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Die überfüllte Stadt von unbewohnten!

4 Kommentare

Thomas Gschoßmann

Stadt Salzburg liefert mit ihren vielfältigen Kultur- und Touristenangeboten, allerlei Tages- und Nachtprogramm. Die Straßen sind gefüllt, die Lokale und Geschäfte brummen mit Gästen, aber dennoch finden sich leere Flächen in der Stadt, die nach Gesellschaft suchen, nämlich Miet- und Eigentumswohnungen als auch Büroflächen.

In Salzburg finden sich ca. 9.000 leere Wohnungsflächen und ca. 50 Büroflächen (70 bis 4000 m²) die teil mindestens seit 2014 leer stehen. Büroflächen werden meist nur zu einer geringen Quadratmetergröße (100- 150m²) sicher weiter verkauft/vermietet. Bei Wohnungen liegt der Beweggrund oft am Vermieter/an der Vermieterin, da diese eine Wohnung als Geldanlage betrachten – wird nicht zwingend vermietet – oder oft mit „aufkommenden Scherereien“ durch die Vermietung nicht konfrontiert werden wollen.

Beide Konzepte erzeugen Spannung in der Sozialgesellschaft, weil warum dürfen oder sollen die bestehenden Flächen nicht sinnhaft genutzt werden? Das haben sich Gemeinde und Immobilienhändler auch gedacht und nun wollen sie jeweils, Büroflächen in bewohnbare Flächen verwandeln und die leerstehenden Wohnungen sollen von der Stadt betreut und verwaltet werden. Somit haben die Hauptvermieter keinen unnötigen Mehraufwand.

Bei bestehenden Wohnungspreisen ist aber abzuwägen für wen diese Flächen bereitgestellt werden. Kann sich der Mittelstand (für die diese Flächen gebraucht werden) diese auch leisten, um einen fruchtvollen Lebensstandard aufrecht zu halten? Ist dies der richtige Weg, um an mehr Wohnfläche zu kommen oder mehr ein Umweg? Wird hier die Privatgesellschaft auf ihr Recht beharren – denn niemand muss die Wohnungen freigeben – oder ist dies Anregung zum Umdenken. Ein Denken das mehr inkludiert als exkludiert.

Thomas Gschoßmann, Studierender am Mozarteum Salzburg

Bild: privat

4 Kommentare zu “Die überfüllte Stadt von unbewohnten!

  1. Der Beitrag ist überaus informativ und bietet klare Zahlen und Pläne der Salzburger Stadtverwaltung. Gleichzeitig bietet er einen Denkanstoß und beschreibt ein absehbares Problem, das der plan mit sich bringt. Der Autor bleibt dabei unparteiisch und bietet durch die Kommentarfunktion direkt Platz für Gedanken und Meinungen.

    Aus sozial- und klimapolitischer Sicht betrachtet, wäre das Vermieten der leerstehenden Flächen selbstverständlich der „richtige Weg. Unabhängig von den späteren Mietern hätte das Unterfangen auch den Nebeneffekt, die Innenstadt zu besiedeln, aufleben zu lassen und die Wirtschaft innerhalb der Stadt weiter anzukurbeln. Allerdings würden die zugezogenen Personen simultan ja auch von einem anderen Ort wegziehen, was dort in weniger wirtschaftlich verarbeitbarem Humankapital resultieren würde.

    Eine weitere große Frage ist die der Mietpreise/ des zugezogenen Klientels. Wo würden die neuen Menschen beispielsweise Arbeiten? Wie würden sie sich fortbewegen? Bei berufstätigen Personen um die 40 kann man etwa leicht davon ausgehen, dass sie etwas dezentriert aus der Salzburger Stadt heraus arbeiten. Diese Menschen hätten natürlich auch ein Recht darauf, Autos zu besitzen. Aber wo parken diese Autos? Und wo würden sie fahren, sind die Straßen der Stadt doch momentan zu rush-hour Zeiten heillos überlastet. Während man Studenten und einkommensschwache Familien mit hohen Mietpreisen fernhalten kann, funktioniert das anders herum nicht damit, einkommensstarke Menschen fernzuhalten. Bräuchte es also ein Konzept, durch das die Besetzung nach Einkommen geregelt wäre?

    Auch die Frage bleibt, ob die zusätzlichen Personen überhaupt in der Stadt sein sollen. Vor Coronazeiten gab es am Domplatz oder in der Getreidegasse etwa schon kein Durchkommen, aufgrund der Touristenmassen, die für Salzburg einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellen.

