicht das einzige, womit belebt werden möchte. Im Winter kann man dort auch Eislaufen und im Sommer einen Kaffee trinken. Es gibt hier Menschen, die sich auf den Bänken einfach nur hinsetzen und einander begegnen, aber es ist eben eine Einkaufsmonokultur und das wird es auch bleiben. Sind wir in Salzburg wirklich so arm an schönen Plätzen, dass sie hier diese Skulptur hin verfrachten mussten? Ganz abgesehen davon, ob sie mir gefällt oder nicht. Aber ich hätte gerne einen anderen Platz dafür. Auch wenn durch diese Bronze ein Stück Kunst in diese Einkaufswelt kommt, die den meisten Menschen im Einkaufstaumel wahrscheinlich gar nicht auffällt, sieht es dennoch so aus, als hätte man sie irgendwo hinstellen müssen, wo noch Platz ist. Genauso ging es mit der Paracelsus-Statue des Salzburger Bildhauers Josef Zenzmeier zu, die auch verzweifelt einen Platz brauchte, davor stand sie vor dem Halleiner Keltenmuseum. Nun steht sie eben vor der Paracelsus Privatuniversität in der Neuen Mitte Lehen. Und jedes Mal wenn ich den bronzenen Arzt sehe, tut er mir leid und ich weiß nicht weshalb. Und wieso kann man nicht endlich die alten Monumentalskulpturen des NS-Bildhauers Josef Thorak von Paracelsus und Koperinkus im Mirabellgarten entsorgen? Dafür würde sich sicher ein Käufer finden. Paracelsus und die Affen wären doch besser in einem schönen Garten aufgehoben. Der Versuch, durch die beiden Statuen den Raum zu beleben und einen kooperativen Raum der Vielfalt im Stadtbild zu schaffen, scheitert hier kläglich. Und ich denke nicht, dass es meine mittlerweile gewordene „degenerierte“ Sehgewohnheit ist, die mich dieses Urteil fällen lässt. Aber wenn ich diese Kunstwerke im Stadtraum an den genannten Orten sehe, habe ich nicht das Gefühl, dass sie ihre Wirkung entfalten können. Und ich weiß, wie sich das homogene Milieu anfühlt, wenn man es sieht und sich darin befindet, nämlich tot. Das trifft zwar nicht für genannten Beispiele zu, aber die Skulpturen gehen total unter. Und ich hoffe nicht, dass das die Idee war, sich für ihren jetzigen Standort zu entscheiden.

  16. In einer Zeit, in der Gemeinschaft vermehrt im WWW stattfindet, erscheint es mir wichtig Lebensräume zu schaffen, die ein Miteinander ermöglichen. Wohnungsmangel wirkt auf mich als Problem für das Suchen nach Raum in einer anderen Welt. Zu viel Zeit verbringen wir bereits im Netz damit, gemeinsam alleine zu sein. Somit braucht es dieses Problem nicht auch noch in der realen Welt. Hier verlangt es Lebensräume die verbinden, die aus dem kontaktlosen Einzelgänger oder auch den isolierten Gruppe eine kollektive Gemeinschaft errichtet.
    Ich höre nur zu oft von Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern: “Ich geh schon gar nicht mehr in die Stadt. Nur Touristen. Alles was ich brauche bekomm ich außerhalb auch und es ist viel einfacher dort einzukaufen.” Gerade letztens erzählte mir ein Bekannter, dass er Renovierungsarbeiten in der Stadt (welche über Monate ging) gar nicht mitbekommen habe, weil er einfach nie dort war. NIE IM ZENTRUM WAR!
    Somit zeigt sich, dass so gut wie alles in die Ferne, an andere Orte verlagert wird und die Stadt an sich als Zwischenraum wahrgenommen wird. Es sei denn, die Stadt etabliert sich als Vorzeigeobjekt der heimischen Architektur und Kultur, doch dann wären wir wieder beim Thema Touristen und würden von vorne beginnen…
    Architektur, welche zwischenmenschliche Kommunikation vorantreibt, braucht es um einen Wandel voranzutreiben. Oberste Priorität sollten Lebensräume haben, welche Interaktionen fördern.

