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Lebensentwürfe in ländlichen Regionen. Ein Plädoyer für das Unerwartete

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Verbreitete Entwicklungsvorstellungen für ländliche Regionen, sei es in den Köpfen von EntscheidungsträgerInnen und PlanerInnenn bis hin zu ausformulierten Entwicklungsstrategien, grenzen Regionen oft auf bestimmte Funktionen und Möglichkeiten ein. Sie sind allzu oft „rückwärtsgewandt“ und „traditionalistisch“. Dabei zeigen sowohl die Geschichte ländlicher Regionen selbst als auch Beispiele aus der „eigenständigen“ Regionalentwicklung der letzten Jahrzehnte, wie sehr neue Ideen und Lebensentwürfe GEGEN vorhandene Rahmenbedingungen und Denkweisen Regionen einen neuen Impuls geben und diese attraktiver machen. Bei der Attraktivität ländlicher Regionen geht es um Möglichkeits- und Freiräume für Unbekanntes, Unerwartetes und Unkonventionelles, um Raum für Experimente und die Schaffung von Neuem. Wie Regionalgeschichte von Erneuerungsschüben geprägt werden kann, zeigt der vorliegende Beitrag.

Der Wandel ländlicher Regionen braucht neue Lebensentwürfe und Entwicklungsmöglichkeiten

Malerische Dörfer, attraktive Landschaften, unberührte Bergwelten, buntes Handwerk, idyllische Bauernhöfe, heile Welten und Lebensqualität. Wir alle kennen diese Bilder Österreichs jenseits der Ballungszentren. Wir kennen sie aus Schulbüchern, aus der Tourismuswerbung, aus Heimatfilmen. Es sind Bilder der Sehnsucht nach heilen Welten, harmonischen Landschaften und intakten Strukturen. Aber die Realität eines Wandels widerspricht diesen Bildern, nicht spektakulär und abrupt, sondern schleichend, leise und stetig: Landwirtschaftsbetriebe, die nicht mehr aufrechtzuerhalten sind. Das soziale Sterben von Dörfern. Kleine Gewerbebetriebe, die aufgeben. Die Abwanderung junger Menschen. Der Rückzug öffentlicher Infrastruktur. Ländliche Regionen stecken in einer Krise, nicht alle, aber ein Teil von ihnen.

Gleichzeitig sind ländliche Regionen auch Räume des Aufbruchs, verbunden mit neuen Sichtweisen und Visionen engagierter Menschen, geprägt von einem neuen Denken und Handeln in vielen Bereichen. Dafür gibt es Beispiele: Neue Wege, um Landwirtschaftsbetriebe aufrechtzuerhalten. Erfinderische und weitsichtige Handwerks- und Gewerbebetriebe. Initiativen für lebenswerte Gemeinden. Der Kampf um Gleichberechtigung von Frauen gegen eine patriarchalische Monokultur in Gemeinde- und Fördergremien. Es geht dabei um Alternativen zum Bestehenden, um neue Perspektiven und letztlich um neue Lebensentwürfe.

Die Entwicklungsmöglichkeiten ländlicher Regionen scheinen, im Gegensatz zu den Perspektiven von großen Städten, von spezifischen Rahmenbedingungen begrenzt zu sein. Klar, wird man reflexartig sagen: weniger Menschen, weniger Betriebe, weniger Infrastruktur, weniger Zugänge – daher auch weniger Möglichkeiten.

In einer Welt, die durch die zunehmende Polarisierung zwischen wachsenden Ballungsräumen einerseits und schrumpfenden strukturschwachen Räumen andererseits geprägt ist, liegt jedoch die Attraktivität ländlicher Regionen nicht allein in verfügbaren Arbeitsplätzen, in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, im vorhandenen Freizeitangebot oder in der Umweltqualität. Sie hat auch mit Dingen zu tun, die über gängige Erwartungen und zugedachte Funktionen für ländliche Regionen hinausgehen. Es geht um Möglichkeits- und Freiräume für Unbekanntes, Unerwartetes und Unkonventionelles, um Räume für Experiment und die Schaffung von Neuem. Diese Form der Attraktivität ist gerade jene, welche die TheoretikerInnen

von Kreativität und Innovation, wie zum Beispiel Richard Florida, in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen, wenn sie davon sprechen, welche Faktoren Regionen erfolgreich und attraktiv machen(Florida 2002).

Verbreitete Entwicklungsvorstellungen für ländliche Regionen, sei es in den Köpfen von EntscheidungsträgerInnen und PlanerInnen bis hin zu ausformulierten Entwicklungsstrategien, grenzen Regionen jedoch oft auf bestimmte Funktionen und Möglichkeiten ein. Sie sind allzu oft „rückwärtsgewandt“ und „traditionalistisch“. Dabei zeigen sowohl die Geschichte ländlicher Regionen selbst als auch Beispiele aus der „eigenständigen“ Regionalentwicklung, wie sehr neue Ideen und Lebensentwürfe GEGEN vorhandene Rahmenbedingungen und Denkweisen Regionen einen neuen Impuls geben und diese attraktiver machen.

