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Eine Alternative zur postdemokratischen Stadtplanung

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Kurt Luger – Salzburg ist einzigartig, aber wie alle Städte, aus deren kulturell bedeutungsvollem Raum wirtschaftlicher Nutzen geschlagen werden kann, vom selben Problem betroffen: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten drängt das Kapital noch heftiger in Immobilieninvestitionen, wodurch die historischen Altstädte, deren einzigartiges kulturelles Erbe ihre herausragende Bedeutung ausmacht, erheblich unter Druck geraten.

Den Titel Welterbe tragen etwa historische Altstädte aufgrund ihres universellen Wertes für die Weltgesellschaft. Aber der Schutz des Erbes ist nicht ausreichend. Zwischen dem Bekenntnis zur Bewahrung auf dem Papier und der Praxis der Stadtplanung bzw. Stadtentwicklung klafft eine enorme Lücke.

Welterbe in Gefahr

Trotz eines Altstadterhaltungsgesetzes, eines strikten Denkmalschutzes und des UNESCO-Titels Welterbe drängen einige Investoren der Stadt offenbar ungeniert auf, wie und was sie in der Puffer- und Kernzone des Welterbes bauen wollen. Weder Bürokratie noch Politik verfügen über Mittel, um das rechte Maß zu finden für eine behutsame Entwicklung und verantwortungsbewusste Erhaltung des Wertvollsten, was Salzburg überhaupt besitzt – die historische Altstadt.
Wie die Geschichte zeigt, waren und sind sich die Salzburger dieser Einzigartigkeit wie auch der Verpflichtung, dieses städtebauliche Ensemble zu bewahren, nicht immer bewusst. Aber immer gab es wachsame Bürger, die sich der Zerstörungswut oder dem Modernisierungswahn von Spekulanten, Investoren, Bauherren, Architekten und Politikern in den Weg stellten. Als Österreichs erste Stadt hat Salzburg 1967 ein Altstadterhaltungsgesetz eingeführt und wirkte für andere Städte beispielgebend. Mit dessen Umsetzung gelang es im Großen und Ganzen, die wertvolle Substanz zu erhalten. Es gelang aber nicht, der wachsenden Immobilienspekulation Einhalt zu gebieten. Die jüngsten Entwicklungen lassen berechtigte Zweifel aufkommen, ob die schützenden Gesetze tatsächlich immer eingehalten werden, ausreichend sind, und ob sich die Sachverständigenkommission dem Altstadterhaltungsgesetz tatsächlich verpflichtet fühlt. Es blühen Flächen-, Höhen- und Gewinnmaximierung einiger weniger Investoren zu Lasten der Allgemeinheit. Eine Reihe von Bauprojekten steht an bzw. wurde von der Baubehör-de bereits bewilligt. Sie bedrohen die Echtheit und die Unversehrtheit des Welterbes ernsthaft.
Alle Defizite und Widersprüche habe ich mit mehreren Autoren in dem Buch „Die bedrohte Stadt“(Innsbruck-Wien 2014) an einer Reihe von Beispielen aufgezeigt und bis in die letzte Fußnote hinein mit Daten und Fakten, mit Argumenten und Auszügen aus Protokollnotizen belegt.

Kulturerbe als Chance

Wissenschaft hat Analysen anzustellen und die bestmöglichen Forschungsergebnisse und Erkenntnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieses Wissen bildet die Voraussetzung für einen öffentlichen Diskurs und Öffentlichkeit herzustellen heißt, die Bevölkerung als Mitentscheider in den Prozess hereinzuholen. Nichts fürchtet aber das eingespielte System mehr als eine wache und kritische Öffentlichkeit, weil die bislang beteiligten Akteure in der Stadtentwicklung damit ihre Deutungshoheit verlieren oder diese wenigstens in Frage gestellt sehen. Man soll gar nicht hören oder sehen, was im Vorfeld geregelt wird oder ob Ergebnisse von Wettbewerben nachbearbeitet werden. Partizipation im Sinne der UNESCO heißt aber, dass die Bürger einer Welterbestadt die Entscheidungen mitbestimmen. Die dazu erforderliche Information wird nicht geliefert, Öffentlichkeit wird verhindert, etwa durch Verschweigen.