    Zusätzlich kommt mit jungen, studierenden Mietern auch oft ein Denken, das sich von dem der konservativen Stadtregierung abhebt. Stammtische, politische Organisation, Künstlergruppen etc. – möchte die Regierung das in der Innenstadt, welche doch eigentlich so bleiben soll wie sie ist?
    Wäre Salzburg bereit für das Innovationspotenzial, das eine ganz stark maßgeblich studentische Altstadt bringen würde?

    Und wie der Autor des Textes oben schon angesprochen hat: sind die Wohnungsbesitzer überhaupt bereit, ihre Wohnungen aufzugeben? In der jetzigen Zeit, in der viele Inflation fürchten und sich in Gütern wie Immobilien und Gold absichern wollen, während der Wohnungspreis in Salzburg Wellen schlägt, ist dies zu bezweifeln.

    Dies sind nur einige Gedanken zu der Problematik der leerstehenden Wohnungen in Salzburg. Meine Meinung ist, dass der Raum für die Studenten freigegeben werden sollte, dass Platz für Innovation sein dürfen sollte, dass Salzburg durch die junge Belebung der Innenstadt einen großen Sprung hin zur Lebensqualität ihrer Bewohner und Arbeiter machen könnte.

  2. Auf den ersten Blick hören sich diese Zahlen viel an. Ich stelle mir aber die Frage, ob die leerstehenden Wohnungen überhaupt das Problem lösen können. Als Hauptproblem sehe ich in Salzburg leistbares Wohnen / Mieten. Ist das in den angesprochenen Wohnungen überhaupt möglich? Der Großteil der Altbauwohnungen ist sanierungsbedürftig. Schlechte Isolierung und alte Fenster sorgen für hohe Heizkosten. Ein Umbau, der beispielsweise für Barrierefreiheit sorgt, ist so gut wie unmöglich, wenn man die ganzen Auflagen und Richtlinien berücksichtigt, die für eine Vermietung notwendig sind. Eine Sanierung würde zudem den Wert steigern und zu einem Preisanstieg führen, was das Mieten erst recht wieder unleistbar für manche Leute machen würde. Das alles wären aber Grundvorraussetzungen für eine Vermietung. Diesen Aufwand nehmen nur wenige Eigentümer*innen in Kauf. Da der Wert für das Eigentum der Anleger*innen / Erben ohnedies steigt. Als Ferienwohnung reicht der derzeitige Wohnstandard den meisten auch vollkommen aus. Eine angekündigte Leerstandsabgabe seitens des Landes wird das Problem auch nicht lösen können. Demnach sollen jährlich maximal 1.000,00 Euro für 100 Quadratmeter Wohnfläche abzugeben sein.
    Diese Abgabe ist meines Erachtens nichts weiter als eine Verhöhnung der Bevölkerung. Die Immobilienpreise sind in Österreich von 2015 bis 2021 im Durchschnitt um 36 Prozent gestiegen. Laut dem Immobilienpreisspiegel 2020 der WKO ist in Salzburg von 2019 bis 2020 der Preis gebrauchter Eigentumswohnungen durchschnittlich um 5,47 Prozent gestiegen.
    Kann Neubau die Lösung sein? In Salzburg wurden 2021 laut WKO 1.900 Wohnungen errichtet. Es scheint jedoch der Höhepunkt der Baubewegung zu sein, denn für 2022 sind nur mehr 1.500 Wohnungen in Planung. Langfristig gesehen, muss sich die Stadtregierung in Salzburg in Bezug auf das Wohnen auf alle Fälle eine Lösung überlegen. Ob hier die Leerstände dazu beitragen können, ist eine andere Frage. Die Leerstandsabgabe ist meines Erachtens in diesem Ausmaß keine adäquate.

    K.Klinger, 11.02.2022

    Für informationen zur Preisentwicklung habe ich einen Link der Österreichischen Nationalbank angehängt. Zugriff unter: https://www.oenb.at/Statistik/Standardisierte-Tabellen/Preise-Wettbewerbsfaehigkeit/Sektorale-Preisentwicklung/immobilienpreisindex.html. Letzter Zugriff am 08.02.2022.
    Der oben genannte Beitrag aus den SALZBURGER NACHRICHTEN zum Weiterlesen. Zugriff unter: https://www.sn.at/salzburg/politik/salzburger-landesregierung-schickt-leerstandsabgabe-in-begutachtung-115735417. Letzter Zugriff am 08.02.2022.
    Einen weiteren Bericht bezüglich Bauentwicklung der SALZBURGER NACHRICHTEN habe ich angehängt. Zugriff unter: https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/studie-zeigt-2021-ist-ein-boomjahr-in-sachen-wohnbau-103644040. Letzter Zugriff am 08.02.2022.