Wie Bilder im Kopf Entwicklungsperspektiven begrenzen

Der ländliche Raum1 ist, wie auch der urbane, ein vielschichtiges Feld unterschiedlicher Bedeutungen und Zuschreibungen. Viele „Bilder im Kopf“ über diesen Raum prägen nicht nur unsere Alltagsvorstellungen und Vorurteile, sondern in der Folge auch Planung, Tourismus-Marketing und Regionalpolitik – von lokalen EntscheidungsträgerInnen und InstitutionenvertreterInnen bis hin zu den überregionalen StrategInnen auf Länder-, Bundes- und EU-Ebene. Es gibt Dinge, die man mit ländlichen Regionen „automatisch“ verbindet, wie zum Beispiel Landwirtschaft, Naturräume und Tourismus. Bestimmte Entwicklungsmöglichkeiten sind für ländliche Regionen vorrangig vorgesehen. Andere, wie zum Beispiel neue Industrien, Branchen und Berufe, wie sie derzeit vorwiegend in Städten heranwachsen, kann man sich für ländliche Regionen kaum bis gar nicht vorstellen. Diese „Bilder im Kopf“ bestimmen aber die Entwicklung von Regionen und somit auch Lebensentwürfe von Menschen genauso mit wie strukturelle und geografische Rahmenbedingungen.

Dies möchte ich an einigen Beispielen thematisieren.

Landromantik

Es gibt das romantisierte Bild des „Landes“ als Projektionsfläche für die Sehnsüchte in unserer Kultur als Gegenteil von Entwicklungen, die als negativ wahrgenommen werden: Verstädterung und Industrialisierung, eine zerrissene und konflikthafte Moderne oder eine hektische gestresste und sinnentleert erscheinende Welt. Diese Tradition der „Landromantik“ reicht vom adeligen und bürgerlichen Frühtourismus des 19. Jahrhunderts, wie er zum Beispiel im Salzkammergut entstanden ist, bis zu den Bilder- und Gefühlswelten des Wellness-Zeitalters und des Regionalitäts-Booms. Das Bild des Landes ist „aufgeladen“ mit dem, was sich viele Menschen wünschen: harmonische Landschaften und überschaubare Gemeinschaften, Bioprodukte und intakte Natur, Qualitätshandwerk und ähnliche Dinge. Es handelt sich um Bilder meist ohne moderne Technik und ohne die Elemente einer zeitgenössischen Gesellschaft, wie zum Beispiel MigrantInnen. Auch manche Gäste, die alpine Regionen aufsuchen und teilweise dort ihren Lebensabend verbringen, bringen oft eine Idealvorstellung vom Land mit. Sie vermuten eine gleichbleibende, eher harmonische soziale Welt. Gerade touristisch überlagerte Räume tun sich schwer, aufgrund der idealisierten Bilder, die sie permanent erzeugen und verbreiten, auch Probleme und Schattenseiten wahrzunehmen und sichtbar werden zu lassen, wie zum Beispiel eingeschränkte Zukunftsperspektiven von Jugendlichen.

Die Sehnsüchte vieler Gäste ländlicher Regionen nach diesen bestimmten Qualitäten führen dazu, dass diese Regionen vorrangig als Räume mit „bestimmten“ Eigenschaften wahrgenommen werden. Eine andere Realität schließen sie tendenziell aus. So ignoriert das Bild einer idealisierten ländlichen Welt mit natürlichen bäuerlichen Produkten, dass eine in vielen Regionen kleinstrukturierte Landwirtschaft unter den gegebenen Rahmenbedingungen wirtschaftlich kaum mehr lebensfähig ist. Ein von Werbung und Medien inszeniertes Sehnsuchtsbild von „Regionalität“ überdeckt einen dramatischen wie beinahe lautlosen Prozess der Aufgabe von kleinen Betrieben und eines Konzentrationsprozesses.2 Die massenhafte Aufgabe landwirtschaftlicher Betriebe hat mit prekären „Lebensentwürfen“ zu tun, in welchen sich BetriebsinhaberInnen oft befinden bzw. sich nicht mehr hineinbegeben möchten. Höfe werden nicht weitergeführt, da es keine Perspektive gibt. Auch im Falle einer erfolgreichen Spezialisierung und Wertschöpfung in Nischenbereichen sind die Rahmenbedingungen in vielen Fällen als prekär einzustufen.

Medial verbreitete Bilder von Ländlichkeit und Regionalität werden im Besonderen mit dem agrarischen Element verbunden. Dabei ist inzwischen nur mehr ein äußerst geringer Prozentsatz der Erwerbsbevölkerung, auch in „agrarisch“ geprägten Regionen, in der Landwirtschaft tätig. Die Realität ländlicher Regionen ist zum größten Teil nicht agrarisch geprägt.

Wie Bilder im Kopf Planung und Entwicklungspolitik beeinflussen

Nicht nur objektive Rahmenbedingungen, sondern eben auch tradierte Vorstellungen zu Entwicklungsmöglichkeiten ländlicher Regionen beeinflussen Planung und Politik. Eine Art räumliche Arbeitsteilung sieht für ländliche Räume bestimmte Funktionen wie Landwirtschaft, Ausgleichs- und Erholungsraum, Naturschutz, Ressourcennutzung, Nutzung für Tourismus und Freizeit vor. Dies ist im Sinne einer Potenzial- und Stärkenorientierung nachvollziehbar, wie räumliche Entwicklungskonzepte und regionale Entwicklungsleitbilder (man denke an die zahlreichen Leader-Strategien) zeigen. Allerdings kann dies auch dazu führen, dass alles, was nicht in das gewohnte Bild passt, wie zum Beispiel kreativwirtschaftliche Branchen oder akademisch ausgebildete Berufsgruppen, gar nicht als Potenzial erwogen wird.