  17. In dem Artikel wird ein Schreckensszenario der Vereinsamung in Siedlungen gezeigt, wo die einzigen Bedürfnisse der Menschen ein funktionierender Internet- und Fernsehanschluss sind, sozialer Raum jedoch gänzlich verschwindet und damit auch die sozialen Kontakten zur Außenwelt. Mich spaltet der Artikel, da ich selbst Bewohnerin einer Siedlung bin und auch viel Zeit am Land in einem Einfamilienhaus mit Garten verbringe. Einerseits beobachte ich auch das Gesellschaftsphänomen, dass sich immer mehr Menschen in ihre Privatwohnungen und zusätzlich in den virtuellen Raum zurück ziehen, jedoch finde ich das „Schreckensszenario“ des Autors überzogen und es stellt sich mir auch die Frage, ob nicht manche Menschen gerne in der Abgeschiedenheit und mehr für sich leben können ohne, dass dies als etwas so Negatives gesehen werden muss.
    Ich fände es auch grundsätzlich falsch zu sagen, dies wäre ein heutiges Phänomen, das es früher nie gegeben hat. In der Oberschicht war das immer der Fall, dass man sich von den übrigen Menschen separiert hatte und auswählte wer das Anwesen betreten durfte. Mit der Entstehung des Bürgertums und dem Zeitalter des Biedermeiers weitete sich dies auf andere Gesellschaftsschichten aus und das Spitzelwesen unter Metternich begünstigte, dass sich die Menschen immer mehr in ihre Privathäuser zurückzogen und nur dort das kulturelle Leben stattfand. In früheren Zeiten gab es zwar belebte Dorfplätze, an denen Märkte und Feste stattfanden, jedoch lebte trotzdem jeder mitsamt der erweiterten Familie von Knechten und Mägden auf einem eigenen Hof. Das Phänomen von gemeinsamen Plätzen, die multifunktional und kooperativ genutzt wurden, ist meines Erachtens erst durch die Städte aufgekommen, also vor guten 800 Jahren. Vereinsamung in Städten ist dabei auch kein Phänomen der digitalen Gesellschaft, sondern wurde auch schon von Künstler_innen der neuen Sachlichkeit in der Zwischenkriegszeit bearbeitet. Es wäre also ein Trugschluss zu glauben, dass bis vor ein paar Jahren alle Menschen an zahlreichen kooperativen Plätzen zusammenkamen und nun seit Neustem die Menschen durch Wohnsiedlungen und Wohnblöcke in die Abgeschiedenheit und Vereinsamung gelangen.
    Jedoch stimmt es natürlich, dass wenn man in der Stadt lebt, man vieles zu Fuß erledigt, dabei auf die unterschiedlichsten Menschen trifft und auch seine Freizeit, insofern man keinen Garten hat, an öffentlichen Orten verbringt. Dadurch kommt man zwangsläufig auf Plätzen und in Parks in vielfältigen Kontakt mit anderen Menschen. Dem wirken Wohnblöcke mit eingegrenztem Grünbereich, wo nur die Einwohner der Anlage hineinkommen oder private Gärten entgegen. Auch scheint es ein Bedürfnis vieler Menschen zu sein unter Menschen zu kommen und das florierende Leben zu spüren, so strömen jedes Jahr die Menschen als Touristen in belebte Städte und genießen das Leben auf den Plätzen. Wobei es auch viele Menschen gibt, die gerade solche Urlaube umgehen wollen und in die Einsamkeit reisen. In südlichen Städten trifft man wirklich oftmals auf solche kooperativen Plätze, wo flaniert und gegessene wird, die Kinder am Abend Fußball spielen, die Einheimischen auf ein Bier gehen und es vormittags vielleicht auch einen Markt gibt, auf dem eingekauft wird. Jedoch herrscht im Süden generell eine andere Mentalität. Während dort auch problemlos Kontakt zu fremden Personen aufgebaut wird, ist dies in Mitteleuropa selten der Fall; in öffentlichen Verkehrsmittel möchte man seine Ruhe haben, man versiegelt die Ohren schalldicht mit Kopfhörern und konzentriert den Blick aufs Handy und auch auf der Straße spricht man keine fremden Personen an. Dann stellt sich mir nur die Frage, in wie weit gemeinsame kooperative Flächen wirklich den Kontakt zwischen den Menschen fördern, wenn diese keinen Kontakt wollen. Dies scheint kein rein architektonisches Problem zu sein, wenn es denn ein Problem ist, sondern ein gesellschaftliches.
    In Siedlungen und Wohnblocks hingegen bildet sich, gerade weil immer die gleichen Menschen zusammenkommen, eine Gemeinschaft, ein Netz zwischen den Personen und es wirkt einer Vereinsam entgegen. Ich bin in einer Siedlung mit lauter Familien großgeworden und wir haben Siedlungsfeste veranstaltet und ich hatte immer eine Menge Kinder zum Spielen, ich frage mich ob ich so viele soziale Kontakte in einer Stadtwohnung auch gehabt hätte. Ich habe immer wieder die Furcht, dass ich vereinsamen könnte, wenn ich mit meiner eignen Familie in ein Haus am Land ziehe, aber die gleiche Angst hätte ich auch in einer Mietwohnung im Herzen der Stadt in nächster Nähe zu kooperativ genutzten Plätzen.
    Miteinhergehe ich jedoch damit, dass es ein Verlust ist, dass Ortskerne wie auch Stadtkerne immer mehr zersplittern und es getrennte Einkaufs, – Verkehrs-, Wohn-, und Arbeitsareale gibt. In manchen Orten gibt es noch solche funktionierende Ortskerne, wo man dem halben Ort beim Einkaufen trifft, doch vielfach zersplittern diese, was auch immer mehr zu einer Anonymisierung, Abschottung und zur Zersplitterung der kooperativen Räume führt.

