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Wohnbau – immerwährendes Existentielles.

8 Kommentare

maxRIEDER – Diese Agenda ist unerfüllbar. Anderseits wird unter dem Titel Wohnbau im überwiegendem Maße keine Architektur sondern blosses Bauen umgesetzt. Architektur sollte mit Milieu, Kultur und Kontexten umgehen, blosses Bauen mit Rendite, Technik und Vorschriften. Soweit zum existentiellen Hintergrund – mehrfach. Für den Wohnungssuchenden und für jenen der aus der Wohnbauaufgabe Architektur machen möchte.
Der Nutzer und der Produzent. Scheinbar, denn Wohnbauproduzent sind die alltägliche Bauindustrie mit Vorfinanzieren/Bauträger oder Wohnbau-Förderungsinstitutionen mit verspekulierten öffentlichen Geldern. Soziale, räumliche und architektonische Qualitätskriterien für Fördergelder sind eigentlich nicht auszumachen. Dafür werden technokratische Kriterien wie hochgeschraubte Energierichtlinien (Verpackung und wartungsintensive Hochtechnologie, alternative Energien) für die entsprechende Technologielobby ausgeschüttet. Wir bauen definitiv Unterbringung anstatt Leben (Wohnen und etwas mehr). Wir werden definitiv gezwungen monofunktionale Ghettos zum Sonderrabatt zu planen und nachträglich als Betonierer dargestellt. Wußten sie, dass Architekten sich seit Jahrzehnten leidend bemühen, minimale Innovation, Flexibilität, Wohnungsvielfalten,  generations- und ethnoübergreifend, Mischnutzung und Stadtleben dem Wohnbau einzuhauchen und geradezu lächerlich von den politisch und organisatorisch Verantwortlichen darüber diskutiert wird. Jede Wohnbau-Trara Ansage der letzten dreißig Jahre verlief infolge des Abwiegelns der Gemeinnützigen Bauträger ins Leere.  Man will an diesem künstlichen knapp gehaltenen Immobilienmarkt keinerlei Veränderungen, weder in der Bodenvorsorge noch im Image. Wohnbau wird trotz mancherorts engagierter Bemühungen zum überwiegenden Teil wie in den Nachkriegsjahren betrieben. Wohnbau als Siedlungsbau zerstört unsere Städte, der gemeinsame öffentliche Raum (Platz und Wiese) wird stiefmütterlich behandelt, die Wohnbaugelder stagnieren seit Jahrzehnten auf Gewerbebauniveau. Die immer wieder vorgebrachten Argumente wie: „es sei wichtiger viele günstige Wohnungen zu bauen anstatt qualitätsvolle“ oder nur größere mit mehr Freiheiten sind allseits bekannt. Wohnungsuchende dürfen nicht verschwinden, denn dann hätten einige politische Parteien keine Legitimation mehr, aber die Wohnungssuchenden eignen sich als hoffungsvolles Stimmvolk.

Wo sind die öffentlichen Wohnbaugelder auffindbar?

Wie werden öffentliche Wohnbaugelder qualifiziert und nachvollziehbar eingesetzt?

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Autor:
maxRIEDER by sepp dreissinger2009maxRIEDER
maxRIEDER.at
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8 Kommentare zu “Wohnbau – immerwährendes Existentielles.

  1. Es ist interessant, mehr über die Hintergründe des Wohnbaus zu erfahren. Das Wohnen an sich ist ein Grundzug des Seins möchte man meinen. In den massenweise produzierten Wohnsilos reicht es höchstens zum Existieren, nicht aber zum Leben, zum Mensch sein. Freilich, der Wohnungsmangel bewirkt, dass diese gigantischen teilweise mehr als 100 Parteienhäuser mit Euphorie bezogen werden. Was bleibt einem auch andres übrig in Zeiten rasant ansteigender Mieten am Privatmarkt.
    Die Konsequenz der Wohnblockmonotonie liegt auf der Hand, Aggression und Zerstörung, der Mensch entwickelt kein Eigentumsgefühl welches aber Voraussetzung für „liebevolle und dauerhafte Objektbeziehung“ notwendig ist. „Kein Platz für wilde Kinder“ nur Platz für tote Geräte und leere Zwischenräume. Durch diese Art von Wohnbau wird der Begriff Architektur leider vielerorts in den Köpfen der Menschen zu etwas Negativem. Ungerechtfertigt?