Bilder im Kopf haben Konsequenzen: Zum Beispiel wenn sich Menschen aus einem städtischen Landeszentrum gar nicht vorstellen können, dass es „in der Region“ etwas gibt, das sie dort gar nicht erwarten. „Was habt ihr denn schon außer Wald? Industrie auch?“ So zwei Fragen aus der Erzählung einer ausgebildeten Innovationsmanagerin, die ihre Anstellung in der Landeshauptstadt aufgab, um in diesem Bereich in ihrer früheren ländlichen Heimat zu arbeiten. Ihre Erfahrung: Man wundert sich, dass sie dorthin zurückgeht, „wo nichts ist“. Auch ein Bürgermeister machte mir in einem Gespräch deutlich, dass er sich in seiner Gemeinde „nichts anderes“ als Tourismus vorstellen kann. Daher sei alle Aufmerksamkeit ausschließlich auf diesen Bereich zu lenken. Derartige Einschätzungen erfolgen, obwohl es in Tourismusgebieten neben der natürlich prägenden Tourismusbranche auch noch andere Branchen und Dienstleistungen gibt.

Eine besondere Problematik liegt in der verbreiteten Thematisierung von „regionaler Identität“ als Ressource und als gewachsenes Merkmal.3 Regionale Identität wird in ländlichen Regionen vorrangig mit „Tradition“ und „Kulturerbe“ verbunden. Demzufolge werden Elemente, die nicht zu diesem Bild passen, ausgeblendet. Derartige Strategien und Leitbilder laufen Gefahr, einer rückwärtsgewandten und traditionalistischen Sichtweise für die Entwicklung einer Region Vorschub zu leisten. Man verbindet die Zukunft einer Region überwiegend mit Bildern des allzu oft idealisierten Vorhandenen. Man lässt damit Neues, Unbekanntes und Unkonventionelles nicht zu. Derartige Einschränkungen und Festlegungen bedeuten einen Verlust an Möglichkeiten und somit auch einen Verlust an Attraktivität. Es ist bezeichnend, dass die Attraktivität urbaner Räume immer mit einer Vielfalt an Möglichkeiten und Freiräumen in Verbindung gebracht wird. Aber als Faktoren für ländliche Entwicklung wurden diese unter dem Titel „Soziale Vielfalt“ erst in den letzten Jahren in die Diskussion über ländliche Entwicklung eingebracht (Dax et al. 2009).

Die Problematik von Begrenzungen spiegelt sich auch in der verbreiteten Zusammensetzung von Vergabegremien, wie bei der Fördermaßnahme „Leader“, wider. Denn Gremien, die vorwiegend von männlichen Repräsentanten einer regionalen Elite in einer Altersgruppe zwischen 45 und 65 Jahren geprägt sind, können kaum den vielfältigen Potenzialen und Bedarfslagen einer Region gerecht werden. Sie laufen Gefahr, sich letztlich auf bestimmte Gruppeninteressen zu beschränken.4

Eingrenzende Festlegungen für ländliche Regionen führen quasi zu einer doppelten Benachteiligung: Denn zusätzlich zu schwierigeren strukturellen Rahmenbedingungen wird festgeschrieben, was man Menschen in ländlichen Regionen zutraut und was für sie „möglich“ ist.

Es gibt natürlich objektiv vorgegebene Rahmenbedingungen. Aber es gibt auch das Unerwartete. Dieser Faktor zeigt sich am Beispiel von zeitgenössischen Kunst- und Kulturinitiativen in ländlichen Regionen, die regelmäßig eine besondere Kreativität und Innovationskraft aufweisen, die jener in urbanen Räumen nicht nachsteht. Es gehört zum Kern zeitgenössischer Kulturinitiativen, Raum für andere Sichtweisen zu schaffen und neue Zugänge zu eröffnen. Dies ist ein Faktor, der in der Regionalpolitik und in der ländlichen Entwicklungspolitik bisher viel zu wenig wahrgenommen wird (Österreichische Kulturdokumentation. Internationales Archiv für Kulturanalysen 2011).

Nicht zuletzt ist auch auf traditionelle Feindbilder und Vorurteile gegenüber ländlichen Regionen innerhalb eines sich fortschrittlich und aufgeklärt verstehenden Bildungsmilieus hinzuweisen. Ihre RepräsentantInnen nutzen ländliche Räume gerne als Erholungsräume. Aber sie trauen den Menschen in diesen Räumen oft nichts zu. Es ist zwar schön dort, aber halt nicht zum dauerhaft leben! Man hält ländliche Regionen tendenziell für rückständig, konservativ und provinziell.

Politische Raumordnung und Konflikt der Lebensentwürfe: Wie regionale Eliten zum Brain Drain beitragen

In Österreich besteht innerhalb der ohnehin kleiner werdenden traditionellen politischen Lager und der damit verbundenen Institutionenlandschaft auch räumlich eine Art Arbeitsteilung. In meist von einer Partei über Jahrzehnte dominierten Regionen herrscht bei InstitutionenvertreterInnen allzu oft ein Selbstverständnis vor, dass die Deutungshoheit über die „richtigen“ Lebensentwürfe ausschließlich ihnen obliegt. Von ihnen wird definiert, was und wer dazu gehört – als Folgewirkung einer über Jahrzehnte gewohnten Macht, unabhängig davon, ob es sich um mehrheitlich „schwarze“ oder „rote“ Regionen handelt.

