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Riedenburgkaserne – Die Dinge nehmen ihren Lauf

5 Kommentare

Roman Höllbacher – Am 30. Oktober 2012 haben die Bauträger gswb und UBM bekanntgegeben, dass sie um 16 Millionen Euro den Zuschlag für den Erwerb der Riedenburgkaserne erhalten haben. Der Kaufpreis für die zentral, im direkten Anschluss an die Altstadt gelegene (Schutzzone II) Liegenschaft von 33.800 qm, scheint vertretbar. Durchschnittlich kostet der Quadratmeter 473,- Euro. Doch das ist erst die halbe Miete. Denn von dieser Fläche müssen 5.000 qm als öffentlicher Grünraum und weitere 2.200 qm als öffentliche Verkehrsflächen zur Verfügung gestellt, ergo von der bebaubaren Fläche abgezogen werden. Da schaut es dann schon nicht mehr so gut aus, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Gestaltung von 5.000 qm Grünraum ja etwas kostet, dieser aber nicht verwertet werden kann. Lassen wir diesen Aspekt aber einmal außen vor und bleiben wir bei der 26.100 qm großen Fläche, die bebaut werden darf (5000 qm im Bereich an der Neutorstraße mit GFZ 1,1; der Rest mit 0,9 GFZ). Das macht eine Gesamtbruttofläche von nur noch 24.940 qm. Geht man nun von einem Brutto-Netto-Verhältnis von 0,8 aus (was ein enorm wirtschaftliches Verhältnis wäre) bleibt nur mehr eine Nettonutzfläche von 19.952 qm. Und erscheint die Rechnung plötzlich ziemlich unvorteilhaft, denn das heißt nichts anderes, als dass der Kaufpreis auf jeden Quadratmeter Nettonutzfläche nicht mir 473,- Euro, sondern fast mit dem doppelten, nämlich mit ziemlich genau 800,- Euro durchschlägt!
Entlang der Neutorstraße, wo eine höhere Dichte vielleicht sinnvoll ist, und eine gemischte Nutzung mit Büros und Geschäften vorgesehen ist, sollen auf der übrigen Fläche von 21.600 qm insgesamt 160 geförderte Wohnungen (75 % mit Miet- und der Rest mit Miet-Kauf-Wohnungen) entstehen. Einmal abgesehen davon, dass es vollkommen unbegreiflich ist, dass man das gesamte Kasernenareal mit seiner seit dem 18. Jahrhundert gewachsenen Struktur, für dieses Vorhaben platt macht, behaupte ich zweierlei (und hoffe, dass ich darin widerlegt werde):

1. Es beginnt nun das Feilschen um die GFZ, weil, verzeihen sie die tautologische Ausdrucksweise, sich das Ganze rein rechnerisch nicht rechnen kann. Österreichisch heißt das, darf´s ein bisserl mehr sein? (an Dichte, aber natürlich nur mit einem hervorragenden Projekt)

2. Außerdem wird sich niemand für die Gestaltung von 5.000 qm Grün- und 2.200 qm zusätzlicher Verkehrsflächen interessieren, und schwuppdiwupp befinden wir uns exakt dort, wo wir beim Stadtwerke-Areal gelandet sind.
Ich frage also, wenn eine solche Rechnung wie oben angestellt, mit einem Taschenrechner in zwei Minuten erledigt ist, warum reden wir noch über Städtebau oder über leistbaren Wohnraum. Innovative, zukunftsorientierte Gesellschaftsentwürfe sind damit von vornherein tabu. Im konkreten Fall hätte sich – auch im Sinne einer nachhaltigen Stadt – die zumindest teilweise Nutzung der bestehenden Gebäude angeboten. In Deutschland (z.B. in Freiburg) hat man derartige Kasernenareale selbst organisierten Baugruppen überlassen. Die Folge ist eine hohe Identifikation der BewohnerInnen mit ihrem Quartier und nicht Ablehnung und Widerstand wie wir das in Salzburg erleben. Hier redet man indessen über Einsparungen bei der Architektur der Architekten, obwohl nachweislich das Kosten ganz wo anders entstehen, wie die oben angestellte Rechnung zeigt. Die enorm hohen Grundstückskosten kann man bei der Bauweise nicht wieder hereinholen, wer das glaubt, hängt einer gefährlichen Illusion nach.
Der Prozess, wie er für das Areal der Riedenburgkaserne aufgesetzt wurde, produziert am Ende die Suche nach Schuldigen und es werden wieder die Architekten sein, auf die die Finger gerichtet werden. Sagt nicht, ihr hättet es nicht gewusst.

