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Blick vom Kapuzinerberg auf die Altstadt mit Festung Hohensalzburg (invertiert) Foto Salzburg Tourismus

„Die Geister die ich rief, werde ich nicht mehr los“

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Gerhard Sailer, Heinz Lang – STELLUNGNAHME ZUM ICOMOS REPORT DER ADVISORY MISSION ZUR WELTERBESTÄTTE HISTORISCHE ALTSTADT VON SALZBURG (ÖSTERREICH, C 784) VOM 2. BIS 3. APRIL 2013

Bei ICOMOS handelt es sich um einen Verein zur Verhinderung zeitgenössischer Architektur. Dies geht eindeutig aus dem „advisory mission report“ hervor, der an keinem der erwähnten zeitgenössischen und teilweise ausgezeichneten Bauten ein gutes Haar lässt: Innsbruck war – zwar befähigt – aber klug genug, die Verleihung des Etiketts „Weltkulturerbe“ nicht anzunehmen.

MÄNGEL IM ICOMOS REPORT
Der ICOMOS-Report weist eine Unzahl von Fehlern auf. Er ist nicht schlüssig und entspricht nicht dem Stand der Wissenschaft. Er geht von gänzlich falsch angewandten Begrifflichkeiten aus, was die Erhaltungswürdigkeit einer Stadt anbelangt. In diesem Sinne stellt er sogar eine Gefahr für das, was das Echte und Erhaltenswerte an Salzburg ausmacht, dar. Der Bewahrungsgedanke nach ICOMOS baut auf dem Begriffspaar der Authentizität und der Integrität auf und schreibt beides der Kernzone Altstadt, nicht aber den sie umgebenden Stadtteilen und der Neustadt zu
.
Authentizität
Der Begriff einer fest geschriebenen Authentizität gepaart mit zu erhaltender Integrität (richtig wäre weiter zu entwickelnder Integrität) ist auf den Stadtkörper einer mitteleuropäischen Stadt nur bedingt anwendbar, da eine solche Stadt in einer ständigen Entwicklung und Veränderung begriffen ist. Ein anschauliches Beispiel für das „Unechte“ an Salzburg ist Mozarts Wohnhaus am Makartplatz, welches mit modernen Baumaterialien und Bauweisen errichtet wurde und somit nicht einmal eine Stilkopie darstellt. Es hat mit dem ursprünglichen Haus nur eine äußere Ähnlichkeit gemeinsam. Man könnte bei ungenauem Hinsehen versucht sein zu sagen, dass es eine ähnliche Erscheinung, wie das Original hat. Es ist aber genau so wenig authentisch, wie eine noch so gut gemachte Fälschung der Mona Lisa. Der moderne Neubau soll den Anschein erwecken, dass er Mozarts Wohnhaus gewesen sei. Richtig ist, dass dort über viele Jahrzehnte ein gänzlich anderes Haus gestanden ist. Die eigentliche Lüge ist also nicht der Nachbau, sondern die Behauptung, dass es sich dabei um Mozarts Wohnhaus handle. Mozart hat in diesem Neubau aber nie gewohnt. Kein einziges Korn dieses Hauses wurde von ihm je berührt, er hat es niemals gesehen und auch nie betreten. Somit ist das neue „Mozarts Wohnhaus“ historisch betrachtet nicht authentisch, also nicht echt, es fehlt ihm die Integrität. Es kann nicht als Original bewertet werden. Dennoch scheint es im ICOMOS Bericht nicht als Gefährdung für Salzburg als Weltkulturstätte auf.

Ähnlich aber weniger dramatisch verhält es sich mit dem AVA-Hof, dem wieder aufgebauten Haus am Platzl und den unzähligen, anpasslerischen Wiederaufbauten in der Schutzzone I nach dem Zweiten Weltkrieg. Gerade im Zweiten Weltkrieg sind unwiederbringliche Zerstörungen passiert, welche durch angleichlerische Wiederaufbauten ein ursprünglich vorhandenes Bild der Altstadt vorzutäuschen versuchen. Alles potemkinsche Objekte in der innersten Schutzzone und dennoch kein Problem für ein Weltkulturerbe?

Die Beispiele sollten darlegen, dass sich Authentizität und Integrität immer nur bruchstückhaft und schichtenweise finden. So gesehen lässt sich, auf den Städtebau angewandt, Integrität auf der Basis von Authentizität vermutlich eher in der Vorstadt als in der Altstadt wieder finden, da diese aus weniger Schichten besteht und sie im Sinne einer Reinheit eindeutiger lesbar ist. Aber eben auf einem anderen baukünstlerischen Niveau, so wie Lehen mit vielen Wohnbauten, auch großformatigen, und einem echten, nicht von Tourismus getriebenen Stadtleben – authentisch eben. Gerade deshalb hat sich die Stadtplanung in den letzten drei Dekaden, seit Einführung des Gestaltungsbeirats und vor allem unter Johann Padutsch bemüht, die Altstadt zu bewahren, sie in ihrer Wohnfunktion zu stärken, sodass sie nicht in den Abendstunden wie ausgestorben wirkt. Die Schwäche des Altstadtschutzes lag in der Hinopferung der lukrativen Getreidegasse an internationale Labels. So gingen lieb gewordene, wichtige Elemente und Funktionen des Alltagslebens verloren, erwähnt sei in der Kürze nur die „Wiener Bäckerei“ neben Mozarts Geburtshaus.