Natürlich beeinflussen die Vorstellungen einer regionalen Elite im besonderen Maße die Planung und Politik für ihre Räume. Aber sie machen ländliche Regionen dafür für jene Teile der Bevölkerung unattraktiv, die diesen Vorstellungen nicht entsprechen können oder wollen und deren Bedarfslagen nicht entsprechend wahrgenommen werden. Es scheint so zu sein, dass soziale Vielfalt nicht als zum ländlichen Raum gehörig wahrgenommen wird. Unterschiede, Widerspruch und Konflikte scheinen den „Betrieb“ zu stören. Aber ländliche Räume sind sozial nicht homogen, sondern heterogen und konflikthaft. Ich habe den Eindruck, dass dieses potenziell konflikthafte Moment gerne übersehen wird. In Strategien und Maßnahmen und Förderprogrammen kommt diese Thematik kaum vor: Menschen verlassen ländliche Regionen nicht nur aufgrund des Mangels an geeigneten Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten. Sie gehen auch weg, weil es zu wenige Möglichkeits- und Freiräume und damit verbundene soziale Qualitäten und Milieus gibt. Wenn zum Beispiel in der Qualifizierungsbilanz für eine Salzburger Region ein wichtiges Ergebnis lautet, dass junge Frauen, die in den Tourismusfachschulen der Region maturieren, anschließend die Region verlassen, hat dies vielleicht auch etwas mit dem Wunsch nach Lebensentwürfen zu tun, die sich vor allem im Tourismusgewerbe nicht realisieren lassen (Mühlböck et al. 2010).

Rahmenbedingungen, die Menschen zur Abwanderung bewegen, wie patriarchalische Sozialstrukturen, die von Frauen mit der Forderung nach Chancengleichheit seit Jahren thematisiert werden, sind bislang nach wie vor viel zu wenig in die Praxis der Regionalpolitik eingedrungen. Dass Menschen ländliche Regionen verlassen, weil sie für ihre Bedürfnisse und Perspektiven keinen Platz finden, hat nicht nur mit strukturellen Rahmenbedingungen, sondern auch mit einer veränderbaren Kultur zu tun. Maßnahmen gegen den Brain Drain sollten daher nicht nur beim Fachkräftebedarf von Betrieben, sondern auch bei den Motiven und Lebensentwürfen von Menschen ansetzen.5

Der ländliche Raum ist keine periphere Angelegenheit

Ein wichtiger Ausgangspunkt für die Bedeutung ländlicher Regionen ist die schlichte Tatsache, dass in einem Land wie Österreich – wie auch in manchen anderen Teilen Europas – rund zwei Drittel der Bevölkerung in ländlich strukturierten Regionen leben. Der Großteil der Bevölkerung lebt in kleinstrukturierten Verhältnissen, in Gemeinden und Kleinstädten. Wie sich diese Räume trotz Zuwanderung in Ballungszentren (vor allem im Speckgürtel) entwickeln, ist also keine Nebensache, sondern für eine derart strukturierte Gesellschaft bedeutsam.6 Die bisherige Lebensqualität in Österreich ist mit (noch) funktionierenden dezentralen Strukturen und relativ gleichwertigen Lebensbedingungen verbunden. Die Entwicklungsmöglichkeiten kleiner Einheiten und dezentraler Strukturen sind mit entscheidend, auch wenn kleine Einheiten für ihren Weiterbestand regionale Kooperationsmodelle und Reformen brauchen.

Ländliche Regionen sind mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert: nicht nur mit den Konsequenzen des demografischen Wandels und des wirtschaftlichen Strukturwandels (permanente Abnahme der Landwirtschaft, Rückgang traditioneller Branchen und Bereiche, Entstehung neuer Branchen und Berufe), sondern eben auch mit den Herausforderungen einer „Wissensgesellschaft“. Ländliche Regionen sind gefordert, diesen Wandel aktiv zu gestalten, unter entsprechend unterstützenden Rahmenbedingungen.

Die Strukturen einer wissensbasierten Ökonomie und Gesellschaft – Universitäten, Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen, innovationsorientierte Unternehmen etc. – sind vorrangig in Ballungsräumen verankert. Es geht daher darum, dass ländliche Regionen in der Lage sind, an die Strukturen einer wissensbasierten Gesellschaft entsprechend anzudocken, vorhandene Kreativ- und Wissenspotenziale nutzbar zu machen, mit Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen zu kooperieren. „Wissensgesellschaft“ in ländlichen Regionen bedeutet zum Beispiel: Möglichkeiten für junge Qualifizierte (TechnikerInnen, akademische Berufe) zu schaffen, die eine Bindung an ihre Herkunftsregion haben, sowie die Verankerung von neuen, zukunftsorientierten Branchen und Berufen.

Eine besondere Aufgabe besteht dabei auch in der Gestaltung einer Kooperationskultur zwischen Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen und ländlichen Regionen. Diese gibt es bislang vorrangig zwischen großen Industriebetrieben und Forschung, aber kaum in systematischer Weise zwischen kleinen Unternehmen und Gemeinden einerseits und urbanen Wissensstrukturen andererseits. Eine Herausforderung besteht vor allem in der Überwindung von Vorurteilen (z.B. „TheoretikerInnen“ versus „PraktikerInnen“) sowie von mentalen und strukturellen Barrieren zwischen unterschiedlichen „Welten“ der Wissenschaft und der Praxis (Marchner und Bärnthaler 2013). Das Andocken an die Wissensgesellschaft bedeutet deshalb nicht nur eine technisch-ökonomische Modernisierung, sondern auch eine soziokulturelle: Es braucht mehr Offenheit für neue Ideen und Denkweisen sowie für neue Formen der Zusammenarbeit.