In anderen Welterbestädten entstehen Managementpläne unter Einbeziehung der Bevölkerung, die sich dann mit ihrem Welterbe auch identifiziert. Nicht so in Salzburg. Der von der UNESCO geforderte breite gesellschaftliche Diskurs über die Einzigartigkeit und Bedeutsamkeit des baukulturellen Erbes, den das Welterbemanagement initiieren sollte, wurde bislang nicht geführt.
Kulturerbe als Chance zu begreifen, um historische Stadtteile und Stadtzentren widerstandsfähiger zu machen – so weit ist man hier noch nicht. Voraussetzung dazu sind integrierte Planungsverfahren, eine langfristige Perspektive, um angepasste Nutzungen und Adaptionsstrategien umsetzen zu können. In dem die Vorzüge des gebauten Kulturerbes bewahrt werden, nehmen Bestand und Attraktivität zu. Gemeint sind die hochwertige technische Konstruktion der Bauten wie die Verwendung traditioneller, handwerklich wertvoller und dauerhafter Materialien. Der Erhalt von Handwerkstechniken, funktionale Wechselbeziehungen zum Umland und die Unterstützung lokaler Wirtschaftskreisläufe auch im Sinne einer Stadt der kurzen Wege sind Elemente eines ganzheitlichen Schutz- und Entwicklungskonzeptes. Darin sieht man einen wichtigen Resilienzfaktor, von dem die Zukunftsfähigkeit historischer Stadtquartiere abhängt.

Historische Stadtlandschaften bilden so eine Antithese zur Stadt, die sich dem Verkehr anpasst bzw. unterordnet. Altstädte eröffnen eine zukunftsorientierte Sichtweise des nachhaltigen Wirtschaftens und Zusammenlebens, die sich dem Diktat der entfesselten Mobilität, aber auch dem ökonomischen Nützlichkeitsdenken und dem Profitkalkül in gewisser Weise widersetzt. Sie sind Erinnerungsräume, die Menschen mit zeitübergreifenden Ordnungen in Berührung bringen. Sie bilden Heterotope, die Kontemplation und Ganzheitserfahrungen ebenso wie Unterhaltung und Muße ermöglichen, oder werden zu einem Lebensraum, der Beruf und Freizeit in fußläufiger Reichweite vereint. Altstadterhaltung hat somit auch im sozialen Denken eine Berechtigung und reicht in seiner Wichtigkeit über den schönen Schein etwa einer authentischen Fassadengestaltung oder der touristisch motivierten Bewahrung einer historischen Erlebniswelt weit hinaus.

Postdemokratische Zustände

Städteplanung verlangt heute den direkten Dialog mit und zwischen den handelnden Akteuren. Wo von Anfang an die relevanten Akteure in den Prozess der Erarbeitung und Umsetzung der integrierten Strategie eingebunden sind, gemeinsam die Ausarbeitung der Visionen, Ziele und Maßnahmen erfolgt, lassen sich die Konflikte zähmen und dauerhafte Lösungen entwickeln. Kooperative Entscheidungsfindungen sind inzwischen vielerorts charakteristische Planungsabläufe. Im Kontext von Welterbestätten wird dies von der UNESCO sogar explizit gefordert.

In Salzburg sind gerade in dieser Hinsicht gravierende Mängel festzustellen. Anstelle partizipativer Vorgehensweisen dominieren solche, die eher dem Modell der postdemokratischen Gesellschaft entsprechen. Der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch sieht darin eine Gesellschaft, die nur so tut, als wäre sie an der Beteiligung der Bürger am politischen Prozess interessiert. In Wirklichkeit geht es nicht um Gemeinwohl oder Verteilungsgerechtigkeit. Interessenskonflikte werden durch Verwaltungsvorgänge aufgehoben. Die politischen Repräsentanten verlagern die Verantwortung auf Experten, Kommissionen und Unternehmen. Die Postdemokratie entspricht somit einer Scheindemokratie, in welcher der Einfluss der privilegierten Eliten zunimmt und der Markt im neoliberalen Verständnis für sie zu einem Selbstbedienungsladen wird. Der Einfluss der Bürgerinnen und Bürger, die über Wahlen ihre Bedürfnisse durchsetzen wollen, wird durch die Interessenspolitik des Konglomerats aus ökonomischen und politischen Eliten substituiert. Dies führt zur Entmachtung der Wähler, macht sie politisch passiv und letztlich apathisch.