  18. Kooperative Räume in der Stadt der Zukunft – nirgendwo im Posturbanen.

    In der globalisierten Gesellschaft hat der Einzelne zunehmend den (Selbst-)Anspruch der Durchoptimierung verinnerlicht. Alles und möglichst jeder hat funktional und effizient zu sein. Es wird hart gearbeitet, um sich anschließend alle möglichen Selbstoptimierungstechnologien und -produkte leisten zu können. Raum muss natürlich dementsprechend ebenfalls optimal genutzt sein, wie im Beitrag beschrieben alles nach seiner Funktion getrennt. Mischnutzungen und Leerräume wären da nur Ineffizienzen. Ganz zu schweigen von den Grundstückspreisen. Öffentliche Bauvorhaben und -grundstücke gibt es kaum noch in Großstädten und fast alles ist in der Hand von maximal gewinnorientierten Bauträgern. Wozu aber auch überhaupt noch öffentlicher Raum? Wer würde ihn wofür nutzen, außer von A nach B zu kommen? Wer hat Zeit, womöglich ungeplanterweise, spontan mit Anderen, womöglich gar Unbekannten zusammenzutreffen? Öffentlichkeit findet im Einkaufszentrum statt. Berufsleben und Freizeit sind durchgetaktet. Vom Aktivitätszustand wird anschließend nahtlos in den Erschöpfungszustand umgeschaltet.

    Vielleicht sind Städte inzwischen ein sozial und ökologisch überholtes Modell? Womöglich wäre es besser, ein Glasfaserkabel in leerstehende Dörfer zu legen und zu schauen, was dann passiert?

    Wenn man der Großstadt doch eine Chance geben will, würde öffentlicher Raum zunächst etwas erfordern, wofür es nur noch ein hoffnungslos altmodisches Wort gibt: „Muße“. Zeit zum „Flanieren“, auch so ein altmodisches Wort (heute durch Shopping ersetzt), Unbekanntes zu entdecken… Hier muss wohl der Einzelne selbst ansetzen, was Einzelne wohl auch mehr und mehr tun, aber von „oben“ wird es sicher nicht breit verordnet werden. Anschließend würde es aus meiner Sicht kleinteilige Eigeninitiative brauchen. Durchmischter öffentlicher Raum könnte zwar sicherlich mittels kreativer und durchdachter Architektur wunderbar gefördert werden (falls wirtschaftlich durchsetzbar), kann aber vermutlich nicht kommunalpolitisch aufgezwungen werden. Die systematische Förderung von kostengünstiger bzw. -freier Nutzung leerstehender innerstädtischer Geschäftslokale oder anderer Plätze durch private Initiativen, die eine Art von nicht-kommerzieller Öffentlichkeit schaffen, könnte vielleicht ein Ansatz sein. Oder die Ermöglichung von kooperativen innerstädtischen Bauprojekten für eine gut durchmischte Nutzung. Vielleicht würde es aber auch schon helfen, wenn man zeitweilig einfach mal eine Gartenbank vor die Haustüre stellen und eine Weile darauf Platz nehmen würde. Vielleicht würde sich überraschend schnell eine Art Mikro-Öffentlichkeit bilden, bevor die Stadtverwaltung zur umgehenden Entfernung des illegalen Sitzmöbels auffordern würde? Diese Gruppierung kann dann ja eine Bürgerinitiative zur Rettung von Gartenbänken bilden…

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