Welche positiven Wirkungen Ausbildungseinrichtungen auf ihre regionales Umfeld haben, zeigen Beispiele berufsbildender höherer Schulen wie die landwirtschaftliche Fachschule Raumberg-Gumpenstein im steirischen Ennstal oder die HTBLA im oberösterreichischen Hallstatt. Ihre AbsolventInnen prägen die Region mit. Die Schulen schaffen Impulse für das regionale Umfeld. Sie verweisen letztlich auch auf die Bedeutung öffentlicher Investitionen in dezentrale Bildungs-Infrastrukturen als eine wichtige Voraussetzung für kreative und innovationsorientierte Milieus.

Ländliche Regionen brauchen aber nicht nur Strukturen für Ausbildung und Forschung, sondern auch mehr Freiräume für kreative Entwicklung. Ein derzeit klingendes Beispiel dafür ist das Projekt „Otelo – offenes Technologielabor“7. Im Mittelpunkt steht die Bereitstellung von Möglichkeits-Orten für gemeinschaftliches spielerisch-kreatives Experimentieren mit neuen Technologien für junge Menschen. Vielerorts werden mehr Möglichkeiten für offene und experimentelle Projekte eingefordert. In diesem Zusammenhang wird von Initiativen und Projektträgern im sozialen und kulturellen Bereich die Praxis von Förderprogrammen als zu hochschwellig und bürokratisch eingestuft.8

Die Bedeutung des „Nicht Vorgesehenen“

Das „Nicht Vorgesehene“, Unerwartete und das Ausbrechen aus gewohnten Pfaden sind ein zentraler Kern von Neuerungen.9 Wie sehr die Entwicklung in ländlichen Regionen durch neue Impulse angetrieben wird, zeigen historische und aktuelle Beispiele.

Wie Regionalgeschichte von Erneuerungsschüben geprägt wird

Das Beispiel der Geschichte einer Gemeinde im steirischen Salzkammergut10 zeigt, wie Neuerungen schubweise erfolgen, angestoßen von kreativen Persönlichkeiten und Gruppen. In dieser Region brachten der Bau der Eisenbahn (1877) und der damit erfolgte Anschluss an das moderne Verkehrs- und Wirtschaftssystem einschneidende Veränderungen. Sie besiegelten das Ende der seit dem Mittelalter bestehenden regionalen Wirtschaft, deren Krise sich bereits mit der abnehmenden Bedeutung des Salzes angekündigt hatte. Neben der bäuerlichen Wirtschaft spielten in dieser Gemeinde vor allem die Zuliefer- und Nebengewerbe im Rahmen der Salinenwirtschaft – Holzwirtschaft, Fuhrwesen, Handwerk – eine besondere Rolle. Die Eisenbahn beendete das traditionelle Fuhrwesen und die Verwendung von Holz für die Salzerzeugung. Gleichzeitig ermöglichte sie den Holzexport und einen Sommerfrische-Tourismus. Um 1900 war diese Gegend aber noch keine Tourismusregion, sondern vorrangig eine Bauern- und Gewerbelandschaft mit Forst- und Holzwirtschaft und einer kleinen unternehmerischen Bürgerschicht, die sich um neue gewerbliche wie touristische Initiativen bemühte.

Zu dieser Zeit wurde der bislang kaum existierende Skisport als „verrücktes“ Hobby einer bürgerlich-städtischen Schicht in das Tal importiert. Die Initiative dazu ging von einer lokalen Pioniergruppe aus, die von den Einheimischen anfangs stark belächelt wurde. Kreative Köpfe knüpften Kontakte zur neuen Skisport-„Szene“ in Ostösterreich (Lilienfeld, Mürzzuschlag, Wien). Prägend für die Gruppe war die starke Leidenschaft ihrer Mitglieder für den Wintersport. Sie legten letztlich den Grundstein dafür, dass die Gemeinde zu einem der ersten Wintersportorte in den Ostalpen während der letzten Jahre der Habsburgermonarchie wurde. Damit war etwas völlig Neues und Ungewohntes entstanden.

Einen weiteren Schub erlebte die Gemeinde erst wieder in den 1960er Jahren (abgesehen von ihrer kontinuierlichen Popularität als Tourismusgemeinde in der NS-Zeit). Diese Zeit ermöglichte in vielen alpinen Regionen Österreichs die Nutzung der durch das deutsche „Wirtschaftswunder“ ausgelösten hohen touristischen Nachfrage. Unter Führung einer Unternehmerpersönlichkeit, die als Kriegsflüchtling in den Ort gekommen war, wurde die Gemeinde quasi neu erschaffen. Teilweise schon länger bestehende Ideen (Straßen, Bäder) wurden realisiert. Ein Bauboom verwandelte innerhalb weniger Jahre den Ort in eine moderne Tourismusgemeinde – auch mit allen negativen Folgen der Verbauung der Landschaft. Natürlich spielten für diese Entwicklung positive Rahmenbedingungen eine Rolle. Aber entscheidend war die Visionskraft einzelner Persönlichkeiten, die der Region einen Impuls geben und Investitionen auslösen konnten.