  3. Ich selbst wohne in der Altstadt von Salzburg (nähe Mirabellplatz) und habe mich durch den bloßen Blick durch mein Zimmerfenster schon oft auf meine Art mit der Situation von leerstehenden Nutzflächen in der Stadt auseinandergesetzt. Das Haus gegenüber meiner Wohnung ist von außen betrachtet ein leerstehendes Büro- und Wohngebäude und fällt somit unter die im Artikel erwähnte Fläche. Die Argumente für die Wiedernutzung und die dadurch entstehenden Problematiken, wie beispielsweise die bereits bestehenden Wohnungspreise, der Parkplatzmangel oder auch die dadurch mögliche Überfüllung der Innenstadt wurden bereits in den vorhandenen Kommentaren eindrucksvoll beleuchtet.

    Ich möchte jedoch zudem auf meine eigenen Empfindungen eingehen, die in diesem Zusammenhang subjektiv und vielleicht trivial scheinen. Für mich ist dieses mir gegenüberliegende Haus an erster Stelle ein Symbol der Einsamkeit in der belebten Stadt. Vor allem während den verschiedenen Lockdowns war mein einziger „Kontakt“ nach draußen der Blick auf dieses verlassene und etwas heruntergekommene Haus. Das verstärkte des Öfteren mein bereits bestehendes Gefühl der Einsamkeit, da hinter den Mauern kein Leben zu erahnen war. Doch genau dieses (soziale) Leben gibt in jenen Zeiten Hoffnung, was ich auf meinen Spaziergängen durch die Stadt bemerkte. Zwar waren wenige Personen anzutreffen, jedoch bereiteten mir vor Allem die Lichter in den verschiedenen Wohnhäusern/Wohnungen einen Einblick in die somit erscheinenden „Lebenswelten“ der unterschiedlichsten Menschen. Daraus resultierte ein Gefühl der Sicherheit und des weniger-alleine-seins. Um mich mit diesem Gefühl auch künstlerisch auseinanderzusetzen, fotografier(t)e ich in Momenten der Einsamkeit das mir gegenüber gelegene Haus und im Kontrast dazu (meistens abends/nachts) Häuser, die mir durch ihre beleuchteten Fenster ins Auge stachen/stechen und mir somit ein gegenteiliges Gefühl vermitteln.

    Die Stadt lebt und wird gestaltet von und durch die Menschen, die in ihr leben. Hierdurch ergibt sich meine persönliche Definition, die Stadt als das von maxRieder statuierte „soziale Kunstwerk“ zu sehen.

  4. Leistbarer Wohnraum wird immer knapper. Das betrifft vor allem die jüngeren Generationen.
    Wohnungen und Wohnflächen werden nicht mehr als Lebensraum, sondern als Wertanlagen und Investitionen. Immobilien werden erworben und stehen dann ewig leer.

    Ein Grund dafür können, wie oben erwähnt, die Vermieterinnen und Vermieter sein, die keine zusätzliche Arbeit mit ihrer Wohnung haben wollen. Andere Besitzerinnen und Besitzer, die ihre Wohnungen ausschließlich als Geldanlage betrachten, haben vielleicht gar nicht die Absicht, diese zu vermieten, da das einen Wertverlust herbeiführen könnte. Andere haben eventuell das Bedürfnis, sich ihre überschüssige Wohnung als Feriendomizil zur Verfügung zu halten.

    Was auch immer der Grund dafür sein mag, dass eine Wohnung leer steht. Fakt ist, jeder verfügbare Wohnraum sollte genutzt werden. Anstatt immer neue Wohnbauten zu planen, die zur Bodenversiegelung beitragen und Unmengen an Geldern verschlingen, sollte man mit dem Arbeiten, was schon vorhanden ist.

    Wohnraum sollte nicht ungenutzt bleiben und deshalb finde ich das Konzept, leerstehende Wohnungen von der Stadt verwalten zu lassen, ganz gut. Natürlich muss so ein Vorhaben gut geplant sein und danach auch souverän ausgeführt werden, aber in der Theorie hat es meiner Meinung nach definitiv Potential. Wohnungsbesitzer, die sich den Aufwand des Vermietens nicht zutrauen oder antun wollen, könnten so ihre Verantwortung weitergeben und die Wohnflächen in ihrem Besitz nutzbar machen.

    Wahrscheinlich ist dieses Konzept nur ein Tropfen auf den heißen Stein und wird kaum langfristige Wirkung zeigen, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall Wert.

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