Öffentlichkeit herstellen

Bürgerpartizipation und die Herstellung kritischer Öffentlichkeit, um den Beteiligten Handlungsmöglichkeiten zu bieten, sind die einzig probaten Mittel, um der Dominanz der Eliten Einhalt zu gebieten. Das hat schon einmal gut funktioniert. Aus einem Konflikt über Stadtentwicklung entstand in Salzburg in den 1980er Jahren die Bürgerliste durch den Zusammenschluss von Bürgerinitiativen, die eine umweltgerechte Stadtplanungspolitik forderten. Mit ihrem Programm kamen sie in den Gemeinderat sowie in die Stadtregierung. Die Herausforderungen heute lassen sich nur mit mehr Partizipation in den Griff bekommen, nicht durch die Abschaffung von Möglichkeiten direkter Demokratie, wie kürzlich im Salzburger Gemeinderat praktiziert.

Außer einer Messingeinlage vor dem Mozartdenkmal auf dem Mozartplatz verweist in der Stadt nichts auf seinen Status Erbe der Menschheit. Das Feuerwerk der Begeisterung über die Ernennung zum Welterbe 1997 ist längst verpufft. Erst die fragwürdigen Bauprojekte der letzten Jahre, die zu einem medialen Aufregerthema wurden, erinnerten die Salzburger daran, dass sie Welterbe sind. Mit über 25.000 Unterschriften haben sie gezeigt, dass ihnen die Erhaltung der Altstadt wichtig ist. Welch grandioses Bekenntnis zu Pflege und Schutz der Altstadt diese Unterschriften in Wirklichkeit darstellen, zeigt ein Blick auf die Bürgermeisterwahl im März 2014. Im ersten Wahlgang erzielte Bürger-meister Heinz Schaden bei einer Wahlbeteiligung von 49,7 % 23.505 Stimmen. Im zweiten Wahlgang sank die Wahlbeteiligung auf 31,2 % und er wurde mit 23.012 Stimmen erneut zum Bürgermeister gewählt. Bis heute hat die Stadt weder die Unterschriften anerkannt noch hat sie dieses Bürgervotum als Auftrag zum Überdenken ihrer Stadtplanung und ihres Umgangs mit dem Welterbe verstanden.

Dass die Stadt auch anders kann, zeigt die Kulturverwaltung. Vor kurzem wurde in einem ziemlich aufwändigen Prozess die Erstellung eines Kulturleitbildes für die Stadt Salzburg und die Arbeit zu einem darauf basierenden Entwicklungsplan abgeschlossen. Aber dort ist weniger Geld zu verdienen, wird nicht durch Federstrich Grünland zu Bauland und damit Vermögen gemacht. Kultur hingegen bzw. Kunst sei schön, mache aber ziemlich viel Arbeit, wie der Bayerische Philosoph Karl Valentin einmal sagte.

Analog dazu wäre für die wenigen nicht verbauten Grundstücke in der Altstadt ein Bebauungsplan zu erarbeiten, und zwar unter Einbeziehung der lokalen Stakeholder. Bebauungsplan Grundstufe, Aufbaustufe, Architekturwettbewerb – Transparenz ließe sich in einem mehrstufigen Verfahren erreichen. Die Investoren wüssten, was in der Kernzone des Welterbes Salzburg möglich ist und was nicht, es bestünde Rechtssicherheit. Eine solche Grundlage müsste dem Muster des Heritage Impact Assessments folgen und unbedingt in einem Managementplan enthalten sein. Das Werkzeug existiert – man muss es nur anwenden. Eine solche Klärung ersparte allen Beteiligten Geld und Stress. Die gesparte kreative Energie ließe sich woanders, etwa in anderen Stadtteilen, einsetzen, sie wird dort ebenso dringend gebraucht.