  2. Finanzierbares Wohnen ist überall zu lesen und wird versprochen, aber die Mieten steigen rasant und die Wohnungen werden bald einfach nicht mehr zum Leisten sein. Gegen den Anstieg der Mieten wird seit Jahren nichts unternommen und Salzburg ist stolz darauf, dass sie an der Spitze der Ranking sind mit den teuersten Mieten von ganz Bundesländern zu sein!
    Die Wohnungen werden schnell gebaut, aber nicht „qualitätvoll“, wie das Verwenden von Gipswänden, wo man das Husten der Nachbarn hören kann usw. Oder die Wohnblocks werden so eng gebaut, sodass man gegenüber zu den Nachbarn hineinsehen kann und jedes Wort hallt in der Siedlung. Wo bleibt die Privatsphäre?
    Alle Wohnungen sehen derzeit gleich und monoton aus, gleiche Farbe (grau -gelb, grau- rot, grau- blau), Balkon mit Glas, ähnliche Bauweise, Tiefgaragen wegen Platzmangel eng nebeneinander gereiht und meistens nur ein Sandkisten und einen Kinderrutsch für die Kinder der ganzen Siedlung… Die Wohnungsvergabe – geschieht nach langen Jahren mit Wartezeiten und tausendmaligen Gesprächen über die Bedürfnis mit oder ohne Erfolg.
    Dennoch sind solche Wohnungen gefragt und die Wohnungssuchende werden nicht weniger…

  3. Ich freue mich schon auf den Zeitpunkt an dem sich Qualität und Preis beim Wohnungsbau auch in Salzburg verbinden (das ist nämlich kein Ausschlusspaar) und auch auf den Zeitpunkt, wenn die architektonische Gestaltung von urbaner Fläche zwischen den Gebäuden in der architekturfeindlichen Landeshauptstadt ankommt. Denn nicht nur der Raum innerhalb der Gebäude, sondern auch jener dazwischen beinflussen die Wohnkultur ganz entscheidend.

  4. Was mir letztens auf den Weg zur Uni auffiel, ist das neue SCA das gerade in Begriff ist, zu entstehen. Der Europark, ein großes Kaufhaus im Bereich Kleßheim, sorgte für ein Versiegen der Kundschaft im alten SCA. Letztes Jahr wurde dieses dann abgerissen um einen größeren Bau zu weichen, dem neuen SCA. Ein Shoppingcenter im Süden Salzburgs. Es wird nach Wohnbauten gesucht, gebaut werden riesige Gewerbebauten, in denen vieles möglich ist, nur sicher nicht das Finden einer qualitativ hochwertigen Wohnung. Es würde mich interessieren, wie das direkte Umland des neuen Einkaufkomplexes gestaltet werden soll, ob es Grünflächen gibt, oder ob es nur zubetonierte, gepflasterte Ebenen gibt, auf denen kleine Pflanzinselchen den Eindruck von Natur sugerieren sollen. Wie werden die Zwischenräume gestaltet? Wenn es, wie zwischen dem Ikeagebäude und dem Europark nur eine weitläufige Plattenebene gibt, bleibt wenig Raum zum Verweilen. Das hat zwar nicht viel mit den Wohnbau zu tun, der sich an dieser Stelle allerdings hätte heutzutage befinden können, jedoch mit dem Umgang der zur Verfügung stehenden Raumresourcen. Noch ein Einkaufscentrum. Wahrscheinlich mit dem selben Angebot, wie es der Europark bereits anbietet. Da wären qualitativ hochwertige Wohnungsbauten vermutlich sinnvoller gewesen…

    • der gedanke einer funktionierenden wirtschaft, wie sie zurzeit betrieben wird, ist laut mir, nicht das sich wohlfühlen im eigenen heim. wäre dem so würden wir weniger konsumieren. wir müsssen konsumieren und die konsumgüter gepallt in ein rießigen gebäudekomplex zu stecken, macht insofern sinn, dass wir nicht einkaufen was wir brauchen sonder wir kaufen das was uns zu fehlen scheint oder was uns laut werbung fehlt. also macht es mehr sinn in ein einkaufzentrum zu investieren als in wohnbauten. was die natur betrifft, besser gesagt die grünflächen, auch die sind in einer konsumgesellschaft nicht unbedingt erforderlich, denn in einem shoppingcenter sollten wir nicht im freien verweilen, wir müssen im inneren die sachen kaufen, welche wir später dann in irgendwelchen innenräume wieder benutzen. und wenn jemand geld über hat kann dieser dann ja zum erholen in irgendeinen wellness urlaub fahren und sich dort mit lauter gestressten menschen erholen, sich beim buffet ärgern, dass die schlange zu lang ist, im schwimmbad über die kinder ärgern, den service bemängeln und üner die fahrt stöhnen. aber später zuhause jedem erzählen wie entspannt er ist, wahrscheinlich in einem caffe in eben diesen shopingcenter…..