Neben der Stärkung der Echtheit der Altstadt war ein erklärtes Ziel der Stadtplanung und Politik, diese mit der Vorstadt stärker zu verknüpfen, gegen den Speckgürtel anzukämpfen, den Entwicklungskorridor Ignaz-Harrer-Straße auszurufen, Lehen eine Neue Mitte zu geben. Behutsam und gewissenhaft vorbereitete Wettbewerbe auf Basis fundierter Analysen haben zu weithin anerkannten Ergebnissen der Umsetzung geführt. Dennoch wird Lehen im ICOMOS Bericht nur mit einem Halbsatz gestreift:

Zitat Seite 18:„Stadtviertel wie zum Beispiel Lehen sind bereits mit Betonstrukturen bedeckt, ……“

Dass das „Raum:Werk:Lehen“ bestehend aus „Neue Mitte Lehen“, „@fallenhauser“ „Parklife“ und „StadtwerkLehen“ als zentraler Teil des durch die Stadtplanung ausgerufenen Stadtentwicklungsprojektes „Entwicklungskorridors Ignaz-Harrer-Straße“ unter dem Vorsitz von Architekt David Chipperfield mit dem Otto-Wagner-Städtebaupreis 2005 ausgezeichnet wurde, wird von ICOMOS gänzlich ignoriert.

Insofern ist die Behauptung, dass es sich bei der Salzburger Altstadt um eine unversehrte kirchliche Residenzstadt mit Authentizität handle, falsch. Ebenso falsch ist der Ansatz von ICOMOS, die Gefährdung eines Verlustes von Authentizität für die Altstadt falschen Entwicklungen in den umgebenden Stadtteilen zuzuschreiben. Das Gegenteil ist der Fall. Je attraktiver diese lange Jahre missachteten und unterversorgten Stadtteile werden, umso geringer wird der ökonomische Druck auf die Altsstadt, all das leisten zu müssen, was Salzburg lebenswert macht und in seinem Wert erhält.

Gefährlich für Salzburg und für das Zusammenleben der Bewohner ist die durch manche Medien und einige Fanatiker betriebene Polarisierung in Wertvolles und Unwertes. Die Etikettierung „Weltkulturerbe“ für die Stadt Salzburg ist nur unter Anerkenntnis ihrer kontinuierlichen Entwicklung zu sehen, zu akzeptieren und zu verwenden. Authentisch ist Salzburg somit nur im Hinblick auf seine aktuelle Seinsweise durch seine Übereinstimmung mit sich selbst und seinem Werden, jetzt und künftig. Man kann eine Stadt nicht wie ein Denkmal betrachten. Weltkulturerbestatus hat nur dann einen Sinn, wenn man den Begriff ganzheitlich anwendet, samt Moderne, Postmoderne, Jetztzeit, bis hin zu den sich abzeichnenden notwendigen baukünstlerischen Strömungen. Es ist unstatthaft, diesen für das Weiterkommen einer Stadt essentiellen Themen auszuweichen und dafür in autoritärer Weise absolute Vorgaben zu machen, welche allesamt die weit entwickelten Qualitätssicherungsinstrumentarien außer Kraft setzen wollen.

Daher untergräbt das durch ICOMOS verordnete Einfrieren-Wollen eines noch dazu vergangenen Zustandes das Wesen, das Prinzip und die Lebensfähigkeit einer Stadt. Ginge es nach ICOMOS, hätte Salzburg nie entstehen dürfen, da ja ursprünglich das Authentische der Naturlandschaft zu erhalten gewesen wäre. Die Festung hätte nie errichtet werden dürfen. Erzbischof Wolf-Dietrich hätte niemals die Bürgerhäuser zur Schaffung von Plätzen abreißen dürfen, usw..
Alles, was ICOMOS in seinem Bericht anführt, greift somit zu kurz. Im Übrigen wird das Erscheinungsbild der Stadt weniger vom Dom oder vom Kloster Nonnberg bestimmt, als vielmehr von der über allem thronenden und wahrlich nicht zimperlichen Festung Hohensalzburg. Sie gilt als Wahrzeichen der Stadt. Somit wird die barocke Stadt dramatisch und augenscheinlich von einer anderen Epoche dominiert. In diesem Zusammenhang ist die auf Seite 15 unter dem Stichwirt „Authentizität“ getroffene Aussage geradezu absurd:

Zitat: „Der Stadt gelang es, seine (?) historische Bausubstanz und das Stadtgefüge zu erhalten, obwohl sie durch Neubauten, welche nicht vollkommen mit der barocken Form harmonieren, gefährdet ist.“

siehe Wikipedia:„Authentizität bezeichnet eine kritische Qualität von Wahrnehmungsinhalten, die den Gegensatz von Schein und Sein als Möglichkeit zu Täuschung und Fälschung voraussetzt. Als authentisch gilt ein solcher Inhalt, wenn beide Aspekte der Wahrnehmung, unmittelbarer Schein und eigentliches Sein, in Übereinstimmung befunden werden. Die Scheidung des Authentischen vom vermeintlich Echten oder Gefälschten kann als spezifisch menschliche Form der Welt- und Selbsterkenntnis gelten. Authentizität von verschiedenen aufgefundenen Artefakten (z. B. Kunstwerken, Bauteilen) bedeutet, dass der zu untersuchende Gegenstand tatsächlich von den Personen, Autoren oder Quellen stammt, von denen er zu stammen vorgibt, also weder Fälschung noch Fehlzuschreibung ist.“

Authentizität hängt also immer vom Zusammenwirken mehrerer Variablen ab. Daher ist das einäugige Hinschielen auf nur eine Stilepoche für ein Sachverständigengutachten mit den geforderten weitreichenden Konsequenzen unzulässig.

