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Entwurf vom Amt, Details vom Baukünstler?

3 Kommentare

Christian Kühn – Die „Wiener Architekturdeklaration“ aus dem Jahr 2005 war eine Sammlung fein ziselierter guter Absichten mit wenig praktischer Relevanz. Das Nachfolgeprojekt heißt „Baukulturelle Leitlinien“ und wird gerade unter Einbindung möglichst vieler „Stakeholder“ in moderierten Diskussionsrunden erarbeitet. Alle werden mitgeredet haben, alle werden gehört worden sein. Ob auch alle verstanden haben, worum es eigentlich geht, darf man aber angesichts der Art bezweifeln, wie gerade der Auftrag für die Planung einer neuen städtischen Volksschule in der Pirquetgasse im 22. Bezirk vergeben wird. Gesucht wird ein Generalplaner, der eine von der MA 19 in Eigenregie entworfene „Vorentwurfsstudie“ weiterplant und bis zur Umsetzung betreut. Inhaltlich ist das Projekt die Rache der städtischen Schulverwaltung MA 56 für die von PPAG entworfene Schule im Sonnwendviertel. Motto: Nur keine Experimente. Auch der VW Käfer hat sich doch auch jahrzehntelang bewährt. Da brauchen wir kein neues Modell.  Unabhängig vom Inhalt widerspricht diese Vergabe allem, was sich die „Baukulturellen Leitlinien“ zum Ziel setzen. Der Entwurf kommt vom Amt, die Details vom Baukünstler? Ein einmaliger Sonderfall, sagt die MA 19. Hoffen wir es.

Details zum Verfahren finden sich unter: http://www.architekturwettbewerb.at/competition.php?id=1209 Immerhin: Die Wiener Architektenkammer kooperiert bei diesem Verfahren nicht. Zu einem hörbaren Protest oder gezielter Subversion hat sie sich aber auch nicht durchgerungen.

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Autor
christian kuehn (privat)
Christian Kühn,
TU Wien & Architekturstiftung Österreich

 

 
Info zur angesprochenen
„Wiener Architekturdeklaration“ finden sie hier.

3 Kommentare zu “Entwurf vom Amt, Details vom Baukünstler?

  1. wenn ausnahmen zur regel werden, oder österreichisch:
    temporäres bleibt immer und ausnahmen sind die regel.
    wenn doch damit besonderes geschaffen werden würde:
    österreichisch: ein MA19-kapperl macht noch keinen hundertwasser, eher einen fuchs, eine schlauen zwischen politik und kasperltheater, schlau für wen:
    jene die kalmieren = österreichisch.

  2. Der Gedanke selbst ist zwar interessant, aber ich verstehe die Kritik des Autors. Mit einem „vorgefertigten Generalplan“ könnten die Behörden ihre Projekte stärker kontrollieren, Rahmen vorgeben und man hätte die Ausrede, dass es doch für die späteren „Detail-Umsetzer“ interessant ist, aus dem Grundriss doch noch etwas Eigenes zu entwerfen. Allerdings wird hier nicht nur die künstlerische Freiheit eingeschränkt, sondern es werden zwangsweise unterschiedliche Stile, Motive und Richtungen zusammengezwängt, desweiteren können grundlegende Mängel nicht mehr behoben werden; stattdessen muss man damit sogar arbeiten.

  3. Ein ähnliches Szenario wie oben beschrieben gab es an unserer Schule – nur kam da der Entwurf vom Architektenteam. Der Entwurf enthielt einen Plan für den Um -und Ausbau der Schule inklusive einer Erneuerung des Schulhofs. Der Plan für den Schulhof sah einen gepflasterten Hof mit – Architektonisch angepassten d.h. zurechtgeschnittenen – einzelnen Bäumen vor.
    Zum Glück wehrten sich viele Lehrer – insbesondere die Biologielehrer – gegen die Umsetzung dieses kahlen, unpersönlichen Schulhofkonzepts.
    Zum Glück stiegen die Architekten auf die – sehr entgegengesetzten – Vorschläge ein.
    Heute haben wir einen Schulpark mit Kräuterspirale, Biotop und die Schülerinnen genießen es, in dem Park ihre Pausen zu verbringen.
    – Auch so kann eine Planung ausgehen, wenn denn der Wille vorhanden ist.

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