  5. Wohnbauten, bei denen man von Außen sagen kann: „Das ist Architektur!“ wären mir soweit in Salzburg noch nicht aufgefallen. Ich würde also bestätigen, dass es sich nicht um Architektur, sondern nur um Bauten handelt. Aber ich habe bei weitem schlimmere Wohnsiedlungen zB in Oberösterreich gesehen. So steril und alles gleich und strikt, da kommt man sich im Garten vor wie in einem Krankenhaus.
    Auch „existieren“ finde ich einen guten Begriff, da sich das Leben in solchen Blockstrukturen nicht als individuell und lebhaft empfinden lässt.
    Ich würde Wert darauf legen, als Student günstig leben zu können. Hier muss ich allerdings auch beifügen, dass hohe qualität halt auch immer seinen Preis hat… Ich wüsste keine Lösung, mit der alle zufrieden sind, um Wohnbauten und deren Zwischenräume lebenswert zu integrieren.

    Den Raum zum Verweilen vermisse ich in Salzburg allerdings nicht. Ja, die Europarkumgebung ist natürlich nicht sehr einladend. Trotzdem finde ich, dass ich von jedem Standpunkt in Salzburg aus, zu einem feinen Plätzchen des Verweilens gelange, ohne weit gehen zu müssen.
    Auch muss ich sagen, dass ich die Wohnbauten gerne übersehe, da ich einfach von den alten Gebäuden und auch von den Wohnsiedlungen mit 1- bis 2-Familienhäusern optisch begeistert bin (auch wenn ich weiß, dass diese Siedlungen nicht gerade eine optimale Lösung sind, wenn man die beanspruchte Fläche berücksichtigt).

  6. „Qualität hat seinen Preis!“
    Um sich in einer Wohnung richtig wohl zu fühlen muss die Wohnqualität passen. Sie hat direkten Einfluss auf unsere Lebensqualität. Dabei spielen viele Faktoren zusammen, natürlich auch subjektive. Wo ein anderer nie leben könnte, ist ein anderer glücklich. Vielleicht auch weil er/sie schlechteres gewohnt war?
    Es hängt sicher auch davon ab, wie und wo ein Mensch aufgewachsen ist. Vielleicht sucht man einen ähnlichen Ort oder sehnt sich immer wieder zurück.
    Wenn man in der Übergangsphase zum Wohnen eine qualitativ mindere Wohnung hat, macht es einem wahrscheinlich nicht so viel aus. Sucht man sich eine Wohnung oder baut sich ein Haus „fürs Leben“ -insofern man es sich noch leisten kann- so sollte das Wohnen schon einige Qualitätsmerkmale aufweisen. Zumindest die Qualitäten, auf die man Wert legt.

  7. Vor dem zweiten Weltkrieg wurden unterschiedliche Grundrisse nach Gesellschaftsklassen entworfen. In dieser Zeit versuchten Architekten eine Wohnung für alle zu schaffen, was erst nach dem Krieg gelungen ist. In den 20er Jahren wurden viele experimentelle Bauten im Bereich des Wohnens errichtet wie zum Beispiel vom Rundhaus bis zur Kollektivsiedlung.

    In den nun wirtschaftlich entspannteren Zeiten scheint der Wohnbau alle erdenklichen Bedürfnisse abzudecken. Für experimentelle Ansätze und Unerprobtes bleibt wenig Platz. Für Investoren scheint die Finanzierung solcher Projekte als zu unsicher. Vielmehr versucht man brauchbare Wohnungen für geringere Baukosten zu errichten. So sehen alle Wohnungen ähnlich aus und unterscheiden sich in ihrem Grundriss wenig. Manche Architekten erstellen sich Wohn Cluster, die sie abermals verwenden, um verschiedenste Baukörper zu befüllen.

    Wie soll sich so eine Architektur an die Umgebung, Kultur, Gesellschaft anpassen? Wie soll sie diese verändern?

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