Literaturempfehlung hierzu: Wolfgang Büchel: „Architektur-Präsenz: die Prinzipien architektonischer Wirklichkeit“, 2001

Integrität
Das nach ICOMOS zu Bewahrende baut auf dem Begriff der Integrität auf. ICOMOS unterstellt, dass die historische Altstadt von Salzburg ein stimmiges Bild einer kirchlichen Residenzstadt darstelle und dass dieses Bild durch ungünstige Auswirkungen neuer Entwicklungen in der Pufferzone und der Umgebung gefährdet werde. Dieser Ansatz trifft nur dann zu, wenn man zur obersten anzustrebenden Maxime für die Stadt Salzburg den Status einer kirchlichen Residenzstadt erklärt, auch wenn inzwischen hunderte Jahre ins Land gezogen sind und wenn der Blick so verstellt ist, dass man dieses Ideal immer noch als unversehrt empfindet. Auf jeden Fall verlangt eine solche Sichtweise nach einem hohen Maß an Geschichtsausblendung. Für den unsensiblen Geist sei an die Gräuel des Zweiten Weltkrieges und seine Auswirkungen auf die Salzburger Altstadt mit einem ausgebombten Dom erinnert. Nicht zu vergessen sind die aktuellen und nachteiligen Auswirkungen und Schädigungen für die durch den Tourismus zertrampelten und ihm zuliebe verkitschten Altstadt.

An dieser negativen Entwicklung der jüngeren Zeit hat das Etikett „Weltkulturerbe“ erheblichen Anteil und leistet kräftig Vorschub, genau so wie an den steigenden Grundstückspreisen und der Unerschwinglichkeit von Wohnraum für jüngere Bewohner/Familien in der „eigenen“ Stadt.
„Salzburg das Weltkulturerbe, das barocke Kleinod am Rande der Alpen – kommen Sie, kaufen Sie ein oder kaufen Sie sich ein.“

Einer der größten Fehler des ICOMOS Berichtes ist das gänzliche Außerachtlassen dessen, was eine Stadt für ihre Bewohner ausmacht, ihr natürliches soziales Gemeinwesen, das gesunde, auf realen Werten aufbauende Wirtschaftsleben, ihre zeitgenössische kulturelle Entwicklung und nicht zuletzt der zeitgemäße Weiterbau. Eine lebendige Stadt kann – nach den Vorgaben und Maßstäben von ICOMOS – nun mal kein Weltkulturerbe sein, sehr wohl aber könnte eine verlassene Stadt dieses Etikett erhalten und müsste darüber nicht unglücklich sein. Man könnte sie am Abend absperren, damit kein Licht aus dem neuen Bad in den Park fällt (siehe Bericht EMPFEHLUNGEN S19), und am Tag könnte man sie von Touristen betreten lassen, am besten barfuss.

Der Bericht berichtet uns, dass die eindimensional auf eine Idealstadt aus dem Barock fokusierten und nach rückwärts gewandten Sichtweisen von vorrangig pensionierten und mehrheitlich beamteten ehemaligen Experten nicht den erforderlichen zeitgenössischen und auf eine bessere Zukunft bedachten Notwendigkeiten, Anstrengungen und Bemühungen für unser Gemeinwesens gerecht werden können und die Expertise keine Idee über die Komplexität einer Stadt aufweist.

Zudem sei die These gewagt, dass keiner der bemühten Kritiker im Falle einer schweren Krankheit mit den Methoden jener Epoche behandelt werden möchte, welche er für Salzburg als das Maß aller Dinge hinstellt – Das Barock und sein Aderlass.

GEFAHREN, DIE BEI UNREFLEKTIERTER ANNAHME DES ICOMOS BERICHTES AUF UNS
ZUKOMMEN UND SCHON JETZT SPÜRBAR SIND

Übergeordnete Zielsetzungen/Entwicklungsstrategien:
Eine Stadt, die sich nicht von innen heraus immer wieder erneuern kann, ist dem Niedergang geweiht oder zumindest einer hohlen Fadesse anheim gestellt. Über kurz oder lang wird so eine Stadt an Bedeutung verlieren. Es ist daher unsere Aufgabe, junge Menschen anzusprechen, ihnen Objekte zeitgenössischer Identifikation anzubieten, um sie so teilhaben zu lassen an der positiven Weiterentwicklung der Stadt. Sie können neue Perspektiven einnehmen. Daraus ergeben sich neue Horizonte, also Vorgriffe auf neue Erkenntnisse. Das große Problem selbst ernannter Architekturkritiker ist die, sich aus ihrem Wirken ergebende, Erstarrung der Stadt. Eine Stadt kann nicht dem Tourismus zuliebe eingefroren werden. Ein Prinzip der Verhinderung hält Einzug, welches durch einige wenige verfolgt wird, unterstützt durch vorrangig pensionierte Fachbeamte und scheinbar autorisiert durch den Tourismusverband,
besser gesagt „Verschönerungsverein Weltkulturerbe“.