Diese Beispiele – vor 1914 und in den 1960er Jahren – zeigen, wie sehr die Entwicklung einer Gemeinde und Region mit kreativen und unternehmerischen Persönlichkeiten – mit der heute vielzitierten Entrepreneurship – und mit neuen Perspektiven verbunden ist. Erneuerung erfolgt nicht automatisch, sondern ist immer von Menschen abhängig, die mit neuen Ideen vorhandene Rahmenbedingungen nutzen können. Dass dies auch gegen vorhandene, schwierige Rahmenbedingungen erfolgen kann, zeigt ein weiteres Beispiel in der Region: die Genese der Ski-Flugschanze am Kulm. Es erscheint eigentlich unlogisch, dass in einem Bergbauerngebiet zwei Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges ohne jegliche Mittel die Errichtung einer Flugschanze geplant und schließlich auch realisiert wird. Aber genau das ist passiert.

Pioniere und Pionierinnen gegen den Mainstream: Wie neue Zukunftsbilder von Regionen entstehen

Das zweite Beispiel bildet die Geschichte der eigenständigen Regionalentwicklung seit den 1990er Jahren (Waldert 1992). Sie beginnt mit Menschen, die vor dem Hintergrund von krisenhaften Entwicklungen nach Alternativen und neuen Wegen suchen. Das Besondere an ihren Initiativen ist, dass sie damit auch die Zukunft ihrer Regionen neu „erzählen“ und dass es um neue Sinn- und Lebensentwürfe geht: um Bauern und Bäuerinnen, die nach neuen Möglichkeiten suchen, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Oder um neue Formen des Tourismus, um neue gewerbliche Initiativen in industriellen Krisenregionen oder um die Vision der erneuerbaren Energie. Am Beginn der sogenannten eigenständigen Regionalentwicklung in Österreich stehen Pioniere und Pionierinnen, die als belächelte und teilweise auch bekämpfte AußenseiterInnen völlig neue Ideen dem herkömmlichen Denken in Wirtschaft und Politik in ländlichen Regionen entgegenstellten. Heute als selbstverständlich geltende Bereiche wie „Sanfter Tourismus“, „Biolandwirtschaft“ und „erneuerbare Energie“ sind keine Erfindungen etablierter Institutionen, sondern sie kamen vom Rand, ungeplant, nicht vorgesehen, teilweise auch unerwünscht.

Dazu verweise ich auf drei Beispiele: Die Tauernlamm-Genossenschaft im Bundesland Salzburg entstand Ende der 1970er Jahre als alternative Produktions-, Verarbeitungs- und Vermarktungsorganisation auf kleingenossenschaftlicher Basis. Die Initiative stellte mit ihrer Form der kooperativen Selbstorganisation einen Alternativpfad zu herkömmlichen Organisationsformen in der Landwirtschaft und den nachgelagerten Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen dar – auch gegen die Interessen etablierter landwirtschaftlicher Organisationen.

Die Erfindung des südoststeirischen „Vulkanlandes“ im Sinne der bestmöglichen Nutzung eigenständiger Potenziale ist der Initiative von Persönlichkeiten zu verdanken, ,die erlebten, wie sehr ihre Heimatregion von Seiten der Lokalpolitik, aber vor allem auch seitens der Landespolitik keine zukunftsfähige Perspektive gesehen wurde.

Die „Herzeige“-Energiegemeinde Güssing, die ehemals der ärmsten Region Österreichs zugehörte, nahm ihren Anfang im Entschluss , völlig neue und unerwartete Wege zu gehen und aus vorhandenen Möglichkeiten (erneuerbarer Rohstoffe als Ressource) etwas Neues zu schaffen.

Alle diese Beispiele haben etwas mit neuen Bildern von ländlichen Regionen und mit anderen Lebensentwürfen von Menschen zu tun: für Bergbauernhöfe, für eine Grenzregion oder für eine Gemeinde in einem strukturschwachen Gebiet.

Gerade Frauen-Initiativen in ländlichen Regionen zeigen, wie sehr es bei Regionalentwicklung um neue Lebensentwürfe, um die Änderung sozialer Muster und um neue Rollen- und Berufsbilder geht. Denn die Vielfalt an Entwicklungs- und Handlungsmöglichkeiten ist ein Kriterium dafür, dass, nicht nur, qualifizierte Frauen aus ländlichen Regionen nicht abwandern.