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Autor
Kurt Luger ist Professor für Transnationale Kommunikation am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg und seit 2011 Inhaber des UNESCO Lehrstuhls für „Kulturelles Erbe und Tourismus“. Rezente Publikationen: Tourismus und mobile Freizeit (2015, mit Roman Egger), Die bedrohte Stadt (2014, mit Christoph Ferch), Kulturelles Erbe und Tourismus (2010, mit Karlheinz Wöhler), Welterbe und Tourismus (2008, mit Karlheinz Wöhler).
www.kurt-luger.at

Foto: © Erika Pircher

5 Kommentare zu “Eine Alternative zur postdemokratischen Stadtplanung

  1. Ich persönlich bin der Meinung, dass sich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Salzburg bewusst machen sollten, welchen Verwendungszweck die Altstadt in den nächsten Jahrzehnten einnehmen soll. Ist es erstrebenswert jegliche Belebungsversuche der Altstadt abzublocken und soll sich die Altstadt in ein Museum und einen Schauplatz für Touristinnen und Touristen verwandeln, wo keine Menschen mehr leben und ihren Alltag verbringen? Ich glaube wir sollten mehr darüber nachdenken, welche Funktion eine Stadt hat und wann diese fluriert und wann sie sich in etwas Schwaches und kränkliches entwickelt. Natürlich hat die Stadt die meisten Einnahmen durch den Tourismus, aber wie wirkt die Stadt in den Zwischenmonaten Oktober bis Ende November oder Anfang Januar bis Mitte April? Sie ist relativ leer und wirkt fast schon verwaist.
    Ich finde, dass bei diesen Stadtbesiedelungsproblem viel zu selten auf die Studierenden in der Stadt eingegangen wird. Jetzt haben wir einen Altstadtcampus mit dem die Paris Lodron Universität Salzburg sogar ihre Werbung macht, wie einzigartig dieser ist etc. und trotzdem werden die Studierenden viel zu selten berücksichtigt. Die Mietpreise sind in der Altstadt zu teuer, wodurch sich die meisten in den Studentenheimen niederlassen oder am Stadtrand. Ein Problem hierbei sind die schlechten Busverbindungen abends. Nach halb 1 in der Früh kommt man fast nicht mehr von A nach B, außer man nimmt sich ein Taxi. Das können sich vielleicht Touristen leisten, aber für Studierende ist das untragbar.
    Ich bin davon überzeugt, dass auch alte Gemäuer und ihre Einzigartigkeiten sehr gut angenommen und auch bewahrt werden können. Vielleicht sollte man versuchen, die Eigentümerinnen und Eigentümer von leerstehenden Wohnungen zu animieren sich Gedanken zu machen, nicht wie man Bauvorhaben verhindern kann, um den Marktwert von Immobilien zu halten, sondern wie man diesen auch noch steigern könnte und viele Gesellschaftsschichten davon profitieren könnten.

  2. Eingequetscht, oder eingebettet, zwischen Mönchs- und Kapuzinerberg befindet sich das sogenannte Zentrum der Stadt Salzburg. Da die beiden Hügel Salzburg nicht mehr loslassen werden, stellt sich die Frage, was in diesem Zentrum passiert beziehungsweise, was sich in den Zentren außerhalb entwickeln wird. Jede Stadt besteht aus Grätzeln und Vierteln, die durch Zuwanderung, Trends, Bauhvorhaben und -genehmigungen wachsen. Daher ist es auch umso essentieller, diese Viertel zu unterstützen und mit kreativer Infrastruktur auszustatten.
    Klar wird auch der Altstadtkern restauriert und restauriert, doch im Sommer ist als BewohnerIn der Stadt wegen der Massen an Touristen oft kein Durchkommen. Man wünschte jeder und jedem ein zweites Paar Augen an den Hinterkopf, sodass die Stadt auch zügiger betrachtet werden und herankommende Radfahrer früher erkannt werden könnten. Klar, das Flair der Innenstadt schwebt durch die Luft bei Sonnenschein wie bei Regen – doch es gehören ebenso die außerhalb liegenden Teile gefördert, mit einem Mix aus beschatteten Plätzen, Läden und Gassen gefüllt, die Jüngere und Ältere gerne aufsuchen – abseits des Touristentrubels.
    Wie kann also weiter sensibel geplant werden? Das Radwegenetz funktioniert sehr gut, doch das der Busse, besonders in der Nacht, ist wirklich bedenklich. Wenn mich Freunde besuchen kommen und ich ihnen erklären muss, dass es ab elf Uhr abends keine Busverbindung nach Hause gibt, so bezweifle ich den Titel einer „Weltstadt“, mit dem sich Salzburg besonders während der Festspielzeit gerne schmückt.
    Daher, mehr Platz und Förderungen für junge Kultur, für altersgerechte Wohnräume und für städtische und stadtinteressierte Betriebe – auch außerhalb des Stadtkerns.