Meinungsdiktat
Man muss leider diagnostizieren, dass hemmende Vorurteile der Halbbildung vehement zur Verhinderung einer positiven Entwicklung eingesetzt werden. Konservative Medien setzen voraus, dass niemand das Neue wünscht, sie liegen damit aber falsch. Sie treiben damit Meinungsbildung autoritär voran, blenden die Sehnsucht vieler einfach aus und merken noch nicht, dass sich ähnlich wie bei der Politikverdrossenheit auch eine Medienverdrossenheit einstellt, wo sich viele an dieser rein ökonomisch motivierten Themenerzeugung nicht mehr beteiligen wollen. Wenn Chefredakteur Perterer von abgehobenen Architekten spricht kann man ihm
nur Präpotenz der Journaille entgegenhalten. Am Beginn der lang angelegten Kampagne befragte man den „Gwandhausbesitzer“ Gössl, der selbst im immerwährenden Grünland gebaut hat, nach seiner „Expertenmeinung als Trachtenhersteller“ zu den architektonischen Belangen und Grundfragen der Stadt.

Hausgemachte Inkompetenz
Salzburg möchte die Eigenverantwortung abgeben und bettelt ICOMOS herbei. Zudem erklärt der Vorsitzende des Stadtvereins nach der Vorstellung des Bahnhofprojektes durch HALLE1:
O-Ton HR Axel Wagner: „Die Meinung eines Herrn Riepl, der von auswärts kommt, ist für uns nicht maßgeblich. Wir wissen selbst, was wir in Salzburg brauchen.“
Darauf angesprochen, dass die Vertreter von ICOMOS von Paris geschickt seien, erklärt HR Wagner, dass sie aus München kommen.

Voreingenommenheit der ICOMOS-Delegation
Arch. DI. Peter Riepl ist Vorsitzender des Gestaltungsbeirats der Stadt Salzburg. Der Gestaltungsbeirat, auf dessen Einführung vor 30 Jahren Salzburg stolz ist, wurde als zuständiges und unabhängiges Expertengremium zur Teilnahme am zweitägigen Termin nicht eingeladen und durch ICOMOS während des Besuchs in Salzburg zu den behandelten Themen nicht gehört. Dies zeigt die Voreingenommenheit der Delegation, die mangelnde Gesprächskultur und die undemokratische Grundhaltung.

Bestätigt wird diese Hermetik durch Abhaltung eines Privatissimums in der Villa Ferch. Das Setting ist bezeichnend. Die Festlegungen für die Zukunft des Rehrlplatzes wurden im privaten Kreis, im Haus der unmittelbaren Nachbarn und erklärten Gegner einer Bebauung getroffen, welche zu Fragen der Stadtentwicklung 20 Jahre keinen Beitrag geleistet haben, bis zu jenem Zeitpunkt, als unmittelbar an ihrer Grundgrenze gebaut werden sollte. Dies konterkariert die Forderung von „Rettet Salzburg“ nach offener Bürgerinformation. Diese Ignoranz dem Gestaltungsbeirat gegenüber, stellt ICOMOS kein gutes Zeugnis aus und erklärt das hohe Maß an Uninformiertheit und das geringe Niveau des Diskurses.

Die Forderungen von ICOMOS widersprechen und verhindern geradezu die Ausbildung einer eigenen Identität und einer immer wieder zu erneuernden Authentizität. Die so genannten Sachverständigen beenden ihr Denken und ihren Anspruch beim Erhalt des barocken Erbes und das ist zu wenig. Würden wir deren Haltung und den damit einhergehenden fehlenden Qualitätsanspruch auf andere essentielle Disziplinen unseres Sozialwesens und Gemeinwohls übertragen, dann müssten wir noch mit der Kutsche fahren und unsere Eltern mit „Sie“ ansprechen.

ANMERKUNGEN ZU DEN AUSFÜHRUNGEN ZU EINZELNEN PROJEKTEN

Projekt “Wohnbau City Life”, Rehrl Platz
Auf Seite 12f wird angeführt, Zitat:„Das Projekt (Architekten Storch Ehlers Partners GbR), welches aus einem internationalen Wettbewerb hervorging, widerspricht in seiner jetzigen Form nicht nur dem Altstadterhaltungsgesetz, es läuft auch den Emotionen der Salzburger Bürger zuwider, die sich mit dieser Stadt identifizieren.“

Dies stellt eine unbewiesene und unrichtige Behauptung dar, da der Anschein erweckt wird, dass die Salzburger Bürger insgesamt und – abgeschwächt betrachtet – mit einer Mehrheit emotional gegen das Projekt eingestellt wären. Wenn man aber bedenkt, dass die herbeizitierten 25.000 Unterschriften gegen das Projekt zusammengeschwindelt wurden, sieht diese unwahre Behauptung schon anders aus. Es gibt Beweise und persönliche Berichte, dass Studenten an deutschen Universitäten über die neuen Medien veranlasst wurden, zuhauf gegen das Projekt zu unterschreiben, ohne den Bauplatz je gesehen zu haben. Beim Stand der Gegeninitiative in der Getreidegasse konnte sich jeder überzeugen, dass massenhaft Touristen unterschrieben haben. Zugleich wird unterstellt, dass jene, die für das Projekt sind, sich nicht mit dieser Stadt identifizieren würden.