Kreativwirtschaft als Potenzial in ländlichen Regionen

Als drittes Beispiel nenne ich die Entwicklung neuer Branchen und Berufsfelder, die unter dem Sammeltitel „Kreativwirtschaft“ zusammengefasst wird.11 Vielerorts kann man sich Kreativwirtschaft nur als Angelegenheit von städtischen Ballungsräumen und urbanen Milieus vorstellen. Dass Kreativwirtschaft auch in ländlichen Regionen als Potenzial wahrgenommen wird, findet seine Bestätigung im 5. Österreichischen Kreativwirtschaftsbericht, der die Regionen als einen wichtigen Schauplatz der Kreativwirtschaft thematisiert. Inzwischen zählt jedes 10. Unternehmen in Österreich zur Kreativwirtschaft. Und immerhin: Ca. ein Fünftel der Kreativwirtschaftsbetriebe befinden sich in ländlichen Regionen, mit zunehmender Tendenz. Gertraud Leimüller, Vorsitzende creativ wirtschaft austria, schrieb dazu 2013: „Wir leben in einer Zeitenwende, in der sich die Verhältnisse mitunter umkehren: Bisher galt die Stadt als der ultimative Platz für KreativunternehmerInnen, weil dort unterschiedliche Meinungen, Erfahrungen und Fähigkeiten aufeinanderprallten und auf diese Weise Neues entstehen konnte. Das passiert auch weiterhin. Neu hinzugekommen ist jedoch, dass im Zeitalter der grenzenlosen Kommunikation auch ländliche Gebiete zu Brutstätten des Fortschritts werden können. Dafür müssen sich diese allerdings öffnen und zulassen, dass auf dem Dorfplatz neue, unkonventionelle Denkansätze verbreitet werden. Sie müssen neuen Arbeits- und Lebensmodellen Raum geben und schnelle Kommunikationsnetze, die Mobilität der BewohnerInnen und einen Austausch mit den Städten fördern. Denn viele Kreativunternehmen brauchen beides: Anschluss an Stadt und Land, Dichte wie Abgeschiedenheit. Darin liegt für Gemeinden und Regionen die große Chance, Abwanderung und Alterung nicht hinzunehmen, sondern kluge Spezialisierungsstrategien zu wählen, die sich kulturell wie ökonomisch auszahlen. Das ist harte Arbeit. Die Kreativwirtschaft als Werkzeug der regionalen Entwicklung schafft Möglichkeiten zur Erneuerung von ländlichen Strukturen, zur Markenbildung, zur Identitätsstiftung und zum positiven Image einer Region sowie neue Chancen für Wettbewerbsfähigkeit (Leimüller zitiert nach Creativ Wirtschaft Austria und Wirtschaftskammer Österreich 2013, S. 9).“

Die Rolle von Kreativwirtschaft für ländliche Regionen sieht der Kreativwirtschaftsbericht in ihrer Hilfestellung bei der Positionierung von Gemeinden, Städten und Regionen, in ihrer Unterstützung anderer Branchen sowie in neuen Impulsen für die Region. Dabei sind die Rahmenbedingungen für kreativwirtschaftliche Entwicklung zu beachten: Informations- und Kommunikationstechnologien und räumliche Mobilität haben dazu beigetragen, kulturelle wie räumliche Grenzen zwischen Stadt und Land zu verwischen und die Vernetzung zwischen Räumen voranzutreiben. Mobilität und Vernetzung führen auch zu neuen Lebensentwürfen, die noch viel zu wenig wahrgenommen werden. Dazu gehört zum Beispiel die wachsende Anzahl an Menschen, die an mehreren Orten leben und arbeiten und die Stadt und Land miteinander verbinden können.

Die Förderung dieses Sektors in ländlichen Regionen braucht vor allem „soziale Innovation“, d.h. Rahmenbedingungen für kreative Milieus, gemeinschaftliche Orte und Vernetzungsmöglichkeiten zwischen ländlichen Regionen und urbanen Zentren. Die Bereitstellung von Informations- und Kommunikationstechnologie und von geeigneten Orten alleine wird nicht ausreichen, um die Entwicklung dieser sehr kleinstrukturierten Branche zu unterstützen (früher in Form von „Telehäusern“, heute in Form von „Coworking Spaces“). Es braucht auch die Gestaltung entsprechend attraktiver sozialer und kultureller Qualitäten von ländlichen Standorten.

Ein Plädoyer für das Unerwartete und für mehr Utopie

Für ländliche Regionen besteht ein inzwischen breiter wahrgenommener Kanon an Herausforderungen: Dies betrifft das Andocken an die Wissensgesellschaft durch die Nutzung vorhandener Wissenspotenziale und gezielte Kooperationen mit Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen. Dies betrifft „Brain Gain“ zum Beispiel durch die bessere Bindung von Qualifizierten an ihre Heimatregion oder neue Kooperationsmodelle zwischen Schulen und Unternehmen zur Sicherung von Nachwuchskräften. Es betrifft die Förderung und Verankerung neuer, vor allem kreativwirtschaftlicher Branchen und Berufe ebenso wie die Entwicklung eines zeitgemäßen und zukunftsfähigen Handwerks. Es betrifft in besondere Weise Investitionen in dezentrale Strukturen im Bildungs- und Wissensbereich, denn Kreativität und Innovationskraft brauchen immer eine strukturelle Basis.

Alle diese Herausforderungen zusammen brauchen jedoch einen besonderen Akzent:

  • mehr Kreativität und Innovationskraft gegen Mainstream-Denken und mehr Freiräume für Unerwartetes

  • mehr von dem, was gemeinhin nicht vorgesehen und geplant ist

  • „Möglichkeitsräume“ für experimentelle und spielerische Tätigkeiten von Jugendlichen und

  • mehr von dem, was oft als das vermeintliche Gegenteil ländlicher Regionen erscheint: nämlich urbane Qualitäten wie Vielfalt, Widerspruch und Austausch in einer offenen, experimentierfreudigen Atmosphäre.

Förderprogramme und regionalpolitische Strategien könnten ihr Augenmerk nicht nur auf Infrastrukturen und die Förderung des allzu oft Bekannten legen, sondern mehr auf die Förderung von kreativen Milieus, von Austausch und Vernetzung und von kreativen und innovativen Prozessen, die per Definitionem auch Unerwartetes auf die Welt bringen – als wichtiges zukunftsweisendes Element zur Stärkung der Innovationskraft ländlicher Regionen.