  3. „Partizipation im Sinne der UNESCO heißt aber, dass die Bürger einer Welterbestadt die Entscheidungen mitbestimmen. Die dazu erforderliche Information wird nicht geliefert, Öffentlichkeit wird verhindert, etwa durch Verschweigen.“ Wenn die Bürger in Entscheidungen mit einbezogen werden würden, würden sie ein größeres Bewusstsein für ihre Stadt entwickeln. Sie kennen ihre Stadt, ihren Lebensraum, was funktioniert, was nicht und was ihnen wichtig ist. In diesem Bereich sollte unbedingt direkte Demokratie herrschen! Auch sollte man meiner Meinung nach die Altstadt unbedingt als historisches Zeugnis bewahren. Es hat mir sehr gut gefallen, wie in diesem Artikel argumentiert wird, dass historische Stadtlandschaften eine Antithese zur sich anpassenden Stadt bildet und somit Erinnerungsräume sind.
    Wie schon in obigen Kommentaren angesprochen sollte man sich in Salzburg mehr Gedanken darüber machen, wie Räume, die nicht im Zentrum gelegen sind, ausgebaut, angebunden und besser genutzt werden können. Aber natürlich sollte auch die Altstadt nicht nur zu einem künstlichen Museumsraum verkommen, sondern auch ein real belebter Ort sein, was durch mietbare Wohnungen erreicht werden könnte.

  4. Zunächst ist es faszinierende und traurig, sich der Informationen bewusst zu werden, welche dieser Text beinhaltet.
    Was sind wohl Gründe für die Distanz der SalzburgerInnen zu ihrer Altstadt?
    Wie bereits angesprochen, ist oder wirkt der Umstand unverrückbar, dass in der Altstadt kaum städtisches Alltagsleben stattfindet. Nachts ist die Gegend fast menschenleer, tagsüber bevölkern sie Touristen.
    Der Haken könnte darin liegen, dass erst das Schaffen von urbanem Lebensraum, für in Salzburg lebende Menschen unterschiedlichen Einkommens, einen öffentlichkeitswirksamen Anspruch auf Mitbestimmung in der Gestaltung der Altstadt möglich machen würde. Dieser Anspruch wiederum setzt voraus, dass ein Altstadtbezug durch dort lebende Menschen entsteht, womit sich der Teufelskreis schließt.
    Aus meiner Sicht herrscht in Salzburg, unter Einheimischen und Zugezogenen gleichermaßen, die Stimmung, dass in der Altstadt Wohnraum für „normale Menschen“ geschaffen werden soll.
    Gerade weil sie Kulturerbe ist, sollten dort nicht Investoren über lehrstehende Gebäude spekulieren, sondern vorhandene Wohnfläche genutzt werden, damit städtisches Leben stattfinden kann.