Für die Überarbeitung wird gleich ein Rezept, mitgeliefert. Dieses lautet:Zitat Seite 13f:„….um den außergewöhnlichen universellen Wert der Weltkulturerbestätte nicht in Gefahr zu bringen, empfiehlt die Advisory Mission, die störende Höhe des Projektes an der gesamten Länge zu verringern, indem auf das fünfte Obergeschoss verzichtet wird, die Struktur in zwei oder drei (Anm.: wie unentschlossen!) definierte Einzelkörper gegliedert wird und sich die Gestaltung der Fassaden und Fenster an die vor Ort zu anzutreffenden Formaten annähert.“ (Anm.: Wie meinen Sie???!)

Sind damit die Fenster des Unfallkrankenhauses, der Tankstelle, der eingeschossigen Ladenzeile, des runden Sparkassengebäudes, der Gebäude am Brückenkopf oder der mittelalterlichen Häuser an der Arenbergstraße gemeint? Geht es noch unpräziser?!

Insofern kommt dem Bericht auch in diesem Teil nicht der Status einer Expertise zu, von einem Sachverständigengutachten kann also nicht gesprochen werden.

Unipark Nonntal
Das mehr als gelungene und mehrfach für die städtebauliche Glanzleistung, seine herausragende Architektur und die exzellente landschaftliche Einbindung prämierte neue Universitätsgebäude im Nonntal wird lapidar und herabwürdigend wie folgt beschrieben:

Zitat Seite 17f:„In der Pufferzone und weit über die Zonen I und II hinaus gibt es mehr als genug strittige Punkte: von der Festung am Mönchsberg lässt sich die dramatisch zunehmende Zersiedelung der Umgebung Salzburgs, gut erkennen. Es scheint den Gemeinden und der Republik Österreich schwer zu fallen, diese Zerstörung der Landschaft unter Kontrolle zu bringen, sogar wenn es sich um Neubauten wie die Universität direkt unterhalb des Mönchsbergs handelt, die nun Nonntal belagert. Sie scheinen von Fall zu Fall, ohne ein allgemein gültiges Konzept zur Stadtplanung, zu entscheiden“.

Die Wortwahl der Beschreibung entstammt eher der Feder eines Militaristen als der eines Historikers und ist ein Affront gegen die Republik Österreich und eine Beleidigung gegenüber den Bemühungen der Stadtgemeinde Salzburg. Über die Projektfindung durch ein mehrstufiges Wettbewerbsverfahren mit qualitätsvoller Jurierung scheint ICOMOS nicht informiert zu sein.

Projekt „perron“ Rainerstraße/Bahnhofsvorplatz:
Unter dem Abschnitt „ 4. Empfehlungen“ (Seite 18f) ist als einziger Satz zum Projekt „perron“ am Bahnhof angeführt:
Zitat Seite 19:„Wesentliche Reduzierung der Gebäudehöhe, sodass die dominante Rolle des Doms und des Stiftes Nonnberg im Stadtbild nicht gefährdet wird.“

Dass diese Gefahr nicht besteht, konnte durch die Sichtachsenstudien belegt werden. Daher liegt kein Grund vor, von den Empfehlungen des Gestaltungsbeirats und den Festlegungen des Bebauungsplans der Aufbaustufe abzugehen. Fälschlicherweise wird das Gesamtprojekt „perron“ als Hochhausprojekt bezeichnet, obwohl es aus einem Hochhaus und einem Langhaus besteht.

Istsituation:
Das Hotel Europa ist sehr manifest. Es determiniert durch seine Volumetrie und ist zugleich zeitlich etikettiert und punziert. Es hat durch die Umgestaltung und den Liftzubau seine ursprüngliche Überzeugungskraft merklich eingebüßt. Das Restaurant im letzten Geschoß ist durch eine missratene Ausstattung leider kein Anziehungspunkt mehr. Das Gebäude hat viel von seiner ursprünglichen Brillanz eingebüßt. Diese und viele andere Aspekte begünstigen nicht mehr die Aufrechterhaltung seiner Alleinstellungsposition. Es bietet der Stadt seine Breitseite.
Jeder, der sich mit der Frage der Weiterentwicklung am Bahnhofsplatz beschäftigt, ist angehalten, sich vom Mönchsberg aus ein eindrucksvolles Bild zu machen. Unterhalb der Villa Mirca von Arch. Haertl, beim Schloss Mönchstein bietet sich eine vorzügliche Möglichkeit zu imaginieren, wie städtebaulich leistungsfähig und architektonisch wertvoll die Ergänzung der in die Jahre gekommenen Scheibe der Moderne durch den schmalen neuen Hotelturm ist. Auch der Laie kann feststellen, dass eine devote Unterordnung und die von ICOMOS und einigen Fachpensionisten geforderte Duckmauserhaltung weder dem Hotel Europa, noch dem Auftritt der Stadt gut tut.
Worin die Angst besteht, ein gleich hohes, wesentlich schlankeres und attraktiveres Gebäude als das Hotel Europa zu errichten, ist nicht nachvollziehbar, da das Sichtachsenbild längst durch den im Vordergrund stehenden, 70 m hohen Turm des Heizkraftwerkschlots dominiert wird.
Vielmehr ist von hier spürbar, wie wichtig ein frisches, lebensbejahendes und überzeugendes Zeitdokument mit Eleganz und Überzeugungskraft dem ausgebombten Wiederaufbauquartier und seiner verbesserten Einbindung in die Gesamtstadt gut tut.
Es sind also gerade die Sichtachsen, die für eine Realisierung gemäß Empfehlung des Gestaltungsbeirats und neu aufgelegtem Bebauungsplans der Aufbaustufe sprechen.