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Autor: Günther Marchner
Organisations- und Unternehmensentwickler, Sozialwissenschafter, Projektentwickler, Moderator und Universitätslektor
Gründungs- und Vorstandsmitglied von Consalis.

foto: cristina colombo cc by nc nd

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zukunft mittelstadt

Literatur

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BMLFUW (2014a): Austria – Rural Development Programme (National). http://www.bmlfuw.gv.at/land/laendl_entwicklung/leprogramm.html. Zugegriffen: 30. April 2015.

BMLFUW (2014b): Entwurf für das Programm für ländliche Entwicklung in Österreich 2014 – 2020. Final draft 08.04.2014. http://www.bmlfuw.gv.at/land/laendl_entwicklung/laendliche-Entwicklung-2014-2020/LE2020.html. Zugegriffen: 30. April 2015.

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Mühlböck, Armin u.a. (2010): Arbeitsmarktpolitische Qualifizierungsbilanz für den Pongau, Salzburg

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Weber, G. & Fischer, T. (2009). Gehen oder Bleiben? Die Motive des Wanderungs- und Bleibeverhaltens junger Frauen im ländlichen Raum der Steiermark und die daraus resultierenden Handlungsoptionen. Unveröffentlichte Studie im Auftrag der Steiermärkischen Landesregierung.

Waldert, H. (1992). Gründungen. Starke Projekte in schwachen Regionen. Wien

1 D e n ländlichen Raum gibt es natürlich nicht. Es ist zu differenzieren. Es gibt prosperierende Räume im Umfeld von Ballungsräumen, die gut erschlossen, vernetzt sind. Im Gegensatz dazu gibt es jedoch jene peripheren Räume, die aufgrund ihrer räumlichen Lage und ihrer strukturellen Merkmale zu den demografischen und wirtschaftlichen Verlierern zählen. Daten und Typologien dazu liefern das Österreichische Programme für die Entwicklung des Ländlichen Raums 2007-2013, kurz LE 7-13 (BMLFUW 2009; die 9. Programmänderung ist nachzulesen unter: http://www.bmlfuw.gv.at/land/laendl_entwicklung/le-07-13/programmtext.html) bzw. das aufgelegte Programm für den Zeitraum 2014-2020, kurz LE 14-20 mit Titel „Austria – Rural Development Programme (National)“ (http://www.bmlfuw.gv.at/land/laendl_entwicklung/leprogramm.html), das als Final draft vom 8. April 2014 den Titel trägt Entwurf für das Programm für ländliche Entwicklung in Österreich 2014-2020, kurz LE 2020 (http://www.bmlfuw.gv.at/land/laendl_entwicklung/laendliche-Entwicklung-2014-2020/LE2020.html). Zu Daten und Typologien siehe auch Dax et al. (2004).

2 Gab es im Jahr 1995 noch 239.000 landwirtschaftliche Betriebe, waren es im Jahr 2005 nur noch 189.591. Im Jahr 2010 betrug die Anzahl an landwirtschaftlichen Betrieben noch 150.170 (siehe LE 7-13 in der Fassung BMLUF 2009; LE 14-20).

3 Abgesehen von meiner eigenen Kenntnis einiger Beispiele für regionale Entwicklungsleitbilder, die davon geprägt sind, wurde auf dieses Phänomen auch vom Koordinator der Österreichischen Netzwerkstelle des Förderprogramms „Leader“, Luis Fidlschuster, in einem Workshop hingewiesen

4 Auf einen diesbezüglichen Handlungsbedarf wird auch in der Evaluierung des Österreichischen Programms Ländliche Entwicklung 2007 – 2013 hingewiesen (Marchner und Pircher 2010 u. 2012).

5 Ein Beispiel für die Auseinandersetzung mit Motiven liefern Weber und Fischer (2009).

6 Nach den Angaben des LE 14-20 leben 45% der Bevölkerung in überwiegend ländlichen Regionen (d.h. mehr als 50% der Bevölkerung leben in „ländlichen“ Gemeinden, dies sind Gemeinden, in denen die Bevölkerungsdichte unter 150 EinwohnerInnen pro km2 liegt), 21% in integrierten Regionen (zwischen 15 und 50% der Bevölkerung leben in ländlichen Gemeinden) und 35% in urbanisierten Regionen.

8 Diese Rahmenbedingungen werden auch bei der Evaluierung des Österreichischen Programms für Ländliche Entwicklung (LE 7-13) von den AkteurInnen thematisiert (Marchner und Pircher 2010).

9 Dies macht letztlich auch Innovationsprozesse aus; Forschungen zur Innovationskultur und zu Innovationsprozessen thematisieren dies.

10 Den Hintergrund für diese Informationen bilden das Dokumentationsarchiv „Kultur in der Natur“ zu Geschichte, Kulturdenkmälern und Sagen der Gemeinde Bad Mitterndorf (dazu auch Marchner 2006 u. 2010).

11 Die Kreativwirtschaft umfasst erwerbsorientierten Unternehmen, die sich mit der Schaffung, Produktion und (medialen) Distribution von kreativen und kulturellen Gütern und Dienstleistungen beschäftigen. Diesem Feld werden Bereiche wie zum Beispiel Literatur/Verlagswesen/Printmedien, Musikwirtschaft, Audiovisuelle Medien (Film‐, Video‐, Fernseh‐ und Radiowirtschaft), Werbung und Werbewirtschaft, Architektur, Informations‐, Kommunikations‐, Multimedia‐ und Internetwirtschaft, Bildende Kunst/Kunstmarkt, Darstellende Kunst/Kunstmarkt, Grafik/Mode/Design, Museen/Bibliotheken zugerechnet.

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