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minimalist - illustration bernhard jenny

der minimalist

3 Kommentare

fritz achleitner – ein minimalist hatte seinen höhepunkt im weglassen erreicht, als er den letzten punkt, den er seit jahren immer auf eine andere stelle der weißen fläche setzte einfach wegließ. das war ein heroischer augenblick und akt der befreiung. nun hatte er endlich seine kunst ganz den interpreten überlassen, die jetzt die endlosen diskussionen über die weiße fläche zur höchsten kunst erklärten, um schließlich eine neue welt der vermutungen und deutungen zu erschließen. der minimalist lehnte sich zufrieden zurück, er hörte mit vergnügen den streitgesprächen zu, und war erstaunt über die fantastischen welten die es noch zu entdecken gab. das spiel währte so lange, bis eine fliege den gefürchteten schwarzen punkt auf der fläche hinterließ. man vermied es, diesen herrlichen punkt einen fliegenschiss zu nennen, denn, mikroskopisch betrachtet, handelte es sich nicht um einen punkt, sondern um ein kaum wahrnehmbares plastisches element, das der fläche eine neue präsenz in der dreidimensionalität erschloss. diese entdeckung warf die immer noch erhitzten diskutanten und ihre theorien wieder um jahrzehnte der kunstinterpretaion zurück. sie befürchteten zurecht, dass die fläche sich wieder auf ihre uralten funktionen besinnen könnte, was auch schließlich der fall war.

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autor:
fritz achleitner, literat, architekturhistoriker, -kritiker, em. univprof., wien

3 Kommentare zu “der minimalist

  1. Danke, danke, danke!
    Der Fliegenschiss als die Ultima Ratio, das muss einem erst einmal einfallen.

    Wer sich allerdings lange genug mit der Kulturkritik beschäftigt hat, wird bestätigen, dass es sich um den einzig möglichen Schluss handelte.

  2. Minimalismus und die Beschränkung auf das Wesentliche. Dabei verdrängt man auch, dass obwohl man viele Reichtümer hat, sich selbst immer nur auf die lebensnotwendigen Dinge konzentriert. Eine Fläche schützt, bietet Halt aber engt den Blick und manchmal auch das Gemüt ein. Sie bietet auch viele Gestaltungsmöglichkeiten aber umso weniger Fläche desto mehr Verwirrung. Wenn ich ein Bild an die Wand hänge, verändere ich den Ursprung der Wand. Versucht man die Wand zu „verschönern“ dann vereinen sich die Elemente, eine Wand ist für ein Gemälde nur ein Nutzobjekt, doch wandelt die Hängung den Blick auf das bzw. Relation zu dem Bild. Die eigenen 4 Wände sind aber etwas Persönliches, ein Spiegel der Seele, ein Wohlfühlfaktor. Alles was man tut oder auch nicht tut erzählt eine kleine Geschichte über das Selbst.

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