Das Neue
Sehr wichtig ist der Ansatz, den neuen Turm zumindest gleich hoch zu gestalten, wie das Hotel Europa. Besser wären zwei Geschosse mehr, da dies dem baukünstlerischen Anspruch des Hotel Europa als Zeitdokument der Klassischen Moderne besser entspräche, als eine unterordnende Demutshaltung, so als dürften Kinder nie aus dem Schatten der Eltern treten. Auf Basis von Modellstudien, Höhenstudien und Sichtachsenstudien wurde eine moderate Festlegung auf Augenhöhe getroffen.
Dadurch wird das Hotel Europa nicht konterkariert sondern aus seiner Alleinstellung heraus ganz selbstverständlich eingebunden in eine neue dialektische Beziehung mit den es umgebenden Bauten und städtischen Räumen. Die Auflösung der Determination und eines Verharrens in einem 50er Jahre-Klischee ist der wesentliche baukünstlerische Aspekt gegen eine Erstarrung am Ort.
Eine durchlaufende 2-geschossige, transparent verglaste Sockelzone mit Freitreppenverbindung zum höher gelegenen Bahnsteig und der boulevardartige, mit Bäumen rhythmisierte Gehsteig entlang der Rainerstraße tragen zur urbanen atmosphärischen Aufwertung der wichtigen Wegverbindung von und zum Bahnhof bei.
Der Respekt vor dem Wert des Vorhandenen und der Stadt und der daraus abzuleitende hohe Anspruch an die gestalterische Durchbildung der beiden Gebäude, sowohl im Inneren als auch in der Außenerscheinung, sind zentrale Anliegen des Entwurfs und machen Turm und Langhaus zu Botschaftsträgern
des notwendigen Impulses für die qualitative Aufwerung des Bahnhofsviertels als Entree zur Stadt.

Der Ausdruck des Gebäudes:
Der neue Turm und sein Langhaus stellen ein zum Hotel Europa komplementäres Stück Architektur dar. Sie stehen für Anmut, Selbstbewusstsein, Körperlichkeit und Transzendenz zugleich. Während das Hotel Europa ein Symbol für eine vergangene Epoche darstellt, strebt der Neubau nach qualitätsvoller Veränderung der stadträumlichen Atmosphäre auf Niveau der Passanten aber auch als Zeichen in die Umgebung. Insofern unterscheidet sich der neue Turm in zweierlei Hinsicht vom Hotel Europa. Einmal als Objekt um 90 Grad verdreht, also als schlanke Scheibe, aber mit der Schmalseite zur Stadt. Und das andere Mal gestisch: Während das Hotel Europa massive, verputzte Außenwände mit Bandfenstern auf der Stadtseite und liegende, in das Mauerwerk geschnittene versetzte Fenstern auf der Bahnhofsseite aufweist, lässt der neue Hotelturm die Konstruktion durchschimmern und ist in ein elegantes, transparentes Kleid gehüllt. Die guten Proportionen, seine Schlankheit, das Atmende des Gebäudes sind Merkmale, die als wichtige Bereicherung des Ortes verstanden werden können. Der attraktive neue Bahnhof erfährt in seinem Vorfeld eine zusätzliche qualitative Aufwertung in einer gänzlich unaufgeregten Art, die nicht nur den ganzen Platz miteinbezieht, sondern auch für die Sichtachsen aus der Ferne Zeugnis eines aufgewerteten, bisher nicht hoch entwickelten Stadtteils darstellt, in dem es zu viele Gebäude lieblos gestalteter Gebrauchsarchitektur gibt.

Wichtig ist, dass der neue Turm in der Fernwirkung nicht vom Hotel Europa aufgesogen wird, sondern in der Lage ist, trotz aller Eingebundenheit eine Eigenbrillanz zu entwickeln. Bei der Annäherung auf der Fußgängerebene hat der höhere Turm beträchtliche Vorteile. Das Haus wirkt schlanker, markanter, einprägsamer. Es huldigt nicht das Hotel Europa und ist in seinem Auftritt befreit. Der Turm ist kohärent, vom städtebaulichen Ansatz bis zum Detail.

Das Haus als Vermittler
Die beiden dicht stehenden Einzelgebäude, das Langhaus als Element der unmittelbaren Umgebung und der Hotelturm als Bote in die Ferne stellen Katalysatoren dar: Bekenntnis zur verdichteten Stadt – gegen die Entflechtung der städtischen Funktionen. Wird das neue Haus niedriger als das Hotel Europa gestaltet, kann es nur mehr schwer bis kaum Botschaftsträger dieser erneuerten und auf der vielfältigen Tradition Salzburgs aufbauenden Sichtweise sein. Es würde zu einem Epigonen der Moderne.