  5. Die Thematik ist sehr interessant und wirft mehr Frage auf, als in dem Artikel tatsächlich bearbeitet wurden. So schwingen Fragen mit, wie „Muss die Altstadt so bleiben wie sie immer war?“, „Was ist schützenswert, was nicht?“, „Für wen ist die Altstadt?“, „Wer entscheidet über das Stadtbild?“ und vieles mehr. In dem Artikel wird darauf beharrt, dass die Altstadt in ihrem historischen Antlitz zu wahren und vor Investoren, die die Stadt mit Hochhäusern und ähnlichem „verschandeln“ wollten, zu schützen ist. Das führt eben vorbei an der Frage, ob sich nicht auch ein historischer Stadtkern verändern kann. Ich studiere neben Bildnerischer Erziehung auch Geschichte und stoße dabei selber immer wieder auf diese Frage. Einerseits sollen natürlich historische Gebäude und Plätze erhalten werden, da diese sonst verloren sind und man aus der heutigen Sicht Zeugnisse der Vergangenheit für Wertvoll erachtet. Jedoch ist die „historische“ Altstadt ebenfalls ein Sammelsurium der verschiedensten Bauepochen, wo immer etwas verändert wurde. So sollte auch darüber nachgedacht werden, in wie weit auch das Moderne mit dem Historischen zusammen funktionieren kann.
    Meines Erachtens ist in Salzburg auch das Problem, dass sich in der historischen Altstadt weniger für die heutige Bevölkerung abspielt, als es möglich wäre und wie es in manch anderen Städten ist. Vorrangig ist wichtig, dass für die Haupteinnahmequelle, die Touristen, davon viele Festspielgäste, der schöne Schein gewahrt wird. Es gibt zwar einige gute Ansätze, die die Altstadt auch für die Bevölkerung beleben, wie die Siemens Festspielnächte oder das Kaiviertelfest und diese werden auch gut angenommen. Genau solche Aktionen begünstigen, dass sich die Salzburger_innnen mit ihrer Stadt identifizieren und sich auch für ihren Schutz einsetzen. Ein gutes Beispiel einer anderen Stadt finde ich Linz. Als Linz 2009 zur Kulturhauptstadt gewählt wurde, gab es zahlreiche Ideen um auch für die heutige Bevölkerung etwas zu tun, so zum Beispiel der Höhenrausch, der zum Sinnesrausch weiter entwickelt wurde. Außerdem gibt es in Linz im Sommer das Pflasterspektakel, die Klangwolke, Donau in Flammen oder diverse andere Feste. Anhand des Sinnesrausches erkennt man wie sich Historisches, mit Kunst und Moderne verbinden lässt.
    Ähnlich ist es beim Einkaufen. Wenn ich in der Getreidegasse und in der Salzburger Altstadt shoppen möchte, stoße ich auf Trachten- und Souvenirgeschäfte, dazwischen ist ein H&M und weiter geht es mit Boutiquen und Souvenirgeschäften. Richtig ansprechend ist dies für Salzburger_innen nicht und sie pilgern in den Europark, übrig bleiben die Touristen. Linz im Vergleich bietet die Landstraße, auf der ein großes Einkaufsangebot auch für die normalen Bürger_innen herrscht. Salzburg scheint auch abends schnell auszusterben; um zehn am Abend im Sommer wird es schon schwer ein Eis zu bekommen, in Linz hatte ich das Problem noch nicht. Zusammengefasst muss man sagen, dass Salzburg eine Touristenstadt ist und dabei die Einheimischen manchmal zu kurz kommen. Wenn jedoch neben dem Tourismus auch auf die Salzburger_innen gesetzt wird, bekommt man Bürger_innen, die stolz auf ihre Stadt sind, sich mit dieser identifizieren und diese auch schützen wollen.
    Der Ansatz die Bürger_innen mehr in den Entscheidungsprozess, wie es mit Salzburg weitergehen soll, einzubinden, ist einerseits sehr interessant und lobenswert. Allerdings finde ich, dass er auch Gefahren birgt. Denn wenn Stadtbürger_innen, die sich momentan nicht wirklich mit ihrer Stadt identifizieren, entscheiden können, kann es auch dazu kommen, dass sie falsch entscheiden und sich gegen das Schützen der Altstadt aussprechen und stattdessen zum Beispiel ein Shoppingcenter in Zentrum wünschen. Nicht immer trifft die Mehrheit die beste Entscheidung. Miteinher müssten auf jeden Fall, wie schon oben beschrieben, Strategien gehen, die die Salzburger_innen mehr an ihre Altstadt binden, damit sie sie nicht als bloße Touristenattraktionen sehen. In dem Artikel wird zwar über die Wichtigkeit der Partizipation der Einwohner_innen beim Entscheidungsprozess geschrieben, jedoch wird nicht näher ausgeführt wie diese aussehen soll. Er schreibt zwar von einer Bürgerinitiative und von Petitionen, was auch schön und gut ist, aber wer hat schon die Zeit sich so aktiv in die Politik einzubringen? Wenn es eine Forderung der UNESCO ist, dass mehr Partizipation herrschen soll, dann muss diese auch von der Politik ausgehen. Es sollten Strukturen geschaffen werden, wie sich die Menschen mehr einbringen können, sie sollten aktiv eingeladen werden und es kann nicht genug sein, dass man auf eine Petition wartet und wenn keine kommt davon ausgeht, für die Einwohner_innen sei alles ok wie es ist.

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