_______________
Autor
Roman Höllbacher

5 Kommentare zu “Riedenburgkaserne – Die Dinge nehmen ihren Lauf

  1. Danke Roman Höllbacher – hoffentlich gibt es noch irgendwen in dieser Stadt, der kompetent auf derartiges zu reagieren imstande ist.

  2. schwuppdiwupp, ein kinderreim oder eien art hoppala wie stadt durch verwaltung derzeit wohl entwickelt wird. sind dort erfüllungsgehilfen der bauträger und politischen wohnbauträger tätig oder gar als bezahlte und unbezahlte konsulenten nahmhaft. warum sorgen sich stadtplanung seit den nullerjahren nicht mehr um die stadt und ihrer bewohnere und passanten anstatt um die reisenden investoren, ein bürger-bashing sondergleichen. dies äußerst sich dann in den frühpensionierten, burngeoutet wut-bürger, der diese welt zur welt brachte, eine besondere ironie der bürgergesellschaft.
    zurück zum beitrag von roman höllbacher:
    die sorge um eine rekonversionsfläche innerhalb des städtischen gefüges scheint mehr als berechtigt, und der hinweis zum imagedesaster oder medienmanipulation am sogenannten stadtwerk in der mittelstadt salzburg mehr als mahnend. es scheinen dort massive umsetzungsdefizite und sorgfaltsdefizite in fachverwaltung gegenüber dem ausgezeichneten masterplan (ottowagnerpreis) „exekutiert“ worden, scheinbar kein quartiermanagment, keine umfeldbetreuung, kein fachlichen begleitung der bauträger, resignation und überforderung der architekten in der umsetzung, ignoranz gegenüber einer ursprünglichen freiraumplanung, die scheinbar in ein asphaltwüste mutierte, bestätigung aller vorurteile gegenüber dem „lehen“ in der stadt und vertiefende ghettoisierung trotz vielen engagements. wieso?
    war es kalkül der widerstreitenden politischen kräfte (rot=SPO:grün=bürgerliste) sich keinen erfolg für die (gemeinsame) sache stadt zuzulassen, oder nur unfähigkeit und ein bisserl unlust.
    die player – wohnbauträger könnten auch spass daran haben, dass keine stadt entsteht sondern nur der übliche siedlungss……, damit diese mit ihren „sorgsam verwalteten“ öffentlichen geldern keine zusätzlichen pflichten zur nachhaltigkeit erhalten, nämlich den stadtsockel zu beleben und lieber den toten hausverwaltungsbrei umsetzen. das ist geglückt. geglückt ist auch der schwachsinn von symbolischer darstellung eines technokratischen pufferspeichers als öffentliche skulptur, eben wie nachhaltigkeit gerne von den technokraten umgesetzt wird: mit haustechnikern ohne soziale implikationen zu berücksichtigen.

    also, auf nach riedenburg, zur nächsten technokratischen umsetzung von öffentlichen raum durch siedlungswohnbau. gibt es einen masterplanprozess? selbst wenn er dann wieder in der umsetzung negiert wird, man könnte eine auszeichnung dafür erhalten und dann richtig effizient und nachhaltig „bonjourtristesse“ spielen.

    stadtplanung quo vadis, aufersteht – ostern vorbei.

  3. Danke für den interessanten Bericht. Dadurch wird mir erst klar wie solche m² Preise in Salzburg über die letzten Jahre zustande gekommen sind.

  4. Leider steckt in diesem Beitrag viel Halbwissen und auch einiges Gar-Nicht-Wissen! Stehen dem Autor (und auch anderen) gerne für eine sachliche Debatte zum Quartier zur Verfügung, nachdem wir doch einige Jahre an diesem noch nicht einmal abgeschlossenen Projekt mitgearbeitet haben.

  5. Welches Halbwissen? Oder ja doch, man könnte im Sinne des Autors noch einiges ergänzen, wie zB, dass auf dem ganzen Kasernenareal – das nutzungsmäßig – bis ins 18. Jh. zurückgeht – kein einziges Gebäude unter Denkmalschutz steht (währenddessen zB die aus der Nazizeit stammende Rainer-Kaserne in Elsbethen unter Schutz steht). Eigenartig oder?
    Dass man nun mit dem großen Eraserhead über die Riedenburgkaserne drübschrubbt und eine tabula rasa schafft ist falsch. Ich wage die Behauptung, dass mit den Mittel des geförderten Wohnbaues dort keine vernünftige Fortschreibung der Stadt entsteht, – einem Areal, das unmittelbar an die Altstadtschutzzone heranreicht und in der Welterbe-Pufferzone liegt.

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