Gestaltungsbeirat/Stadtplanung:
Der Diskurs mit dem Gestaltungsbeirat im Zuge der Projektentwicklung war äußerst befruchtend.
Der Erstentwurf auf Basis des Bebauungsplanes der Grundstufe wurde in Abstimmung mit dem Beirat und der Stadtplanung kontinuierlich weiterentwickelt. Die Freistellung des Turms durch geringfügiges Abrücken vom Langhaus war eine wichtige Anregung, um ihm mehr Prägnanz zu verleihen.
Die Variantenüberprüfung am Umgebungsmodell zeigte, dass eine Angleichung an die Höhe des Hotel Europa zu einer verbesserten städtebaulichen Lösung und Klärung im Bahnhofsviertel verhilft.
Derzeit erfolgt die Festlegung der endgültigen Durchbildung der geforderten hohen Qualität der Fassade und der Details. Dies wird dem Beirat an Hand eines 1:1 Models vor Ort vorgestellt werden. Die Stadtplanung hat langfristig eine sehr gute Alltagstauglichkeit und einen hohen Gebrauchswert der Fußgänger und Radfahrerebene entwickelt und in das Projekt implementiert. Acht Monate Entwicklungszeit und mehrere Beiratsbegutachtungen wurden ausschließlich der Auslotung der richtigen Höhe, der Proportionen und Fassadenlösung in Entsprechung zur inneren Strukturierung gewidmet
Der Vorgang ist ein Musterbeispiel an Sachverstand und Wert eines beratenden Expertengremiums mit unverstelltem Blick.

Den ewigen Verhinderern sei gesagt: Eine Mehrheit wünscht sich diesen Neubau in der vorgestellten Form.
Wir erleben dies durch die unzähligen Reaktionen, die meisten sind äußerst positiv und ermutigend.

___________
Autoren:
architekturbüro HALLE 1
Arch. Dipl.-Ing. Gerhard Sailer & Arch. Dipl.-Ing. Heinz Lang
www.halle1.at

Foto: Original Salzburg Tourismus (hier Farben invertiert)

11 Kommentare zu “„Die Geister die ich rief, werde ich nicht mehr los“

  1. Hätte es im Barock ICOMOS schon gegeben, wären die „neumodernen“ Interventionen mitten im mittelalterlichen Salzburg nie möglich gewesen. Konsequent weitergedacht müssten wir also heute noch in Höhlen leben, damit alles so bleibt, wie es einmal war… die Zivilisation aber ist ein fortschreitendes Etwas, nicht der Stillstand!

  2. ein buch lesen empfielt SAILER (?)
    keines schreiben

    noch nie war SEIN und SCHEIN soweit auseinander wie heute
    das heutige politische SEIN ruft den völlig eingerosteten und inkompetenten SCHEIN zu hilfe

    das sächliche SEIN als kind des männlichen SCHEINS jedoch lebt in einer familiären zerrüttung die in vielen salzburger „HUNDSHÜTTN“- qualitäten ablesbar ist
    diese mangelwirtschaft kann auch durch das fulminante SEIN eines SAILER nicht behoben werden können

    wissenschaftlich erwiesen ist auf alle fälle daß eine philosophische beschäftigung mit der ABSTRAKTION auf dauer den IQ erhöht
    jedoch nur auf generationen gerechnet
    also weiter fleissig SEIN damit vielleicht in der vierten generation (?) eine authentische KONGRUENZ zwischen SCHEIN und SEIN erreicht werden kann

    TIPP des tages
    SALZBURG sollte sein MATERIELLES ERBE zurücklegen und sich auf ein IMMATERIELLES ERBE – wie da sind SITTEN & GEBRÄUCHE beschränken

  3. Generell dürfte gelten:
    Architekturentwurf/Architekturwettbewerb als politischer Test und unverbindlicher Versuch?
    Architektur erbt die ungelösten Themen aus Stadtprofil und Stadtentwicklung.
    Wenn also konkrete Architekturentwürfe publik und/oder prämiert werden schlägt die Keule der unbearbeiteten Grundlagen, ungelösten Rahmenbedingungen und mangelhaften Aufklärung zu.
    Primär Stadtplanung, sekundär Objektarchitektur!
    „Learing from Salzburg“ – Stadtregierung muss einen qualifizierten Prozess der Alternativen, Szenarien, Vor- und Nachteile vorher ermöglichen und sicherstellen, dies würde Einsicht und Verständnis der Citoyen, sowie Originärität und Kontext der diskutierten Entwürfe erhöhen und verständlich machen. Die Aufgaben eines Gestaltungsbeirates sind zu überdenken.

    • Die weithin sichtbaren und erlebbaren Mängel der Salzburger Stadtplanung finden ihren Niederschlag in Wut und Betroffenheit der Bürger und kulminieren in der Ablehnung des Rehrlplatz-Projektes. 25.000 Unterschriften sind nicht zu ignorieren, eine Versachlichung und Demokratiserung der Debatte tut not. Stattdessen werden nach altbekanntem Muster auch in dem Beitrag von Sailer und Lang KritikerInnen als rückwärtsgewandte Ignoranten und Verhinderer verunglimpft und der ICOMOS-Bericht mitsamt dem Weltkulturerbe-Status in Bausch und Bogen verworfen.
      Stadtplanung und Architekten stünde es gut an, Kritikfähigkeit zu eintwickeln und den Dialog mit den BürgerInnen über Ziele und Absichten der Stadtentwicklung zu suchen. Mit entsprechender Kommunikationskultur könnte in der gegenwärtigen Krise auch eine Chance für die zukünftige Gestaltung der Stadt liegen.
      Eine Bürgerin, die seinerzeit die Architekturreform unter Johannes Voggenhuber mit großen Hoffnungen begleitet hat und die Stadtentwicklung seither mit zunehmender Sorge und großen eigenen Einbußen an Lebensqualität erlebt.

      Dr. Gertrud Frauenberger

  4. Das, was weh tut an der Sache, ist das aneinander Vorbeireden:
    Herr Sailer und Herr Lang haben durchaus Recht mit ihrer Argumentation, dass ein Museum Stadt Salzburg mit Gebäuden ohne Authentizität zu kritisieren ist.
    Doch das, was in den letzten Jahren an Neubauten in der Sterneckstraße (Wachdienst), in Lehens neuer Mitte oder am Bahnhof gezeigt wird, ist schlicht „in Beton gegossene Ideenlosigkeit“. Der Streit um die Erhaltung oder Neugestaltung des architektonischen Kleinods Salzburg entzündet sich meiner Meinung nach an der Charakterlosigkeit der Neubauten. Wenn Sailer und Lang wortreich die Vorzüge der neuen Türme am Bahnhof preisen, so sind das doch nur hohle Worthülsen. Eine Architektur, die den rechten Winkel als nahzu einziges künstlerisches Gestaltungsmittel zulässt und die glatten Fassaden preist, redet der völligen Austauschbarkeit das Wort. Solche Türme kann der Betrachter überall finden, wer sie schön findet braucht keinesfalls nach Salzburg kommen. Was Salzburgs Altstadt attraktiv macht, ist die Individualität seiner Bauten.
    Man kann auch neue Gebäude individueller gestalten als Salzburgs Architekten das in den letzten Jahren getan haben. Dazu sollte man sich etwa Shanghai ansehen. Dortige Hochhäuser haben Charakter und Individualität, obwohl man auch dort noch vieles verbessern könnte.

    • Shanghai und Salzburg zu vergleichen ist ziemlich Matt. See ich das falsch?

      • Das sehen Sie ziemlich falsch, denn es geht nicht um Stadtgröße sondern es geht um Architektur, um ästhetische Gestaltung. Inwiefern soll Ästhetik in einer Metropole anders sein als im Provinznest?

  5. Dass die Altstadt Salzburgs unangetastet bleiben muss, ist unbestritten.

    Aber eine moderne Architektur an den Ränden, vor allem die Hochhäuser im Bahnhofsviertel finde ich exzellent. Salzburg ist mM nach die einzige österreichische Stadt hinter Wien, die Aussicht auf eine gewisse Internationalität hat. Für Wachstum und Modernität, damit sich internationale Firmen ansiedeln und damit Salzburg langfristig wirklich als mitteleuropäische Stadt (=nicht „Kleinstadt“) etablieren kann, ist Aufgabe einer verantwortungsvollen Politik. Die Errichtung einer internationalen englischsprachigen Schule ist ein weiteres gutes Beispiel für derartige Ambitionen. Die Aktivitäten von Red Bull mit der Ansiedlung von Servus TV, Hangar 7 etc. kann in diesem Zusammenhang nicht genug positiv hervorgestrichen werden.

    Also: ich freue mich auf Hochhäuser in Salzburg. Dass diese so kreativ und ästhetisch ausfallen sollen, versteht sich von selbst!

  6. „In der Stadt Salzburg fühlt man sich entweder wie in einem Dorf oder wie in einem Museum.“ Der ICOMOS Bericht meißelt diese Entwicklung in Stein.
    Eine vitale Stadtentwicklung für eine pluralistische Gesellschaft sieht anders aus.
    Die Altstadt von Salzburg wird durch das Altstadterhaltungsgesetz, das Bundesdenkmalamt und durch das Weltkulturerbe geschützt. Schutzmechanismen sollten eigentlich einen lebendigen Stadtraum erhalten und ihm nicht jegliche Entwicklungsmöglichkeit berauben. Wenn so „minimale Eingriffe“ wie die im ICOMOS-Bericht erwähnten Projekte schon zu solchen Aufständen führen gibt es daher nur eine mögliche Konsequenz: Ein neues Stadtzentrum muss entwickelt werden. Und dieses sollte dann zumindest ein wenig urbanes Flair besitzen. (inkl. Hochhäuser die ihre Bezeichnung verdienen)
    Es muss der jüngeren Generation auch die Möglichkeit gegeben werden in ihrer Stadt etwas zu gestalten und zu verändern. Ich glaube nicht dass es gut für Salzburg ist, sich nur über ihre Vergangenheit zu definieren und jegliche auch nur geringste zeitgenössische städtebauliche Gestaltungsmöglichkeit schon im Keim zu ersticken.

  7. Pingback: Kontroverse „Weltkulturerbe Salzburg usw.“ (Redaktionelle Auszüge) | KooperativerRaum.at

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